Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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kann der Referent aus an anderer Stelle zu erörternden
Gründen nicht beipflichten.

Viel wichtiges Material ist dem Verfasser unbekannt
geblieben, darunter bereits publizierte Stücke, wie das in
Ourlilts »Ulm« veröffentlichte Kirchberggrabmal in Wib-
lingen. Noch unvollständiger als über den älteren ist das
Material über den jüngeren Syrlin gesammelt, und über
die Syrlinschule erfährt man gar nichts. Es ließe sich diese
wenig tiefgründige Art der Forschung damit entschuldigen,
daß es dem Verfasser lediglich um die wiederholt präten-
dierte »ästhetische Beurteilung« der Werke zu tun war;
indes ist auch sie selbst bei aufmerksamster Lektüre nicht
zu finden.

Aus Anlaß der Besprechung der Forschungsmethode
sei dem Verfasser übrigens empfohlen, in der Auswahl
der Gewährsmänner, die ihm mündliche Äußerungen Dritter
zutragen, fürderhin vorsichtiger zu sein. Bisher war es in
wissenschaftlichen Werken nicht üblich, nur vom Hören-
sagen bekannte Bemerkungen anderer in die Diskussion
zu ziehen. Ganz besonders bedenklich wird dieses Ver-
fahren, wenn die solchermaßen zitierten Aussprüche in das
Gegenteil des wirklich Gesagten verkehrt und alsdann be-
kämpft werden. Das Urteil über die Zulässigkeit derartiger
Manieren den Fachgenossen überlassend, begnügt sich der
Referent, hier einige der ihm untergeschobenen und die
entsprechenden in seinem Vortrag auf dem Kunsthistorischen
Kongreß 1909 in Wahrheit gefallenen Äußerungen, deren
Manuskript jedem zugänglich war, nebeneinander zu stellen.

Grill.

1. S. 41. Keine Bedeutung
messe ich den Einträgen im
roten Buch des Klosters Lorch
bei (im Gegensatze zu B).

2. S. 54. B. datiert die
[Weingartner] Skulpturen,un-
ter Berufung auf eine Ur-
kunde, nach 1477 leitet sie
von einem »Weingartener
Altar« her und spricht Syrlin
aus stilistischen Gründen die
Autorschaft ab. Dagegen ist
geltend zu machen: Von
einem Altar können die Bü-
sten nicht stammen . . . Die
stilistische Verwandtschaft
mit den Wangenbüsten des
Ulmer Chorgestühls ist evi-
dent.

3. S. 68. In B.s Münche-
ner Vortrag ... ist von einer
urkundlichen Erwähnung ei-
nes Werkes des jüngeren
Syrlin für Ochsenhausen die

Münchener Vortrag.

1. Klemm weist Syrlin auf
Grund des roten Buches des
Klosters Lorch ferner folgen-
de Arbeiten zu: (folgt Auf-
zählung).

2. Nach der einzigen er-
haltenen Notiz in Bucelins
»Annales Weingartenses*
(Stuttgart Staatsarchiv): »Se-
dilia in choro facta. Fornices
chori absoluti. A° 1478«,
wäre dasGestühl bereits 1478
vollendet. Auf jeden Fall ist
es bei der Kirchweihe 1487
fertig. — Obwohl Ulmer in
hohem Maße bei der Fertig-
stellung des Klosters betei-
ligt sind — den Chor er-
richtet ein Ulmer Baumeister;
noch 1493 schafft Michael
Erhart mit Holbein einen
Altar für Weingarten —, ist
die Zuweisung des Gestühls
an Syrlin aus stilistischen
Gründen ausgeschlossen
(folgt Aufzählung der Grün-
de).

3. 1496—1499 fertigt Syr-
lin d. J., wie wir aus meh-
reren, voneinander unabhän-
gigen Quellen [Seydler, Hie-
ron. Wirth, Claus] wissen,

einen Hochaltar für Ochsen-
hausen, der die Figuren der
Madonna und der Heiligen
Petrus, Paulus, Georg und
Benedikt enthält und folgende
Inschrift trägt: »Hoc opus
fabricavit Mag. Jörg Sürlin
civis Ulmensis, incepit Anno
1496 perfecit Anno 1499«.
Nur die drei erstgenannten
Figuren haben sich in Bella-
mont erhalten (Abb. in den
Kunstdenkmälern von Würt-
temberg, Donaukreis OA.
Biberach). Aus der vollstän-
digen Übereinstimmung des
Petrus und Paulus mit den
beiden entsprechenden Fi-
guren im Zeitblomaltar in
Bingen bei Sigmaringen folgt,
daß der Schrein auch dieses
Altares in der gleichen Zeit
in Syrlins Werkstatt entstan-
den sein muß.

Diese kleine Blütenlese mag fürs erste genügen. Was
die Ausstattung des Büchleins betrifft, so standen für die
an sich guten Lichtdrucke teilweise so schlechte Vorlagen
zur Verfügung, daß man von ihrer Reproduktion bessee
abgesehen hätte. Baum.

Rede gewesen . . . Davon
hätten sich nach B.s Ansicht
drei Figuren erhalten, Petrus
und Paulus in Bellamont
und eine Madonna in Darm-
stadt (wo? im Großh. Mu-
seum existiert eine solche,
wie ich mich überzeugt habe,
nicht). Eine Kopie des Pau-
lus befindet sich an Zeit-
bloms Altar in Bingen bei
Sigmaringen. — Da ich die
erwähnte Urkunde nicht
kenne, muß ich einstweilen
darauf verzichten, auf sie
Bezug zu nehmen. Aber die
Figuren in der Pfarrkirche zu
Bellamont haben sicher nichts
mit Syrlin d. J. zu tun.

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Palais in München. — Die Arbeiten der British School of Archaeology in Ägypten. — Ausstellungen in Krefeld, Frankfurt, Amsterdam. —
Das neue Kunsthaus in Zürich; Neuerwerbung der Nationaigalerie in Berlin. — Verein deutscher Buchgewerbekünstler; Archäologische
Gesellschaft in Amsterdam. — Vermischtes. — Erich Grill, Jörg Syrlin d. Ä. und seine Schule. — Anzeigen.

Herausgeber und verantwortliche Redaktion: E. A. seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von Ernst Hedrich Nachf. g. m. b. h. Leipzig
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