Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Velazquezsche Venus. Schon dreißig Jahre nach dem Tode
des Künstlers wird sie in einem spanischen Inventar als
sein Werk erwähnt. s,

FORSCHUNGEN
Ein Madonnenbild von der Hand Domenico Vene-
zianos befindet sich bislang unerkannt im Museum zu
Marseille (Saal I, o. defin. Nr.). Es ist ein ausgesproche-
nes Hochbild von größeren Dimensionen und stellt die
Madonna mit Kind in throno umgeben von Engeln dar.
Die Beziehungen zu dem Fresko ehemals am Canto de'Car-
nesecchi in der Formengebung, wie zu dem großen Tafel-
bilde in den Uffizien in den Farben: hellgrün und carmoi-
sin, sind so evident, daß nur eine Taufe auf den genannten
Frührenaissancemaler gerechtfertigt erscheint. Da zudem
ein Studium nach den Werken der Oaddi zutage tritt, so
gewinnt das Bild für den Entwicklungsgang Domenicos
erhöhtes Interesse. Im besonderen aber ist es noch für
die Malereien der Assunta-Kapelle im Dom zu Prato, welche
von Schmarsow für Domenico Veneziano in Anspruch ge-
nommen wurden, von Bedeutung, in dem die Formen-
gebung vor allem der im Profil gezeigten Engel enge Ver-
wandtschaft mit diesen Fresken aufweist. So bildet das
Stück in Marseille ein Bindeglied zwischen den Malereien
am Canto de' Carnesecchi und den Pratenser Wandge-
mälden, wie dem Uffizienbilde. Die vage Fassung der
Perspektive auch noch am spätgotischen Thron und der
Formen verbunden mit einer summarischen Grobheit, die
später aus den Werken Domenicos mehr und mehr weicht,
lassen das Bild in die Frühzeit des Künstlers, etwa die
dreißiger Jahre des 15. Jahrhunderts einreihen.

F. Witting.

LITERATUR

Karl Schaefer, Von deutscher Kunst. Oesammelte Auf-
sätze und nachgelassene Schriften. Berlin, W. Ernst und
Sohn. 1910.

Das soeben erschienene JUNI-HEFT der

Zeitschrift für bildende Kunst

enthält u. a.

Wilhelm R. Valentiner, Frühwerke des Anton van

Dyck in Amerika. Mit 8 Abb.
George Ä. Simonson, Das neuerworbene Bild von

Francesco Guardi in der Alten Pinakothek in

München. Mit Abb.
Curt Glaser, Max Mayrshofer. Mit 6 Abb.
0. v. Schleinitz Alphonse Legros. Mit 16 Abb.
Opfer des "Brandes. Originalradierung von

Alphonse Legros.

Verkäufer für Kunst-Ausstellung

per 1. September gesucht. Bewerber muß bereits Er-
fahrung haben und Beziehung zur modernen Kunst.
Bisherige Tätigkeit, Zeugnisse u. Angabe der Gehalts-
Ansprüche unter Chiffre Ä. B. Exp. d. „Kunstchronik".

Die vielen Schüler und Freunde Schaefers werden die
Sammlung seiner kleineren Schriften in einem stattlichen
Bande von 477 Seiten freudig begrüßen. Der Fernerstehende
hingegen, für den das Werk nicht den Stempel der Er-
innerungsgabe trägt, kann ein Bedenken bezüglich der An-
ordnung und Auswahl des Materiales nicht unterdrücken.
Die Anordnung nach der Entstehungszeit ist äußerlich und
verwirrend. Wollte man das biographische Moment be-
tonen, so hätte es genügt, jedem Titel das Entstehungsjahr
des Aufsatzes anzufügen. Das richtige wäre gewesen,
innerlich zusammengehörige Themata zu vereinigen, zum
mindesten doch die kunsthistorischen Abhandlungen von
den Erläuterungen zu eigenen Werken Schaefers, sowie
sonstigen Outachten und Referaten über moderne Kunst
zu trennen, tunlichst durch eine Ausgabe in zwei einzeln
käuflichen Bänden. Hierbei mag unerörtert bleiben, ob
die Beschränkung auf die wichtigeren historischen Aufsätze
nicht vollauf genügt hätte. Diese teilen zwar das Schick-
sal fast aller Architektenabhandlungen, stark subjektiv ge-
färbt zu sein; indes enthalten viele von ihnen so wertvolles
Material, auch an Abbildungen, daß ihr Neudruck berech-
tigt erscheinen muß. Das gilt z. B. für die Aufsätze über
Geschichte und Technik der Glasmalerei, über den Spitz-
bogen, den Vortrag über das deutsche Haus, die inventarisa-
torischen Arbeiten über Nordhausen, die Wiesenkirche in
Soest, Idensen, die Klosterkirche in Jerichow, München-
lohra und Jung St. Peter in Straßburg, auch die gründ-
lichen Gutachten über die Marburger Bauten. Diese Ar-
beiten behalten dauernd Wert. Die den eigenen Werken
Schaefers und den seinem Geschmacke entsprechenden
neueren Kunstschöpfungen anderer gewidmeten Abhand-
lungen hingegen bilden für unser heutiges Empfinden nur
Material zur Psychologie der »Gegenbeispiele«. Das gleiche
gilt für die Einleitung von A. Steinmetz, die getreu der
Lehre Schaefers das Heil für die moderne Baukunst noch
unentwegt in der Nachahmung alter Bauformen sieht.

Baum.

Rechtzeitig zur Weltausstellung gelangte
= soeben zur Ausgabe: ====-

BERÜHMTE KUNSTSTÄTTEN Bd. 50

BRÜSSEL

Von Professor Dr. Henri Hymans

Taschenformat 218 Seiten

Mit 128 Abbildungen

Elegant gebunden M. 3.—
= VERLAG VON E. A. SEEMANN IN LEIPZIG -

Inhalt: An Max Lautner. Von A. Bredius. — Hugo Crola f; Ludwig Noster t; Alfred Zimmermann t i Michael Wrubel f, John Qu. A. Ward f. —
Personalien. — Wettbewerbe: Oroßherzog-Friedrich-Denkmal in Karlsruhe; Stadttheater in Hagen; Rathaus in Allenstein; Großer Staats-
preis. — Kunsthistorisches Institut in Florenz. — Ausmalung der Michealiskirche in Hildesheim; Arbeiten an der Stephanskirche in Mainz.
— David-Denkmal in Wien; Shakespeare-Denkmal in Verona. — Augustus-Statue in Rom gefunden. — Ausstellungen in Darmstadt, Wien,
Elberfeld, Berlin, Leipzig, Stuttgart, Amsterdam. — Zur Neuordnung der Alten Pinakothek in München; Neuerwerbungen des Wallraf-
Richartz-Museums in Köln, der Gemäldesammlung in Reichenberg i. B., des Metropolitan-Museums in New York. — Vermischtes. — Ein
Madonnenbild von Domenico Veneziano. — Karl Schäfer, Von deutscher Kunst. — Anzeigen.

Herausgeber und verantwortliche Redaktion: E. A. Seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von Ernst Hedrich Nachf. o. m. b. h. Leipzig
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