Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 2.1886

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gtig. 1. Heil eines Glittevä, 1740—1750. fiimftgcnjer&cmufeirat jit ßcipaig.

ieip$igev Scfyloffa'arfceüen bcs ad^efynten 3afyrfyunberts.

Don <S. H3 u Jim anii.
lllit Jlbbilbungen.

3n ber jiemlid) funftarmen SSergangenljeit
£eipjig§ ift, abgefeljen Pon ber ^ßeriobe Dfer§,
bie 93arocJäeit ber 5Ibfct)ititt, ber am eljeften
nod) ein lieferet Sntereffe beanfprudjen fann.
3um Seil mofjt unter ben Einwirfungen
ber turfädjfifdjen Stefibengftabt entfaltet fid)
namentlich in ben breifjiger unb Pierjiger Sauren
be§ 18. 3at)rr)unbert§ eine fdjwungbotle 83au-
tl)ätigfeit, unb unter ben ßweigen be§ Sunft-
gewerbe§, bie baran beteiligt finb, nimmt bie
Sunftfd)lofferei einen ber fjerborragenbften
Päjje ein. greilid) mufj id) mid) felber Ott«
flogen, bafj id) in meiner ©fi^e „Swift unb
Sünftler £eipjig§ in ber SBarocfjeit" (Slu§
SetpjigS SSergangen^eit. ßeipjig 1885. @.
161—193) gerabe biefem Steige beS fünft*
gewerbeS feine 83ead)tung gefdjenft Ijabe. Stber
jene ©fi^e ift fd)on älter, unb weldje 33e-
beutung bie Sunftfd)lofferei in ber SBarodjeit in
Seipjig gelobt Ijat, ift unS erft redjt ju ©emüte
geführt morben, afö 1883 ein Seit be§ alten
8of)anni§friebIjofe§ aufgehoben mürbe unb eine
Slnjafjl fdjöner fcfjniiebeeiferuer ©rufttf)ore, an
benen man früher ad)tto§ borübergegangen mar,
bem Seipjiger Shtnftgewerbemufeum übertaffen
unb bort §u bequemer Sßetradjtung bereinigt
mürben. UnwiHfurlid) fing man nun an, autf)
auf biejenigen Erjeugniffe ber Sunftfdjlofferei ju
ad)ten, bie fid) nod) an unb in ben alten <ßatri-
äierfjäufern ber inneren ©tobt befinben: nament*
lid) Dberlidjter unb Sreppeugelänber, ju benen

aud) nod) ein paar bereinjelte ©artentljore in
ben SSorftäbten !ommen, unb in biefem gangen
3ufaminent)ange finbet nun aud) baS bi§t)er
fd)einbar bbKig bereinjelt bafteljenbe pradjtbotte
©itter ber Seipjiger ©tabtbibtiottjef, ba§ Pon
bem eigentlichen S3üd)erfaat einen Sßorpla^, ba§
fogenannte Atrium, abtrennt, erft feine richtige
©teile, Einzeln betrachtet, erfd)ien biefe§ ©itter
ol§ ein fo wunberbareä SBerf in Seipjig, bafä
fogar bie Segenbe fid) feiner bemäd)tigte; e§
fd)ien unbegreiflid), bafj biefe§ Sunftwerf ur-
fprünglid) für biefen fd)tid)teu 9?aum beftimmt
gemefen fei. SKan ergäljlte, baf3 e§ ein reid)er
Seipjiger Sauffjerr für feinen ©arten beftettt,
aber bem @d)loffer nidjt abgenommen Ijabe(
bafj e§ bann ber 9tat au8 SDJitteiben bon bem
Sßerfertiger für bie 93ibIiott)ef erworben tjabe,
bafj aber ber maclere ©djtoffermeifter troftbem
an ber Arbeit gefd)äftlid) ju©runbe gegangen fei.
SSie jebod) ba§ im 9tat§ard)ib über bie Erbauung
ber S3ibIiott)ef bortjanbene Slftenmaterial nebft
ben nod) erhaltenen Entwürfen beweift, unb
Wie überbie§ fdjon ein 33ticf auf ba§ ©itter
felbft let)rt, beffen brei Sfjore fdjnurgerabe auf
bie brei ^muptgänge be§ 93ibliotf)effaa(§ mün-
ben, war ba§ ©itter in ber Sfjat bon born-
Ijerein für bie Sibliotljef beftimmt, ja e§ mar
nid)t ba§ einzige Erjeugni§ funfiPoüer ©tf)loffer-
arbeit, Womit ber ©aal gefd)müdt werben foEte:
am Enbe be§ ©aalel foßte ein 9taum bon
berfelben ©röfje mie ber SSorplafc Pom £>aupt-

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