Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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Die KunstgewerbeschiBe in Bratislava 1928—1938

IVA MOJŽÍŠOVÁ

Die Geschichte der modernen slowakischen Kunst
ist so kurz wie kaum eine andere in Europa — sie
ist nicht älter als ein halbes Jahrhundert. Und
dennoch findet man noch weisse Stellen, Seiten,
die, obwohl sie mit interessantem und ernstem
Geschehen beschrieben sind, so doch Jahrzehnte
lang ungelesen blieben.
Die Kunstgewerbeschule in Bratislava ist eine
von diesen.
Es handelt sich uns um zwei Dinge.
Sobald als nur möglich muss die Lücke in der
geschichtlichen Erkenntnis unserer eigenen Ver-
gangenheit ausgefüllt werden, nämlich, was sich
in Bratislava gegen Ende der Zwanziger- und in
den Dreissigerjahrcn abspielte, was für eine Auf-
gabe die Kunstgewerbeschule spielte, was das für
eine Schule war und weshalb es sich lohnt, sie nach
so vielen Jahren zu erwähnen. Wo immer eine
Bemerkung über die Kunstgewerbeschule fällt, hat
man das Empfinden, dass man ihr eine nicht
geringe Bedeutung zuzuschreiben beginnt. Solange
jedoch die Geschichte dieser Schule als auch ihrer
gesamten durch sie hervorgerufenen oder mit ihr
zusammenhängenden Aktivität nicht genügend
bekannt sein werden, werden wenige wissen, worin
eigentlich ihre Bedeutung liegt.
Nicht nur das. In diesen Zeiten, wo sich in
unserem Leben soviel geändert hat und ändert,
wo uns die Verpflichtung eines selbständigeren,
jedoch auch verantwortlicheren Handelns in ge-
sellschaftlichen Belangen wartet, wo wir den
Vorbereitungen einer Schulreform und einem
Umbau der Organisation der Kunstgemeinde
entgegensehen, wird es gewiss von Nutzen sein,
die Gegenwart und die Zukunft mit dem Hass des
künstlerischen Nachlasses zu messen. Im Falle
der Kunstgewerbeschule wird dies umso nützlicher

sein, wo unsere heutigen Schulen für bildende
Kunst im Prinzip, als Gesamtheit, nicht weiter
gelangten als zu jenem Punkt, den die ehemalige
ŠUR (Kunstgewerbe-Schule, wörtlich Schule für
Kunstgewerbe in Bratislava) bereits erreicht hatte,
ja sogar nicht einmal bis dahin brachten sie es.
Deshalb wäre es vielleicht nicht abwegig, alle jene
auf eine gute heimische Tradition aufmerksam
und mit dieser bekannt zu machen, in deren Händen
das künftige Schicksal unseres Kunstschulwesens
liegt.
Dieses Referat sollte einige grundlegende Daten
über die Kunstgewerbeschule über einige Voraus-
setzungen ihrer Gründung und ihrer Organisation
enthalten.
Die Slowakei sah sich nach dem Umsturz
plötzlich zwei grossen Aufgaben gegenüberstehen.
Obwohl diese Aufgaben durch die gesamte Situa-
tion des politischen, gesellschaftlichen und wirt-
schaftlichen Lebens im Lande bedingt waren, so
entsprangen diese sowohl und mündeten auch in
den Kulturbereich. Die erste dieser Aufgaben war
die verspätete und daher umso dringlichere Ge-
legenheit, sich als Nation zu äussern, zu definieren,
den nationalen Geist zu wahren und zu entfalten.
Die zweite, ebenso wichtige Aufgabe war das
Bestreben, die Slowakei auf das Niveau der Zeit zu
erheben, das zurückgebliebene, vernachlässigte
Land in einen gut funktionierenden, modernen
und selbständigen Organismus zu verwandeln.
Was für eine Mission hatte hier die Kunstge-
werbeschule oder zumindest, was für ehre Aufgabe
erfüllte sie? Zur ersten der erwähnten Fragen
kehre ich noch in diesem Zusammenhang zurück.
Vorläufig sei nur das erwähnt, was die Tatsache
der Gründung der Gewerbeschule selbst betrifft.
Die Schule, von der hier die Rede ist, rief das

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