Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

Page: 22
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ars1969/0218
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Schon bei der Erwähnung der Organisation
unserer Kunstgewerbeschule mochte Ihnen wohl
die Vorstellung der Bauhaus-Struktur in den Sinn
gekommen sein. Bauhaus ist auch das, dem im
Zusammenhang mit der Konzeption der Kunst-
gewerbeschule die Bedeutung eines nichtwegzu-
denkenden, den kleinen heimischen Verhältnissen
angepassten Beispiels zugesprochen wird. Uber die
Konzeption der Kunstgewerbeschule zu reden
heisst, in beträchtlichem Mass das Projekt gleich-
zeitig zu besprechen. Denn Vydra's Plan wies in
die Zukunft und das, was verwirklicht wurde,
sollte nur die Grundidee sein. Deshalb begann er
umsichtig und von Grund auf. Und deshalb muss
man die Beziehung der Kunstgewerbeschule zum
Bauhaus von diesem Standpunkt, vom Stand-
punkt des Wesentlichsten aus, untersuchen.
Es wird sich nun zeigen, dass das, woraus Vydra
seine Kenntnisse gewann, die historischen Erfah-
rungen des Bauhauses waren:
1. Die Auswah, der Lehrer.
Gropius seinerzeit und auch seine Nachfolger
bestanden auf dem Grundsatz, dass Pädagogen
schallende Künstler sein müssten und zwar die
allerbesten, die überhaupt herangezogen werden
konnten. Darin lag die Gewähr, ohne die das
Bauhaus nicht zu dem hätte werden können, was
es war. Vydra wusste dieses Vermächtnis ein-
zuschätzen. Da es zwar keine lokalen Kandinskys
gab, entschloss er sich unter den jungen zu suchen
und hatte Erfolg. Aus den ehemaligen Lehrern
der Kunstgewerbeschule wurden in Kürze Künst-
ler ersten Ranges. Namen wie Galanda, Fulla,
Fnnke, Plicka, Horová, Tröster und viele andere
gehören heute in unserer Kunst zu den bestklin-
gendsten
2. Erziehung zur Vielseitigkeit,
zu der, ähnlich wie im Bauhaus, schon die
Art des Unterrichts und die theoretisch aus-
gezeichnet fundierte Bücherei und Zeitschriften-
Lesehalle, die mit Dutzenden ausländischer und
inländischer Eachrevuen und Zeitschriften, von
der Bauhauszeitschrift begonnen, bis zur Zeit-
schrift der Gruppe ,,Devětsil RED" ausgestattet
war, führen sollte.
3. Die weltsanschauliche Engagiertheit
als Konsequenz der avantgardistischen Bilden-
den Kunst und als positive, lebensspendende,
aggressive und defensive Kraft.
Worin das Bauhaus als Muster diente, war mit

einem Wort die Qualität. Diesem Zweck sollte
auch das psychoteclmische Institut dienen, das
mit der Kunstgewerbeschule verbunden war und
zu deren Aufgaben es gehörte, unter den Lehrlin-
gen künstlerische Talente zu suchen und ihre
konkreten Dispositionen festzustellen. Ähnliches
kann man auch über die Kinderkurse für Kunster-
ziehung sagen.
Andererseits war das, was den Unterricht,
seinen Gehalt und seine Ergebnisse betraf, das,
was man als Einfluss des Bauhauses zu erachten
pflegt, eher eine unmittelbare Folge der Bedürf-
nisse und Atmosphäre der Zeit. Die Organisation
der Abteilungen an einer Kunsthochschule, wie
es das Bauhaus war, nämlich auf Grund des Ma-
terials, war ausgesprochen revolutionär und ent-
sprang der Absicht, die Kunst dem Handwerk
anzunähern, das war für die Kunstgewerbeschule
eine Selbstverständlichkeit, denn, was hier gege-
ben war, das waren die einzelnen Gewerbezweige,
die doch die Schule auf das Niveau der Kunst
erheben sollte.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Kunststil der
Schule, der zwar von den Lehrern persönlich
abgewandelt wurde, in seinen wesentlichen Zügen
jedoch ein Stil der Dreissigerjahre war, der einer-
seits durch das Respektieren des Materials, an-
dererseits durch die Berücksichtigung der Funk-
tion bestimmt war. Das Inklinieren zur geome-
trischen Abstraktion ergab sich aus der Betonung
der schöpferischen Kombinationsfähigkeit des die
individuellen Unterschiede verwischenden Intel-
lekts und zu einer Produktion von kollektivem
Typus führenden Standards. Zum Standard ge-
hörig empfand man anch gewissermassen all-
menschliche und moralische Themen und schliess-
lich zählte man das angeborene bildnerische
Empfinden dazu, das dann hauptsächlich bei Fulla,
Galanda und Horová in Volkskunstinspirationen
ausklang.
Die schöpferische Atmosphäre der Kunstge-
werbeschule und ihr spezifischer Charakter wirkte
entscheidend auch auf die individulelle Ent-
wicklung der Professoren, deren Mehrheit die
Rolle von Begründern, Klassikern der modernen
Kunstentwicklung in ihrem Fach spielten: Fulla
und Galanda in der slowakischen Malerei und
Graphik, Funke und Plicka in der Photographie,
Horová auf dem Gebiet der Keramik, Rossmann
in der Typographie und Zeitschriftengraphik.

22
loading ...