Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe — Institute

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NEKROLOGE

o Düsseldorf. Am 13. Juni verschied in Blankenburg
i. Harz der ehemalige Düsseldorfer Akademie-Professor
Hugo Crola. Er ist hauptsächlich als Porträtmaler bekannt
geworden. Bildnisse seiner Kunstgenossen E. Bendemann
— seines Verwandten und ersten Lehrers —, von P. Jans-
sen, Forberg und Ed. von Gebhardt hängen zum Teil in
der Berliner Nationalgalerie und in der Düsseldorfer Kunst-
halle. Crola war am 30. November 1841 geboren. Ein
schweres Leiden hatte ihm schon längere Zeit die Ausübung
seiner Kunst unmöglich gemacht.

X Am 30. Mai starb in Berlin der Maler Ludwig Noster,
der 1896 vom Kaiser, der ihn besonders schätzte, den vor-
her niemals verliehenen Titel eines Hofporträtmalers erhalten
hatte und der zumal durch seine zahlreichen Bildnisse des
Monarchen bekannt geworden war. Noster, der am 9. Ok-
tober 1859 zu Friedeberg in der Neumark geboren ist, also
ein Alter von nur fünfzig Jahren erreicht hat, war Schüler
der Berliner Akademie unter Thumann, Knille, Anton von
Werner und Karl Gussow, auf dessen Rat er nach Düssel-
dorf ging, um dort bei Gebhardt und Wilhelm Sohn weiter
zu studieren. Er trat zuerst mit Genrebildern hervor, wandte
sich aber dann fast ganz dem Porträtfach zu. Von seinen
Bildnissen seien außer denen des Kaisers, die der Herr-
scher besonders gern zu Geschenkzwecken verwandte, die
des Prinzen Heinrich, Alfred Krupps, Heinrich Seidels und
der Frau von Hochenburger genannt. Leser der »Zeitschrift
f. bild. Kunst« seien an die feine Radierung von Krostewitz
nach Nosters Bilde »Im Sonnenschein« (Jahrg. 1894, Heft 9)
erinnert.

+ München. Der bekannte Maler Alfred Zimmer-
mann, ein Bruder des 1901 verstorbenen Ernst Zimmer-
mann, ist bei einer Kahnfahrt auf dem Chiemsee auf bisher
noch nicht aufgeklärte Weise verunglückt. Alles Suchen
nach der Leiche war vergeblich.

In Petersburg, wo er 1856 geboren wurde, ist kürzlich
Michael Wrubel gestorben, eine der originellsten Er-
scheinungen in der russischen Kunstgeschichte. Sein Name
gehört jetzt zu den populärsten in ganz Rußland, nachdem
er lange Zeit nicht die gebührende Beachtung gefunden
hatte. Wrubel war der erste wahre Farbenschwärmer in
Rußland. Lange, ehe die Gedanken des Seuratkreises all-
gemein bekannt wurden, arbeitete er mit Komplementär-
farben und verwandte das ganze Teilungssystem der
französischen Pointillisten. Er war ein äußerst mannig-
faltiges Talent, nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer,
vor allem ein ausnahmsweise begabtes dekoratives Genie.
Seine Wandbilder in russischen Kathedralen und Privat-
häusern gehören zu dem Besten, was die moderne De-
korationsmalerei in Rußland geschaffen hat. Eins seiner
Bilder, »Prinzessin Schwan«, ist im zweiten Jahrgange der
»Meister der Farbe« reproduziert.

John Qu. A. Ward, der Nestor der amerikanischen
Bildhauer, ist vor kurzem in New York gestorben. Er war
1830 in Urbana, im Staate Ohio geboren und zeigte schon
als Knabe einen ausgesprochenen Hang zum Modellieren.
Wards erster Erfolg, den er übrigens nicht wieder erreichte,
war sein 1857 ausgestellter »Indianer auf der Jagd« (heute
im Central Park, New York). Ward war der Schöpfer
einer stattlichen Reihe von Denkmälern, von denen die her-
vorragendsten sind: Washington in Wall Street, New York:
Israel Putnam in Hartford, Commodore Perry in Newport,
General Hancock in Philadelphia, Skakespeare im Central
Park, New York. Er war eine Zeitlang Präsident der
National Academy of Design und der National Sculpture
Society. B.

PERSONALIEN
An der Weimarer Kunstakademie ist das Lehramt
für Bildhauerei durch den Abgang des Professors Brütt
freigeworden. Zum Nachfolger war zunächst Georg Kolbe
in Berlin ausersehen, der aber abgelehnt hat; zurzeit wird
mit Prof. C. A. Bermann in München verhandelt.

Der Professor der klassischen Archäologie an der
Universität Wien Dr. Emil Reisch ist unter Belassung in
seiner bisherigen Stellung zum Direktor des Österreichischen
Archäologischen Instituts ernannt worden.

WETTBEWERBE
Bei dem Wettbewerb um Entwürfe für das Groß-
herzog-Friedrich-Denkmal der Stadt Karlsruhe hat der
Heidelberger Architekt Franz Kuhn den ersten Preis von
5000 M. erhalten. Der zweite Preis von 3000 M. fiel dem
gemeinsamen Entwürfe des Bildhauers Herman Binz und
der Architekten Pfeifer und Großmann in Karlsruhe zu,
der dritte Preis von 2000 M. dem allein hergestellten Ent-
wurf von Hermann Binz.

In dem engeren Wettbewerb, der zur Erlangung von
Entwürfen für ein Stadttheater in Hagen ausgeschrieben
war, ging Professor Vetterlein in Darmstadt als Sieger
hervor.

Beim Wettbewerb für ein Rathaus in Allenstein

erhielt unter 73 Entwürfen einen Preis von 2000 M. Land-
bauinspektor Schrammen-Friedenau. Ein Preis von je
1500 M. fiel an die Arbeit von Professor O. Kühlmann und
Architekt Hugo Rüter-Charlottenburg, sowie an den Ent-
wurf des Architekten Leonhard Heydecker-Uberlingen.
Den Preis von 1000 M. gewann Architekt Karl Bräutigam-
Überlingen.

Die für das Jahr 1910 ausgeschriebenen Wettbewerbe
der Königlichen Akademie der Künste in Berlin um den
Großen Staatspreis auf dem Gebiete der Malerei und der
Architektur sind ergebnislos verlaufen. Dagegen sind je
1000 M. verliehen worden an die Architekten Rudolf Hoß-
Bonn und August Drexel-Köln.

INSTITUTE

Florenz. Kunsthistorisches Institut. Sitzung vom 6. Mai.
Herr Prof. Hülsen sprach über die verschollene Ansicht von
Rom aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, auf welche das
mantuaner Exemplar zurückgeht. Dasselbe Vorbild erkannte
der Vortragende im Hintergrunde des dem Botticelli zu-
geschriebenen Stiches der Himmelfahrt Mariä; wenn man
auch bereits früher gesehen hat, daß hier römische Gebäude
dargestellt sind, so wurde doch nicht bemerkt, daß es sich
um eine zusammenhängende Ansicht von Rom handelt,
weil der Stich rechts und links vertauscht hat. Einzelne
Gebäude erkannte er ferner wieder auf zwei Blättern des
Skizzenbuches Giuliano da Sangallos. Die kleine Ansicht
Roms in der Chronik des Frate Jacobo Philippo da Ber-
gamo (1490) zeigt mit dem ganzen Stadtbild auch eine Ge-
stalt mitkopiert, die auf der großen Rossellischen Ansicht
von Florenz wiederkehrt. Der Zusnmmenhang mit der
Florentiner Kunst wird durch diese Beobachtungen klarer.

Herr Dr. Bombe behandelte unter Vorlage von Photo-
graphien die Miniaturen im Dom zu Chiusi, mit denen
23 Chorbücher aus dem bekannten Kloster Montoliveto
Maggiore bei Siena geschmückt sind. Es sind darunter
Werke der Maler Sano di Pietro aus Siena, Lorenzo Ros-
selli (?) Fiorentino, Liberale da Verona und Girolamo da
Cremona.

Frl. Dr. Schottmüller teilte in Betreff der Robbia-
Evangelisten in der Kuppel der Pazzi - Kapelle von Santa
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