Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 3.1969

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Film und Bühne befasst, kennt den Namen
Moholy Nagy. Er war der unermüdliche Kämpfer
für die ..Neugestaltung". In der Übergangsperiode
schloss er sich dem Weimarer Bauhaus an, damals,
als sich der Expressionismus zu einer konstruktiven
und architektonischen Richtung entwickelte. Der
Bruch mit den anfänglich formalistisch-spiele-
rischen Formungen ist Moholy-Nagy zu verdan-
ken; er betonte, dass die Gegenstände in erster
Linie, technisch zweckmässig und leicht benutzbar
sein müssten. Als Theoretiker erforschte und
propagierte er das aus der Einheit von Kunst und
Technik entstehende, neue ästhetische Phänomen.
Er bemühte sich um den Austausch und das
Weiterkreisen der Bauhausideen. In ungarischer
Sprache erschienen von ihm derartige Aufsätze
und Äusserungen. Mit seinen in Ungarn gehal-
tenen Vorträgen war er zweifellos von grossem
Einfluss auf unsere jungen Architekten und eine
Gruppe von Graphikern.
Die ungarischen Architekten Alfred Forbät
und Farkas Molnár arbeiteten Anfang der 20-iger
Jahre im Privatatelier von Gropius. Wenn auch
damals die Inflationszeit der Baukunst nicht
günstig war, so wurde es doch für diese eine
glückliche und schöpferische Periode. Wie bekannt,
hatte sich Gropius schon vorher mit dem Problem
der Einführung industriellen Methoden in die
Architektur, beschäftigt. Ein aus Mussterelemen-
ten bestehender grossformatiger ,,Baukasten" ve-
reinte die Typisierung mit den Variierungsmög-
lichkeiten. Die neben- und übereinander gesetzten,
streng kubischen Elemente verführten die jungen
Fachleute leicht zu formalistischen Geschicklich-
keiten und zu vorschnellen Pseudo-Lösungen.
Und doch: sowohl Alfred Forbäts wie Farkas Mol-
närs damalige Arbeiten umgehen diese verfüh-
rerische Falle: sie sind tatsächlich funktionell und
individuell; in ihren Formengebungen spürt man,
dass ihre Schöpfer ästhetischen Erfahrungen ihrer
eignen konstruktivistischen Graphik zur Anwend-
ung brachten.
Der mit architektonischen Fähigkeiten hoch-
begabte Marceli Breuer begann erst 1921 damit,
sich intersiver mit der Baukunst zu beschäftigen.
Damals konnte er sich noch auf keinerlei Bauer-
fahrungen stützen; denn im Bauhaus war er
in der Tischler-Werkstatt ausgebildet worden.
Breuer wirkte bei der Einrichtung mehrerer
Räumlichkeiten des ,,Versuchshauses" des Bau-

hauses kraftvoll mit. Anfangs beeinflusste ihn
bei der Gestaltung seiner Möbel die expressive
Form, später der Konstruktivismus von ,,de Stijl"
bzw. von Rietveld; doch kam bei seinen 1925
geschaffenen Stahlror-Stühlen bereits die funk-
tioneile Form zur Geltung. Die so eingetretene
grosse Wandlung bei der Planung der Innenein-
richtung war durch die neue Raumauffassung
inspiriert: der Raum war danach keine geschlo-
ssene Komposition, sondern in seinen Dimensionen
und Einzelelementen vielartig verwandelbar.
Die funktionelle und konstruktive Vollendung
der variierbaren Möbelgruppen, der zusammen-
klappbaren Sitzmöbel machte sich Breuer im
Aufträge der Dessauer Möbelwerke zur Aufgabe.
Aufgrund seiner Pläne wurden die Aula, der
Speisessai, die Ateliers im Bauhaus sowie einige
Lehrerwohnungen, unter die von Gropius, ein-
gerichtet.
Die Arbeiten der übrigen ungarischen Bau-
haus-Mitglieder seien hier nur mit weniger Worten
erwälnrt, wie z. B. die einfache, praktische und
leicht zu formende Metall-Stehlampe von Gyula
Pap vom Jahre 1923. Otti Berger ist eine Zeitlang
künstlerische und technische Leiterin der Dessauer
Webewerkstätten; durch Verwendung von Kunst-
fasern erreicht sie damals neuartige stoffliche
Wirkungen. Sie beschäftigte sich mit der Erzeu-
gung solcher Textil-Bindungsarten, die für die
industrielle Herstellung geeignet waren. Sie stand
mit grossen deutschen und anderen Firmen in
Verbindung. Neben Oskar Schlemmer wirkte
Andor Weininger an der Bauhaus-Bühne. Er
spielte eine bedeutende Rolle sowohl in szenischer
wie auch in choreographischer Beziehung. Er
organisierte die Bauhaus-Kapelle. Sein ,,Kugel-
theater-Modell" befindet sich im theaterwissen-
schaftlichen Institut in Köln. Der aus Transsyl-
vanien stammende Maler und Musiker Henrik
Neugeboren übertrug die zeitliche und räumliche
Darbietung der Musik ins Sichtbare; er formte vier
Takte der es-moll-Fuge von Bach in eine graphische
und plastische Darstellung um.
Um die Mitte der zwanziger Jahre hielten,
sowohl die dort gebliebenen wie die heimgekehrten
ungarischen Bauhäusler, es für äusserst wichtig,
die Ideen und Ergebnisse der Schule nach Ungarn
zu verpflanzen. Zwar wurde hier die Inflation der
Kronenevaluta im ganze Lande verspürt, doch
begann sich die Abgeschlossenheit in der Mitte der

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