Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Ausstellungen — Sammlungen — Vereine

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einen Skizzenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen.
Als Bausumme stehen 150000 Mark, für Preise 1200, 800
und 500 Mark zur Verfügung.

AUSSTELLUNGEN

® Die Ausstellung von Werken französischer Kunst
des 18. Jahrhunderts in der Königlichen Akademie der
Künste zu Berlin wurde am 25. Januar durch den Kaiser
eröffnet. Die Ausstellung kann sich an imponierendem
Oesamteindruck nicht mit der englischen Ausstellung der
Akademie messen, als deren Gegenstück sie gedacht ist.
Zum Teil liegt das wohl an der anderen Art der Kunst
des französischen Rokoko, der nicht der stark repräsen-
tative Charakter der englischen Porträtmalerei eignet, zum
Teil aber auch an den etwas kühlen und nüchternen Ober-
lichtsälen, die nicht eben günstig sind für die intimen Wir-
kungen, die diese Bilder fordern. Nur dem Hauptsaal hat
man mit der Gobelinfolge der Esthergeschichte nach de
Troy einen festlichen Eindruck zu geben versucht, im übrigen
auch das Kunstgewerbe nur in sehr geringem Umfange
herangezogen und sich begnügt, ein sachlich museums-
mäßiges Ensemble zu schaffen.

Über den Inhalt der Ausstellung wird demnächst in
der Zeitschrift für bildende Kunst eingehender berichtet
werden. Hier seien nur die Hauptstücke kurz genannt.
Eine große Zahl von Bildern wurden aus kaiserlichem Be-
sitz geliehen, darunter vor allem eine Reihe herrlicher
Watteaus. Besonders ist es zu begrüßen, daß es noch in
letzter Stunde gelang, das berühmte Firmenschild des Kunst-
händlers Gersaint für die Ausstellung zu gewinnen. Auch
das große Bild mit Komödianten aus dem Besitz der Frau
Jules Porges verdient Erwähnung. Lancret und Pater sind
ebenfalls gut vertreten, Boucher vor allem mit dem großen
Porträt der Pompadour, Fragonard nicht eben umfassend,
aber doch mit einem sehr bedeutenden Werke, dem Profil-
bild eines Mädchens in Gelb aus dem Besitz des Dr. Tuffier.
Vorzüglich ist Chardin repräsentiert. Zu den Gemälden
aus kaiserlichem Besitz gesellen sich die vier aus der Galerie
Liechtenstein in Wien, die schönen Stilleben aus Karlsruhe,
andere von Andre und eine Reihe Bilder aus verschiedenen
Sammlungen. Von Greuze ist vor allem das Porträt des
Kupferstechers Wille zu erwähnen. Die Porträtmaler Rigaud,
Nattier, Largilliere, Pesne, Van Loo, La Tour, Perronneau,
Vigee Lebrun, sind gut vertreten. Den Übergang zum
19. Jahrhundert stellen David (Bildnis Caffieris), Prudhon,
Boilly dar. Schließlich sind noch die Zeichnungen, unter
denen sich manches vorzügliche befindet, und die Kupfer-
stiche zu erwähnen. Die Ausstellung gab die erwünschte
Gelegenheit, aus der reichen Sammlung französischerGraphik,
die Herr Julius Model in Berlin besitzt, einiges vom besten
der Öffentlichkeit zu zeigen. o.

O Wiesbaden. Hier wird demnächst eine Ausstellung
von 'alten Gemälden (vor 1800) aus Privatbesitz eröffnet,
die vom 20. Februar bis zum 10. April dauern wird. Da-
bei wird sich auch die auf Schloß Vollrads aufbewahrte,
kürzlich entdeckte Madonna des Petrus Christus aus dem
Besitz des Grafen Matuschka befinden. Dr. Erwin Hensler
bereitet den Katalog und die Ausstellung vor.

+ München. Anders Zorn-Ausstellung in der
Galerie Heinemann. Eine Kollektion von Gemälden, Ra-
dierungen und Plastiken des berühmten Schweden Anders
Zorn, die den vergangenen Sommer in Venedig zur Aus-
stellung gelangt war, befindet sich seit einigen Wochen
im Salon der Gebrüder Heinemann und erregt bei Presse
und Publikum Aufsehen. Viele der Werke sind von den
verschiedenen Ausstellungen her bekannt, anderes aber ist
neu und auf jeden Fall ist es zu schätzen, den Maler ein-
mal in einer größeren Anzahl von Arbeiten und durch

keine Nebenmänner gestört beurteilen zu können. Die Be-
geisterung von Presse und Publikum kann ich wohl ver-
stehen, teilen jedoch kann ich sie absolut nicht. Wohl ist
es wahr, daß Zorn ein Können besitzt, das geradezu phä-
nomenal zu nennen ist, daß er einen Frauenakt herunter-
malt und durchmodelliert, noch dazu mit ziemlich einfachen
Mitteln, wie man es kaum wieder zu sehen bekommen
wird, daß er das Spiel des Lichtes auf dem nackten Fleisch
zu geben weiß, wie gegenwärtig vielleicht kein Zweiter,
daß er den Moment eines Geschehens mit der Schnelle
und Schärfe eines photographischen Apparates festzuhalten
vermag und daß er schließlich auch einer gewissen Frische
nicht entbehrt. Aber mit alledem schafft man noch kein
wirklich großes Kunstwerk. Ich habe noch kein Bild von
Zorn gesehen, das der Ausdruck eines inneren Erlebnisses
gewesen wäre. Er gibt, was er sieht, auf eine erstaunlich
geschickte Weise wieder, es ist aber fast nur die äußere
Erscheinungsform; den innerlichen Gehalt, das Ahnenlassen
einer tiefen Künstlerseele, deren Empfindungen und Re-
gungen das Kunstwerk zur notwendigen Folge gehabt
haben, bleibt er'uns schuldig. Auch seine Farben sind
oft von einer Empfindungslosigkeit, die im Verein mit der
photographischen Sicherheit seines Sehens ein Gefühl un-
endlicher Kühle verursacht. Ich glaube mich nicht zu
täuschen, wenn ich hier einen falschen Gott vermute, dem
unnötiger Weihrauch geopfert wird.

X Die amerikanische Ausstellung der Berliner
Akademie, die nach dem Schluß der französischen Aus-
stellung am 6. März, Mitte März eröffnet werden soll, wird
meist Werke lebender Künstler enthalten. Immerhin wird
doch auch eine Reihe verstorbener amerikanischer Maler
vertreten sein, darunter Inneß, Hunt, Theodor Robinson,
Homer Martin u. a.

SAMMLUNGEN

• Auf der Museumsinsel in Berlin sind die Aus-
schachtungsarbeiten für den Bau des Deutschen Museums
und des neuen Pergamonmuseums in Angriff genommen
worden. Zwischen der Stadtbahnüberführung und dem
Neuen Museum wird ein Terrain von etwa 70X40 Meter
Grundfläche ausgehoben. Von den alten Bauten steht nur
noch ein Schuppen, auf dessen Dach das Probekabinett
zur Prüfung der Oberlichtverhältnisse errichtet wurde.
Zeitweise mußte auch die rückwärtige Mauer eines Teiles
der Säulenhallen, die um die Nationalgalerie herumführen,
niedergelegt werden.

Für das neue Landesmuseum in Kassel hat soeben
der preußische Staat zwei Marmorwerke des Berliner Bild-
hauers Fritz Klinisch angekauft, die lebensgroßen Ge-
stalten eines ruhenden Jünglings und eines ruhenden Mäd-
chens. Die Werke, die in hellgrauem bayrischen Feucht-
linger Marmor gearbeitet sind, sollen zum Schmuck des
Treppenhauses in der neuen Kasseler Museumsschöpfung
Prof. Theodor Fischers Verwendung finden. Es ist ihnen
ein Platz in der Mitte der Treppe, die sich hier teilt, auf
der Rampe zugedacht, so daß die beiden Breitansichten
zur Geltung kommen.

VEREINE

® In der Januarsitzung der Berliner kunstgeschicht-
lichen Gesellschaft sprach Herr C. Glaser über die Zeit-
bestimmung der Stiche des Hausbuchmeisters. Er teilte
das gesamte Material in drei große Gruppen, die den Haupt-
epochen der künstlerischen Entwicklung, den Zeiten der
Jugend, der männlichen Reife und des Alters entsprechen.
Kleinere Gruppen, die sich innerhalb dieser großen enger
zusammenschließen, lassen das Bild reicher und zugleich
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