Zeitschrift des Badischen Kunstgewerbevereins zu Karlsruhe — 2.1886

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3ln8: Ornamenter for Norsk Traeskjaererkunst.

Die Kunft bes ©lasfdjncibcus.

— r. @S b,at geiten gegeben, in benen baS ©tag
ebenfo an 3Jcaterialroert roie in feinen »erfdjiebenartt-
gen ©eftalten als ^runfgefäfj, Xrinfgefd|irr u. f. ro.
Ijöfyer gefdjäfct nmrbe als baS ©olb, unb loo ein
berattiger ©egenftanb für ein föniglicfjeS ©efd)enl
galt. Sas©djneiben beS©tafeS,roetd)em biefe Betradj-
tung gilt, ift ein 3roeig ber Äunft beS ©belftein»
fdjneibenS, bie bereite in frütjen Äutturpertoben
trielfad) eine Ijolje ©tufe ber Bollenbung erreidjt Ijat.
3ur griedjifd)en unb römifdjen 3eit, roo ja alte 3roeige
ber ©tnptif aufjerorbentlidj geförbert rourben, Ijat
audj bie Äunft beS ©laSfdjneibens' iljren Jpöljepuntt
erteilt, unb ber fpätltafftfdjen Beriobe tjaben mir
roofjt bie oollenbetften Sßerfe biefer Sunft ju »er«
banlen. gür bie groeefe beS ©djneibenS rourben
mehrfarbige ©(äfer meiftenS ben einfarbigen t>or*
gesogen unb gegenwärtig roirb am Ijäufigften er'
fyabener ©dinitt in einer ober mehreren färben auf
anberSfarbigem ©runbe ausgeführt. Sie ©ngtänber
roaren bie erften, reelle in neuerer Seit, angeregt
bureb, ben Smport geftfinittener ©laSarbeiten auS
Etjina, biefe 2Irt ber Äunftübung roieber in 2lufnaljme
gebraut Ijaben. SaS Berfaljren beim erhabenen
Schnitt eineä ©efäfjeS läjst fiefj am leidjteften nad)
Borausfdjictung einiger Sß?orte über bie £erfteltung
be§ ©efäfjeS fetbft befdjretben, roeldje bie nämlidje ift,
ob baSfetbe aus nur jroei ober aus mehreren färbt»
gen Sagen über einanber befielt. Sie.tmuptbebingung
ift eine Qufammenfe^ung ber oerfdjiebenen farbigen
©(äfer, roelcfje itjre oöltig gleidjmäfjtge 2luSbcIjnung,
bejro. 3ufainmen}ieljung fidjert. ©s roirb aisbann baS
Soppetgefäfj in ber 233eife fjei-geftellt, bafs baS erfte
an ber pfeife in geroöt)ntid;er 2(rt tjoljl geblafen, ab-
gefa)nitten unb b,iernadj baS jroeite nod) IjeiB unb
roeidj in baS erfte Ijineingeblafen roirb, roobet fidj bie
SBanbungen fofort an einanber fdjtiefjen. Sßirb biefe
SJianiputation forgfätttg unb gefdjicft ausgeführt, fo
bleibt {eine Suft jroifdjen ben beiben ©tasfdjidjten
unb eS !önnen nidjt in roeiterem Berfotg beS Ber-
faljrenS oerborgene Suftbtafen bie eigentltcrje 3trbeit
beS ©djneibenS ju einer oergeblidjen machen. Sie
nunmefjr feft aneinanber gefügten ©täfer werben jefct
aufs neue erroärmt, nod) fo tuet roie erforberlid)
roeiter geblafen, ermatten mit Sluftreibfdjere unb
3ange iljre befinitioe 3orm foroie ben 3ianb unb ge-
langen bann in ben $üt)Iofen. §iernadj gelangt baS
©efäjj in bie £anb beS ©laSfdjneiberS. Sott baS-

felbe eine figürliche Sarftellung erfjatten, fo roirb
biefe in ber Sieget in SBadjS mobettirt, beoor man
an bie Bearbeitung mit ©äure, Mab unb ©tabjftift
geljt; man lann bie 3etdjnung mit Bteiftift fftjjiren
unb ju biefem SroedEe bie Dberpdje be§ ©efäfjeS
burd; (Sintaudjen in glufjfäure ein roenig raul)en;bann
roerben bie Umriffe mit einer 3ieferoage bebeett, bie
Öffnung beS ©efäjjeS gut »erroaljrt unb baSfelbe
längere 3«it in ©äure gebracht. Sa bie äußere Sage
beS ©IafeS überall »ottlommen gleid) ftart ift, fo muf;
baS ©efäfj roieber^ott in bie ©äure gebradjt roerben,
bis ber Untergrunb überall ^eroortritt. SieS ge-
fdjietjt feiten burd)auS rein unb frei oon ©puren ber
oberen 5atbenfd)idjt, roelcfie bann beim ©djneiben be-
feitigt roerben muffen. Blätter unb Blumen roerben
auf ber Sreljbanf uorgearbeitet, roaS — felbft bei
einem einfadjen Sliufter — oft SBodjen unb Sdonate in
2tnfprud) nimmt, ©ine fo!d;e Sreljbanf f)at bie gleite
Äonftrultion roie bie ber ©betfteinfd)Ieifer, nur ift fie
ferbft, fomie it)re lupfernen Mäber, gröfjer. 2turfj bie
jur SSenoenbung fommenben ftä^Ietnen ©d;neib-
inftrumettte finb bie nämlichen; biefelben muffen aus
forgfättig gehärtetem ©tab,I fjergefteüt fein unb feb,r
fd;arf unb in gutem 3«ftanbe ermatten roerben, ba
anberenfattS bie 2lrbeit teidjt inlorreft roirb. Steine
Mängel Kommen, tro(; alter 2tufmer!famfeit, juroeiten
uor unb erforbern ju ib,rer Serbecfung eine bebeutenbe
©efcflicJlidjteit beS 2XrbeiterS. 9laa) Beenbigung ber
2trbeit mit Siab unb ©tid;et roirb baS ©efäfj juroeilen
nod) in ©äure getaud)t, roeld)e ber Dberftädje einen
gleidjmäfiigen Son giebt; oft aber fdjäbigt biefe Dpe--
ration bie ©djärfe beS SDiufterS unb in febem gälte
ift fie baju angetb.an, baS ©b/arafteriftifcfi.e einer
jeben lünftferifcfjen $anbarbeit ju »ermifd^en. Ser
gefdjitberte $ro}efj erforbert nidjt altein ©orgfatt,
fonbern aud) ferje »iet ©ebutb, unb e§ oergeben ju-
weiten Safere über ber Bottenbung einer gröf3eren
Slrbeit. Qroetfelloä roaren bie Bebingungen für bie
§erftettung roirtlidj guten ©taSfd)nittS in römifajer
Seit günftigere, atS fie eS tjeute finb. Ser ganje
mobeme .'panbetSgeift unb §anbetSbetrieb mit itjrer
§aft ß,aben baf)in geführt, ben gefamten ©teinfdnütt
unb mit it)m ben ©taSfdjnitt }u »utgarifiren, unb
aus ber gleiten Beranlaffung, uietteidit aud; auS
einem 3J?angel an roatjrer SBürbigung ber Äunft
ftetjen bie gegenroärtigen ©taSfabritanten in ber £>er-
ftettung »on ÜberfanggtaS, roaS f)armonifcb,e unb für

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