Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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und beraten von Gropius das ,,New Bauhaus" gegründet, das er wegen wachsender äusserer
Schwierigkeiten nach, einem Jahr in die ,,School of Design" umzuwandeln genötigt war, aus der
schliesslich das ,,Institute of Design" hervorgegangen ist, das nach Moholys Tod jedoch an
Bedeutung verlor und schliesslich im ,,Institute of Technology" aufgegangen ist; darauf wies ich ja
schon hin. Beachtenswert ist, was zu Moholys Zeiten geschah. Mo hol y bezog in seinen Lehrplan
von geisteswissenschaftlichen Fächern ausser Psychologie, die auch schon am alten Bauhaus
Unterrichtsgegenstand gewesen war, Kybernetik und Kommunikationswissenschaft ein, und baute
den allgemeinbildenden Unterricht unter Gesichtspunkten der damals noch neuen sozialwissen-
schaftlichen Forschung aus, für die die University of Chicago eines der Zentren war. Im ,,New
Bauhaus" Moholys wurde die Lherzeugung verifiziert, dass man den Menschen und seine
Verhaltensweisen keimen müsse, ehe man seine Umwelt gestalten könne. Dieser Faden ist später
von der Ulmer Hochschule aufgenommen worden. Die Ergebnisse waren exemplarisch, jedoch es
erwies sich auch, dass geisteswissenschaftliche Ansprüche für eine Gestaltungsschule nicht ganz
gefahrlos sind: Es ist sehr schwer, zwischen den geisteswissenschaftlichen und den gestalterischen
(ich vermeide hier absichtlich das Wort ,künstlerischen") Disziplinen das Gleichgewicht herzustellen.
Die geistige Potenz der Gestaltungs-Lehrer muss schon sehr gross sein, damit sie sich neben den
Geisteswissenschaftlern behaupten können. Wenn die Schüler nicht ungewöhnlich reif sind, schiesst
der Dilettantismus ins Kraut. In Chicago wie auch, wie es scheint, in Ulm hat man das Programm
nach und nach auf die eigentliche Aufgabe — auf die Fachausbildung von Gestaltern — reduziert.
Das war folgerichtig und bedauerlich zu gleicher Zeit. Ich glaube nicht, dass der Fehler im Ansatz,
in der Konzeption des Programmes lag, sondern er lag darin, dass die Basis noch nicht breit genug
war. Eine Gestalter-Schule, die den heutigen Ansprüchen an die Voraussetzungen des Wissens vom
Menschen, von seinen Lebensbedingungen und seinen Lebenserwartungen genügt, kann nur das
Glied einer allgemeineren Hochschule sein, sei sie ihr nun als Fakultät eingeordnet oder, was
vorzuziehen sein dürfte, frei assoziiert. Die Bauhaus-Lehre mit ihren künstlerischen Inhalten und
Querverbindungen müsste die Grundlage sein. Darüber hätte sich eine mittlere Ausbildungs-Schicht
zu lagern, wenn ich so sagen darf, die der Vorbereitung auf die spezielleren Gestaltungsfragen dienen
und den geisteswissenschaftlichen Rahmen schaffen müsste. Diese Phase hätte mit den neuesten
arbeitstechnischen Medien — bis hin zum Computer — vertraut zu machen und schlösse mit einem
Examen ab. Erst nach dieser intensiven Grundausbildung hätte die Spezialausbildung einzusetzen,
die wiederum subtilere Aufbaumöglichkeiten eröffnen sollte. Beispielhaft für ein solches mit speziellen
Fragen befasstes Institut scheint mir das von Konrad Wachs mann zu sein, einem Poelzig-Schüler
und ehemaligen Mitarbeiter von Gropius, der — übrigens mit erstaunlich geringen Mitteln — an
der Universität von Süd-Californien zusammen mit etwa zehn graduierten Studenten Bauforschung
und Baukonstruktion betreibt. Begrenzt auf ein enges Gebiet, kann hier von überdurchschnittlichen
Kräften eine wirklich vorausschauende Forschung betrieben und eine ganz konkrete Arbeit geleistet
werden, die weithin befruchtend zu wirken vermag. Auch in anderen künstlerisch-gestalterischen
Fachdisziplinen müssten Institute, vergleichbar dem Konrad Wachsmanns, möglich sein. Ich muss
aber wiederholen, dass nur die enge Verbindung mit einer Universität oder einer Technischen
Hochschule die nötigen Prämissen für derartige Fachinstitute zu gewährleisten vermag.
Die Arbeitsergebnisse der mancherlei im Sinne einer Weiterentwicklung des Bauhauses tätigen
Lehranstalten und Fachinstitute zu untersuchen und zu vergleichen, wird künftig eine Hauptaufgabe
des Bauhaus-Archivs in Darmstadt sein, das gegenwärtig freilich noch allzu nah am Beginn seines
eigenen Aufbaues steht. Es wird die da und dort entwickelten Ausbildungsmethoden kritisch prüfen,
um — vielleicht — zu neuen Einsichten zu gelangen und selbst konstruktive Vorschläge machen
zu können; die Frage der kreativen Arbeitsgemeinschaft in der Schule, in der Künstlergruppe und
in der industriellen Produktionsgemeinschaft wird unter den in unserem Zusammenhang wichtigen
Gesichtspunkten zu analysieren sein. Historische Recherchen gehen als Grundlagenforschung voraus.
Bei der Erfüllung dieser Aufgabe — oder, genauer gesagt, dieses Aufgabenkomplexes — wird das
Bauhaus-Archiv auf ein enges, verstehendes Zusammenwirken mit allen in der Sache und in der

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