Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 21.1910

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Denkmalpflege — Denkmäler — Funde — Archäologisches

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Bern. Die Konkurrenz für ein Welt-Telegraphen-
denkmal ist insofern resultatlos verlaufen, als von den
89 eingelaufenen Projekten keins mit einem Preis gekrönt
wurde. Der Beschluß der Jury war einstimmig.

-f- Meran. Ein Preisausschreiben für ein vornehmes
Wohn- und Geschäftshaus mit drei Preisen zu 2000,
1500 und 1000 Kronen erläßt die Meraner Baugesellschaft
»Phönix«. Eventuell angekaufte Entwürfe werden mit
600 Kronen vergütet. Als Preisrichter fungieren die Herren:
Prof. Joh. Deininger, Architekt in Innsbruck; k. k. Ober-
baurat Fried. Ohmann, Architekt in Wien; Karl Söldner,
Architekt in München; Bürgermeister Dr. Weinberger in
Meran; Aloys Egger, Obmann der Gesellschaft in Meran.
Einsendungstermin bis 15. Oktober 1910.

In der Stadt Mülheim a. Ruhr soll ein neues Rat-
haus erbaut werden. Zur Erlangung von Entwurfsskizzen
wird ein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben für im
Deutschen Reich geborene oder ansässige Architekten. Es
werden die vom »Verbände Deutscher Architekten- und
Ingenieurvereine« aufgestellten Grundsätze maßgebend sein.
Einlieferungstermin ist der 1. März 1911.

Die Stadtgemeinde Karlsbad i. B. schreibt unter den
Architekten deutscher Nationalität einen Wettbewerb zur
Erlangung von Entwürfen für den Bau eines städtischen
Kurhauses aus. Bausumme: etwa zwei Millionen Kronen
(ohne Einrichtung). Preise: 1. Preis 8000 K, 2. Preis
5000 K, zwei 3. Preise zu je 2000 K, 4- Preis 1500 K.
Weitere Projekte können im Falle der Empfehlung durch
die Preisrichter für den Betrag von je 1000 K angekauft
werden, und es sind zwei solche Ankäufe vorgesehen.

DENKMALPFLEGE
Ein Ortsstatut gegen Verunstaltung des Stadt-
bildes hat auch Hannover erlassen. Es ist in erster
Linie dazu bestimmt, die künstlerisch und historisch be-
deutenden Bauwerke der Altstadt vor Verunstaltung zu
schützen, soll aber auch im weiteren auf eine Verschönerung
des Stadtbildes in den neuen Bauvierteln hinwirken. Vor-
läufig ist es bis zum Ende des nächsten Jahres in Geltung
und soll dann eine Nachprüfung erfahren. Hoffentlich hat
das Statut den notwendigen Erfolg, das eigenartige Bild
der Altstadt Hannover vor Entstellungen zu bewahren.

Zum Zwecke einer tatkräftigen Denkmalpflege

hat jetzt die badische Regierung eine nachahmenswerte
Maßregel getroffen. Es soll mit der Ernennung von Bezirks-
pflegern der Kunst- und Altertumsdenkmäler in den Land-
gemeinden ein Versuch gemacht werden. Für den Land-
bezirk Mannheim ist Dr. J. A. Beringer ernannt worden.

DENKMÄLER

o Köln. Das für die neue Dombrücke bestimmte Reiter-
denkmal Kaiser Wilhelms II. ist jetzt unter Leitung seines
Schöpfers, Prof. L. Tuaillon, aufgestellt worden und ver-
spricht, soweit sich bis jetzt beurteilen läßt, eine ganz be-
deutende Wirkung auszuüben. Um von den kolossalen
Massen eine Vorstellung zu geben, sei mitgeteilt, daß
das Gesamtgewicht des Denkmals etwa 4500 kg beträgt.

Berlin. Das Modell zum Bödiker-Denkmal, welches
im Vestibül des Reichsversicherungsamts zum Andenken
an den ersten Präsidenten dieser Behörde errichtet werden
soll, ist von dem Bildhauer Prof. Janensch-Charlottenburg
fertiggestellt und von dem Ausschuß des Denkmalkomitees
abgenommen worden.

Bremen. Hier erfolgte auf dem Domhof die Ent-
hüllung des von Prof. Adolf Hildebrand-München ge-

schaffenen Reiterstandbildes des Fürsten Bismarck.

Das Denkmal stellt den Fürsten Bismarck in Kürassier-
uniform zu Roß auf einem sechs Meter hohen Sockel dar.

Bad Nauheim. Das Beneke Denkmal, zu dem Stadt,
Kurverwaltung und Kurgäste seit Jahren die Mittel ge-
sammelt hatten, ist eingeweiht worden. Es ist nach einem
Modell von Prof. Jobst-Darmstadt hergestellt.

FUNDE

O Köln. Auf dem Terrain eines großen Neubaus in
der Wolfsstraße ist ein wertvoller römischer Mosaikboden
aufgefunden und dem Wallraf-Richartz-Museum zum Ge-
schenk gemacht worden. Er stellt in einer regelmäßigen
geometrischen Musterung innerhalb der einzelnen Felder
verschiedene Tiere dar.

ARCHÄOLOGISCHES
Zur alten Architektur Nordsyriens. In den vor

kurzem erschienen »Publications of the Princeton University
Archaeological Expedition to Syria in 1904—1905«, Section B
Northern Syria Parts 1 to 3, behandelt unter anderem der
bekannte Archäologe Howard Crosby Butler die Archi-
tektur in den verhältnismäßig unbekannten Territorien von
Ala und Kasra ibn Wardan und des Djebel Riha und Djebel
Wastane. In letzteren Gebieten wurden zahlreiche und
instruktive Überreste von Hausarchitektur gefunden, die in
ausführlicher Weise aufgenommen und beschrieben werden.
Es handelt sich hauptsächlich um spätrömische Villen und
zwar kleine Häuser mit drei und vier Zimmern und Stall
bis zu gewaltigen Palastbauten. Die Ruinen sind in solchem
Zustand, daß das Arrangement des oberen Stockwerks
leicht zu rekonstruieren war. Kirchen sind in allen diesen
Regionen zahlreich vorhanden. Aber auch andere öffent-
liche Bauten, Kasernen, Bäder, Karawansereien wurden
photographiert und aufgenommen. Da der lokale Stein,
der Basalt, brüchig ist, so wurde wenig fein ausgearbeitete
Dekoration gefunden. Die Tendenz der Bauleute war, das
Simswerk zu vereinfachen. Man machte hauptsächlich
Hohlrinnen. Auch die Kapitelle sind einfach. Doch fand
die Expedition der Princeton-Universität mehrere der pane-
lierten Basalttore resp. Türen, die Syrien eigentümlich sind.
— In Kasr Ibn Wardan, wo die Expedition ebenfalls ar-
beitete, fand man Ausnahmen, indem dort eine monumen-
tale Kirche und öffentliche Gebäude (Kasernenbauten) nicht
aus Basalt, sondern aus Ziegelwerk erbaut sind. Butler
ist der Ansicht, daß man es hier mit kaiserlichen Bauten
aus der Zeit Justinians zu tun hat. Die Kirche von Kasr
Ibn Wardan, von der eine ausführliche Rekonstruktion
versucht wurde, ist ein ganz hervorragendes Bauwerk. Alle
ihre Gewölbbogen sind doppelt und in leichter Weise zum
Spitzbogen neigend. Sie hatte eine luftige Kuppel, deren
Strebebogen mit ziemlich großen Fenstern durchbrochen
waren. Die Wölbung der Seitenschiffe und des Triforiums
dienen dabei bereits als Stütze für Hauptschiff und Kuppel.
Kasr Ibn Wardan ist ein Beispiel dafür, wie die byzanti-
nische Architektur bereits imstande ist, den Schritt zu tun,
den die romanische Architektur in Wirklichkeit erst sechs
Jahrhunderte später getan hat. m.

Galvanoplastische Nachbildungen arretinischer
Gefäße. Die Württembergische Kunstanstalt in Geislingen
an der Steige hat sich um die Erkenntnis der Kunst des
klassischen Altertums durch ihre vortrefflichen galvano-
plastischen Hohlgüsse solcher antiker Marmorstatuen, die
als Kopien von Bronzeoriginalen anzusehen sind, ein großes
Verdienst erworben. Jeder, der die im Stettiner Museum
vorhandenen 16 galvanoplastischen Nachbildungen antiker
Statuen usw. betrachtet, — auch das Kopenhagener Museum
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