Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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4. Der Verf. kennt den Ochsenhäuser Altar nicht.

5. Der Verf. kennt den Bingener Altar nicht.

6. Der Verf. sieht nicht, daß die Madonna auf dem Enne-
tacher Levitenstuhl Original ist.

7. Am Geislinger Gestühl befinden sich Schrifttafeln,
nicht Spruchbänder.

8. Der Verf. kennt die Inschrift des Ochsenhäuser Ge-
stühls nicht.

9. Der Verf. kennt die ältere Literatur nicht. Sonst
wüßte er, daß die Stuttgarter Passionsaltäre aus Zwie-
falten stammen und gut beglaubigte Werke Sürlins
und Langeisens sind.

10. Der Verf. kennt auch die neuere Literatur nicht. An-
dernfalls hätte er auf Voeges Aufsatz in den Monats-
heften 1909 Bezug nehmen müssen.

Ui Der Verf. kennt endlich keines der zahlreichen Werke
der Sürlinschule in Ulm, im Donautal und in Rottweil;
er weiß, wie aus seiner Entgegnung hervorgeht, noch
heute nicht, daß eine solche Schule besteht.

//. Anfechtbare Zuschreibungen.

12. Die Hypothese der Beziehung Syrlins d. Ä. zu Kon-
stanz müßte zunächst genügend begründet werden,
um einer Widerlegung wert zu sein.

13. Für die Zuweisung des Ulmer Christus an Multscher
ist zwar eine Begründung versucht; sie beweist indes
nur das mangelhafte stilkritische Vermögen des Verf.

14. Das Weingartener Gestühl hat, unbeschadet seiner
vorzüglichen Qualität, mit Syrlins Kunst keine Ver-
wandtschaft.

15. Dem Kunstkreise Syrlins fremd sind ferner der Ravens-
burger S. Georg,

16. die Frankfurter Prophetenbüste,

17. der unbedeutende Antonius in Ulm.

18. Petrus und Paulus in Aachen haben zu den Bella-
monter Figuren nicht die geringste Beziehung.

19. Die Stuttgarter Passionsaltäre haben mit dem Ulmer
Hutzenaltar keinerlei Verwandtschaft. Die Zuweisung
dieser, wie jeder Laie sieht, von zwei grundverschie-
denen Individualitäten gefertigten Reliefs an einen
Meister genügt für sich allein zur ausreichenden Kenn-
zeichnung der Stilkritik des Verfassers.

Den Beweis, daß Herr Grill das Tatsachenmaterial nicht
kennt, sowie daß seine »ästhetische« Methode unbrauch-
bar ist, glaube ich durch diese Aufzählung wohl erbracht zu
haben. Nach Grills Auffassung müßte der alte Syrlin, dessen
Stil sich in Wahrheit durch ungewöhnliche Einheit aus-
zeichnet, ein ganz charakterloser Künstler gewesen sein.
Den jüngeren Sürlin, der dem Vater nicht nachsteht, glaubt
Grill mit der Bezeichnung »Handwerker« erledigen zu
können. Bedenken gegen diese Auffassung, die ein Auf-
satz von Beck hätte wachrufen müssen, werden dadurch
zerstreut, daß dieser gründliche Lokalforscher aufs Gerate-
wohl für »unwissenschaftlich« erklärt wird. Das ist die
»Wissenschaft« des Herrn Grill. BAUM.

Nachwort: Die Redaktion bedauert die breite und
starke Austragung dieses Streites, die — wie sie fürchtet —
wenig nach dem Geschmacke der Leser sein wird. Aber
sie fühlte die Pflicht, beiden Parteien die Möglichkeit aus-
führlicher Rechtfertigung zu geben.

Das Augustheft der

Zeitschrift für bildende Kunst

enthält u. a. folgende Hauptartikel:

Ausstellung französischer Zeichnungen des 18. Jahrhunderts

im Städelschen Kunstinstitut. Von Rudolf Schrey. Mit

13 größeren Abbildungen.
Die angebliche Verstümmelung eines Rubensschen Bildes

und die Aufgaben der Galeriebeamten. Von Gustav

Glück. Mit 5 Abbildungen.
Hans Brühlmann. Von Hans Hildebrandt. Mit 7 Abb.
Zu zwei spätitalienischen Gemälden des Warschauer

Museums. Von Hermann Voß.
Der Raucher von Frans Hals in Königsberg. Von

B. Haendcke. Mit Abbildungen.
Die Allegorie des Lebens und Todes und stilverwandte

Bilder. Von Willy F. Storck. Mit 3 Abbildungen.
»Bruxelles Kermesse«. Von Max Osborn. Mit 12 Abb.
Kunstbeilagen: Zwei Originalradierungen von John

Jack Vrieslander.

Soeben erschien im Verlage von
E. A. Seemann in Leipzig

Geschichte der Malerei Neapels

vom Geheimen Hofrat Dr. Wilhelm Rolfs

Quart, 26 Bogen Text mit einem

Titelbild in Heliogravüre
und 138 Abbildungen auf 112 Tafeln

Elegant broschiert 25 Mark

r^\er Verfasser hat bei dem jahrelangen Durchforschen der kunst-
geschichtlichen Denkmäler von Neapel und Umgebung Ge-
legenheit gehabt, eine Unmenge Irrtümer aufzudecken, welche
sich insbesondere in bezug auf die neapolitanische Malerei fort-
gesetzt aus einem Handbuche ins andere schleppen. Vor allem
beleuchtet er an der Hand seiner archivalischen Forschungen
und durch seine genaue Kenntnis aller Denkmäler Neapels die
Fälschungen des Bernardo de Dominici und rottet die Erfindungen
und Verdrehungen, durch welche dieser Mann die Kunstgeschichte
in vollständige Verwirrung gebracht hat, so eingehend aus, daß
das vorliegende Werk die Grundlage aller späteren Darstellungen
auf dem Gebiete der neapolitanischen Malerei bilden wird. Do-
minici hatte den Ehrgeiz, der Vasari Neapels zu sein und ersetzte
durch Phantasie, was ihm an Kenntnissen fehlte, ja bemühte sich
sogar vielfach, hervorragende Meister italienischer Malerei für
Werke, die in Neapel zu finden sind, ohne weiteres in Anspruch
zu nehmen, um so den Ruhm Neapels zu mehren. Er tat dies
mit solchem Geschick, daß nur eine ganz gründliche Unter-
suchung aller in Betracht kommenden Tatsachen genügen konnte,
Klarheit und Sicherheit bei der Beurteilung dieses Teiles der
italienischen Malerei zu erlangen. Rolfs hat sich bemüht, die
neapolitanische Malerei so zu schreiben, als ob der genannte
Fälscher nie existiert hätte; denn er zieht jede Tatsache, die dieser
anführt, in Zweifel und hat auf diese Weise erst die wahre Grund-
lage gegeben, die für die Zukunft bei der Beurteiluug dieser
Kapitel der Geschichte der Malerei maßgebend sein werden.
Die Bibliotheken und die Kunsthistoriker werden demnach das
vorliegende Werk als hauptsächlichstes Quellenwerk schätzen,
zumal es nicht nur kritisch verfährt, sondern eine große Zahl
von bisher unbekannten photographischen Aufnahmen, welche
der Verfasser selbst ausgeführt hat, beibringt
Der Herstellung des Werkes wurde die größte Sorgfalt gewidmet.

Inhalt: Adolf Michaelis f. — Die neue »Turner-Gallery«. — Japanische Kunst auf der japanisch-englischen Ausstellung in London. — Willy Pastor
und die Ausstellung muhammedanischer Kunst in München. — W. Scholtz f; Joh. Heydeck |; W. v. Vigier f; F. Kleinhempel f; A. Dworzicky f ;
A. L Kuindji f; L. Sambourne f; R. Epp f. - Personalien. — Wettbewerbe: Umgestaltung des Kleberplatzes in Straßburg, Krankenhaus
in Essen a. R., Bismarck-Denkmal in Pirmasens, Pfarrkirche in Essen a. R., Kirche in Görlitz, Kirche in Pankow. — Ein Werk über Denkmal-
pflege; Ankauf des alten Berliner Opernhauses durch die Stadt; Umbau der alten Kgl. Bibliothek in Berlin; Borromäus-Kapelle und italien.
Waisenhaus in Prag; Heimatschutz in Eger; Die Krypta der Guildhall. — Groth-Denkmal in Kiel; Willi. Raabe-Denkmal in Eschershausen;
Bronzegruppe von G. Wrba; Abraham aSt: Clara-Denkmal. — Histor. Bauwerk in Berlin entdeckt; Neuentdecktes Bildnis Schillers.— Aus-
stellungen in Leipzig, Berlin, Karlsruhe, München, Stuttgart, Venedig; Jacob Smits-, Fritz Reuter- und Jacob Alberts-Ausstellung. — Von
der Dresdener Galerie; Erwerbungen der Mannheimer Kunstlialle; Umgestaltung der Karlsruher Gemäldegalerie; Silbermedaillons römischer
Kaiser; Sammlungen des Berliner Kunstgewerbemuseums. — Vermächtnis für das Institut de France. — Wilhelm Trübner, Personalien und
Prinzipien; O. Mascha, Felicien Rops und sein Werk. — Vermischtes. — Forschungen. — Entgegnung von E. Grill; Erwiderung vonj. Baum.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E. A. Seemann, Leipzig, Querstraße 13
Druck von Ernst Hedrich Nachf., g. m. b. h., Leipzig
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