Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 65-66
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zeigte sich, dass beiderseits je drei überwölbte Ein-
gänge zu den verschiedenen Rängen führten.

Aus dem Pflaster der in nordsiidlicher Richtung
am Theater vorbeifiihrenden Straße wurden eine Reihe
ionischer Architekturglieder von feinster helleni-
stischer Arbeit ausgehoben. Sie erweckten zunächst
die Hoffnung, dass sie sich als Theile des ältesten
Proskenion erweisen möchten. Genauere Untersuchung
ergab indes, dass sie wohl eher einem großen Altar-
baue angehören, iiber dessen ursprünglichen Platz
allerdings vorläufig nichts vermuthet werden kann.
In der Arbeit völlig gleichartig und zusammen mit
diesen Stücken verlegt, fand sich der in Fig. 17 ab-
gebildete Obertheil einer Reliefcopie der polykleti-
schen Amazone. Sie wird von dem figürlichen
Schmucke des Altarsockels herrühren.

Yon der Inschriftenausbeute hebe ich hervor
eine vor der Südfront der Cavea gefundene helleni-
stische Marmorara, i'50 m h., 0'50 m br., 0'37 m d.,
auf der in ein bis anderthalb Centimeter holien Buch-
staben etwa des zweiten Jahrhunderts v. Chr. nach-
stehende Inschrift eingemeißelt ist:

’EtiI upUTccvscas Afl’Tjva- 10 "AnoXXmtdrjc, 'Eppiou

'fopoo

[spsuovxoc; Msvtuuou xou
’ETccxpdToo[c;
poXxsoaavTSc; avsfl-v]y.av •
’Etcl'yovos Atjijlsou
5 Alaxphöv Alaxpicovog
Ei)[0-]y]vog 2x60-00
Z]7jvo)v Aiovuaiou
CH'|7]T0)p ATcoXXocpavofu
Ncxop7]Ö7]g <I>spsxXscou[g

MsVCTCTCOg Msvctctcou
TcpoO-sog fl>cXsTacpou
EußooXoc; EuxAscoofs
Ilapp&s nappa
15 Kocpavog Kocpavoo
AvöpöcpuXog Avöpocpfu-
Xou

ATioXXööwpog Mc[ ....
«hiXcTCTcog noascötoviou
A7]|17]TpCOg Accp£Xoo

20 ApaTog ApcaToysvou
nu^-cwv 'EpjxoXaou
Z7]V(l)V 0so^svou
MsvsxpaTTjg ApxsXaou
ApcaTO'-fscTOOV n[d]-
tfpjmvoj

25 <J>6ppas <l>6pßav-co;
’Üväptov iVpxsiuäropoo
0eo6&5 0soäcopoo
Avji-i.vj'tpt.os Ax-taXoo
Nstov Necovos
30 rop-jog Scöaoo

Von |ioXjt£Öaavx£g Zeile 3 sind der erste und
der vierte Buchstabe stark verrieben, aber doch
wohl sicher; das meines Wissens bisher unbelegte
Wort dürfte eine Cultvereinigung von Sängern be-
zeichnen, ähnlich den aus der ICaiserzeit wohl-
bekannten {l-sa|i(päo( und öfivtpäoh

Eine aus der Rückwand der Südhalle der Arka-
diane gezogene, 073 m h., im Scliafte 0-36 m br.,
0-35 m d. Marmorara trägt in 0 0175 m hohcn Lettern
die Inschrift:

i7j|j.7jxpt Kaprtocpö-
pto xai -ctj ‘jXu’Kumziri
Jtaxptät

Ilo(jtXtos) 'PooxEtXtoj Bäaaog
5 ’loovtavoj, 6 tspsos
aü-CTjs, "ppa|i|iaxeo-
ovtoj xoö jtaxpoj
'PooTEtXtoo Bäaaoo
TOV T7)g ilj|17]Tp0g
10 vaöv £7. TtOV iättov <(£/
irtotTjaev y.at tä Ttpö toö
vaoö.

Der Vater Rutilius Bassus war Grammateus
120 n. Chr. (vgl. Hicks zu Bril. Mus. 486); das £
zum Schlusse von Z. 10 ist wohl nur Steinmetz-
versehen.

Wien. R. HEBERDEY.

Beiträge zur Kunstgeschichte.

Konstantinos Manasses.

Im Commentar zu Georgios Akropolites citiert
Leo Allatius S. 201 (ed. Paris 1651 = S. 205 ed.
Bonn 1836) 1) folgende sechs Verse des Konstantinos
Manasses ,lib. 2 Odoeporici 4:

ü) jrj Bu^avuc;, ü) nöXig TpcaoXßca,
öcpfl-aX|is T7jg Yrjs, xöaps trjg otxou|Jisv7]$,

*) Die Seitenzahlen bei byzantinischen Histori-
kern beziehen sich durchwegs auf das Bonner Corpus.
2) Ein dreizehnsilbiger Trimeter kann unserem

T7]Xao'fS£ aaTpov, tou xcctü) xöapou Xuxvs,
sv aol ysvo£|jlt]v xai xaTaTpucpTjaacpc aou* 2)
au xac xspcfl-aXxocg jjls xac öcs£d"focc;
xal ]xr]Tpcx(öv acöv d'fxaXwv jitj x wP^ aaLS*

Der Titel berechtigt zur Hypothese, dass das
verschollene Gedicht ins Gebiet der periegetischen
Schriftstellerei zu verweisen sei, 3) das von Allatius

Dichter nicht zugemuthet werden; es ist daher xac
zu streichen.

3) ,Hodoeporicon‘ heißt eine Reisebeschrei-
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