Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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Das Problem der Rettung
von Kulturdenkmälern
im Gebiet des geplanten Staudammes
Liptovská Mara

IMRICH PUŠKÁR

Eine der äusserst ernsten und heute aktuellen
Probleme des Denkmalschutzes in der Slowakei
ist die Frage des Schutzes und der Rettung der
sehr wertvollen Kulturdenkmäler im Raume des
künftigen Staudammes Liptovská Mara. Bei der
Vorbereitung einer so gross angelegten Aktion
steht die Bewertung der in Betracht kommenden
Denkmäler im Vordergrund; dazu gesellt sich die
Frage der zu treffenden Schutzmassnahmen und
schliesslich die Frage nach der Art und Weise,
in welcher diese Denkmäler erhalten bleiben
sollen.
Das hydroelektrische Werk Liptovská Mara soll
im nördlichen Teil der Slowakei, im Raum des
mittleren Liptov-Gebietes im Waag-Tal errichtet
werden. Der östliche Rand des Stausees soll an
das Gebiet der Stadt Liptovský Mikuláš heran-
reichen, im Westen sollen die Gemeinden Vlachy
und Vlasky überflutet werden. Im Süden grenzt
der Stausee an die Gemeinde Götovany, im
Norden soll die Gemeinde Liptovská Sielnica
ebenfalls überflutet werden. (Das kompliziert
gegliederte Tal des Waag-Flusses grenzt in diesem
Gebiet im Süden an die Niedere Tatra, im Norden
bildet das Gebirge der Liptover Tatra seine
Kulisse.)
Vom Standpunkt der Nationalkultur aus be-
trachtet, gehört das Gebiet von Liptov zu den
interessantesten Teilen der Slowakei. Seine Be-
deutung liegt in den künstlerisch-historischen
Reichtümern, in welchen eine sehr breite Skala der
verschiedenen Kunstperioden vertreten ist. Einige
Kulturdenkmäler sind von solcher Bedeutung,
dass sie den regionalen Rahmen des Liptover
Gebietes, ja sogar den der ganzen Slowakei
überschreiten, im 19. und 20. Jahrhundert spielte

dieses Gebiet eine wichtige Rolle bei der slowa-
kischen nationalen Wiedergeburt.
In architektonischer Hinsicht prädominieren
sakrale Bauten, u. zw. jene aus dem Mittelalter,
die mit ihrer Silhouette den Gesamtcharakter
dieses Gebietes bestimmen. In den meisten Fällen
stehen diese Bauten auf einem erhöhten Platz
oberhalb der Gemeinde, oder sie sind ursprünglich
in der Mitte der Gemeinde errichtet worden, wo sie
das Zentrum der betreffenden Ortschaft bildeten,
um das sich das Leben der Bewohner konzentrier-
te. Zu den Wohnbauten gehören Wirtschafts-
gebäude, die mit dem Wohnhaus eine Einheit
bilden.
Als bedeutendstes Objekt des Gebietes wird die
in der Gemeinde Liptovská Mara stehende röm.
kath. Kirche betrachtet. Diese Ortschaft wird
bereits in den Jahren 1332—1337 als Pfarrgemeinde
erwähnt. Im Jahre 1368 finden wir sie unter
der Benennung Boldogasszonyfalva (diese unga-
rische Benennung bedeutet ungefähr ,,Dorf der
Hl. Jungfrau"). Die Benennung der Gemeinde
und die dortige gotische Kirche weisen jedoch
darauf hin, dass sich die Gemeinde spätestens in
der Mitte des 13. Jh. entwickelt hatte. Sie gehörte
zur Herrschaft Likava.
Die Kirche ist der Jungfrau Maria geweiht;
es ist ein gotischer Bau, im Renaissance-Stil
umgehalten, ursprünglich aus dem zweiten Drittel
des 13. Jh., umgebaut vom 15. bis zum 17. Jh.
Der aus dem zweiten Drittel des 13. Jh. stammende
einschiffige Bau hatte wahrscheinlich ein vier-
eckiges Presbyterium, gegen Ende des 15. Jh.
durch ein neues, polygonal abgeschlossenes, mit
Netzgewölbe bedecktes Presbyterium erweitert.
Im Jahre 1520 wurde die Kirche durch das süd-

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