Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 2.1886

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Sie Soioniataugfieltung in Sonbon.

Sunftgeujerbebfatt I, ©. 90) jum guten Seit
83ene$ianer arbeiten 31t ftfjen.

Sie beutfdje Sunft ift, ba beutfdfje Duetten
(aufjer Soppetmeier) ntc£)t ju State gebogen finb,
int einzelnen fdjtedjt roeggetonmien; bod) giebt
ba% 23ud) immerhin eine !urje Überfidjt über
©efdjidjte unb ßhtfnncfetung. Sie Söebeutung ber
beutfdjen (unb böfjnüfcfjen) Snbuftrie lomntt
aber abfotut uid)t jur ©ettung. SBortrefflitf)

finb in biefem Sfapttet bic in SHirnberg neu
tjergeftettten Stbbitbungen. 5 m 2(nt;ang: ©ng*
lanb unb (£t)ina, finb bem Sßerfaffer bie neueren
arbeiten gteictjfaHS unbetannt geblieben. Sic
Söebeutung be§ 93ud)e§ liegt für Seutfdjlanb
in bem Sapttet: La France; ba§ übrige be-
ftjjett mir oiiSfürjrlicrjer in unferer Sitteratur
betjanbett.

Die £olomaIausftelhmg in £on6on.

Sultug Seffing oeröffentlidjt in ber „9tational-
jettung" einen fel)r umfangreichen S3ertct)t üBer bie
am 4. SRai b. 3. eröffnete Äolonialaugfteltung in
Sonbon. SUir entnehmen bemfelBen folgenbe 216-
fdt>nitte, roetdje für bie Sefer unfereg Statteä uon
Sntereffe finb.

Sie 2tugfteltung finbet auf bem ftänbigen 2lu§-
ftellunggptatJ SonbonS, in ©outf) Sfenfington ftatt,
jum Seit unter SBenufcung oon früheren 2lugftellungen
nod) oorfyanbener Söauten unb 2lnlagen. 2Ule So-
tonien beg Brittifct)en SJBeltreidjeg fyaben bie 2tug*
fteltung Befd)idt, jebe bag it)rige an 9tatur= unb
Kunfiprobulten eingefanbt.

©et)r rounberfam berührt ung in ben meiften
Kolonien ber gufammenftofj uon urfprünglidjer 33ar-
Barei unb foloffalen ÜBerfluffeg an unoerar&eiteten
9iot)probu!ten mit einseinen ©rjeugniffen oerfeinerter
SuruStnbuftrie. gaft überallhin finb emjetne euro-
päifclje §anbroer!er auggeroanbert, roeldje nun an«
fangen, bort in 3teu--Süb=20aleg ober in 9teu-©eetanb
nad) irjren geroofjnten Lüftern SWöBel, äßagen, Äir-
cfjenaugftattungen, 2J!etaIt= unb Sfjonroaren ju fabri-
äiren, unb roäljrenb bie Sßerroaltung ber Kolonien
auf ber einen ©eite ung bie UrBeroofyner beg SanbeS
jeigr, fdiroaräe ftruppige fierle, faum mit einem ©tuet
gelt BeHetbet, in elenben öütten tljreSiere balb rot)
»erfpeifenb, fteljt bitf)t baneBen eine tjodjelegante, an
berfelBen ©telfe tjergeriditete ßimmeremricfjtung, bie
mit tljren fttlootlen gönnen in jebem ©cfi,aufenfter
einer Sonboner ©trage prangen tonnte, ober Äanjet
unb SetftüBJe gottfcfyen ©tilg, bie otjne roeitereg in
eine SanbtircB,e ©nglanbg oerfefct werben tonnten,
unb neBen ben Sßaffen ber Eingeborenen, metc^e mit
prtmitioen, rotjen, aBer oft reetjt finnreidien eingeritten
unb geferbten Ornamenten »erfetjen finb, prangen
fetßftBenntfit bie 2trBeiten irgenb einer fiunftfdjute,
roetdje an einer ©teile errichtet rourbe, bie oor breijjig
Sauren nodj Urroatb mar, beren ©cbüter jejjt mit
atter §armtofigteit bie 5J$almetten ©ried)entanbg unb
bie KreujBlumen gotiferjer Äiro;en nact) iljren aug
©nglanb unb SDeutfdt)tanb importirten Vortagen nac|-
jeicfinen. Wlan t)at mir gerabe biefe 2lrBeiten mit
©totj geäeigt, man tjat erroartet, bafj id) mit greube
unb Serounberung biefen gortfct)ritt ber uon ung
oertretenen 33eftre6ungeu in fernen ffiettteilen an-

ftaunen foltte. Qd) mufite nidjt red;t, oB id) baju
oerpftidjtet fei, aber jebenfattg ift eg mir nietjt Ieid;t
gemorben. 3tur mit 2lngft unb 33angen !ann icB, bag
fdjranfenlofe SßerBreiten unfereg alten 23efijjeg oon
ßunftformen mit anfetjen. SBag foll baraug werben,
roenn fd;liefilid) bie le|te entferntefte ©de einer neu
entbedten S"felgruppe Bereitg mit allen irgenb roie
überlieferten gönnen, mit allen "palmetten unb giateu
ber alten SBelt oerfet)en roirb, roenn bagjenige, roag
urfprünglia; für ganj befonbere Stellen mit gan} Be-
fonberer .^ingaBe an einen fünftterifdjen ober reti-
giöfen Qweä gefdjaffen ift, mit einer berartig ent-
fet;litt)en 2ll(gemeinB,eit uerftäuBt, jerftreut unb ing
JJiillionenfadje ueruielfältigt luirb! ©g ift mir je^t
in Seutfcfjtanb fdjon immer ängfttia^, bafi man leine
nod) fo entlegene Heine Sanbfrabt Betreten tann, olme
roieber unb immer roieber benfelBen gormentram ;u
finben. 3^ maS immer nod) nidjt bie §offnung
aufgeben, bafj, roenn id) in irgenb einen SBintel
oon 2Beftfaten ober Sirol hineingeriet, id) bod) nod)
rjier ober ba eine ©pur felbftänbiger ©mpfinbung,
naiuen ©d)affeng in gönnen beg §anbroertg an-
treffen möcfjte; aber mit graufamer 9(egelmäfjigteit
roirb immer unb immer roieber biefe Hoffnung ge-
täuftt)t. Sag ©tnjige, roag allenfadg nod) übrig ge-
BKeBen ift, finb bie gormen beg 23adroerfg, bag täg-
tidt) frifd) rjergeftetlt roerben mufj unb in bem ficB,
allerlei eigenartige gormen erhalten B,aBen; fonft
üBeraE, an jebem ©d)aufenfter, in jeber 2Jube ftatt
felbftänbiger 2tr6eit beg §anbroertg bie Sffiaffenroare
ber grofjen gaBrifen, benen ein unb berfelbe ©tempel
naturatiftifdier unb ftitooHer Söeljanblunggroeife auf-
geprägt ift. Unb roenn biefeg Sßerallgemeinern ber
Äunftformen nun über unfere alten fiutturtänber, bie
ja boa) nur ein Heiner Sern, bod) nur ein roinjiger
gled auf ber grojjen fiarte beg ©rbballg finb, fjin«
augget)t in alle Sßett, roenn alleg immer roeiter fidt)
uerflad)t, immer weiter fid) uerbünnt, immer roeiter
bie felBftänbige ©rfinbung, bag fetBftänbige Können
laljm legt: roag foll baraug roerben? Sie gormen,
roetdje ©nglanb feinen Äotonien alg ©runbformen
5U ©ebote ftettt, finb in biefem galle nod) immer
günftiger, alg roag etroa Seutfajtanb mit feinen
Stenaiffanceformen für einen gleidjen Qmä leiften
mürbe. 311 ©nglanb ift man für SDiöbet unb ©eräte
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