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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 23.1967

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https://doi.org/10.11588/diglit.44899#0134

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Rolf Nierhaus

einmal ein Stück des Weges feststellen, der den Hof vor Jahrhunderten mit der Außenwelt
verbunden hat, wie etwa das Stückelten Weg bei dem römischen Hofe auf dem Boden des
vormaligen keltischen Oppidums T'arodunum (bei Zarten ostwärts Freiburg), ein Weg, der
mit einer angeblichen Straßendurchquerung des Schwarzwalds durch das Höllental nicht
das mindeste zu schaffen hat10). Gelänge es einmal auch im Bereich der Germania Superior
rechts des Rheins, wie in so vielen anderen römischen Gebieten, ein Stück der starren
römischen Landvermessung (centuriatio) zu fassen, dann könnte die Klärung des römer-
zeitlichen Feldwegnetzes wichtig werden. Vorerst ist es in unserm südwestdeutschen Raume
ohne großen Belang.
4. Ähnlich problematisch bleibt selbstverständlich die Ermittlung von römerzeitlichen Fuß-
oder Saumpfaden in den Schwarzwald hinein und gelegentlich wohl auch durch den
Schwarzwald hindurch, also von gänzlich unausgebauten Wegen, die Jägern, Köhlern,
Pechbrennern, Fallenstellern, Wildhonigsammlern und ähnlichen Gewerbetreibenden ge-
dient haben. Wirklich nachweisen läßt sich die Benützung solcher ,alten' Wege
schon in römischer Zeit und vollends gar in vorgeschichtlicher Zeit in der Regel nicht, und
ausnahmsweise allenfalls einmal durch einen glücklichen Zufallsfund im Innern des Ge-
birges. Als solcher kann bisher als einwandfrei gesichert nur der Münzschatzfund von
Furtwangen (Ldkrs. Donaueschingen; vgl. unten Abschnitt II, Nr. 3) registriert werden.
Ob man die römische oder gar vorrömische Benützung eines ,alten' Weges annehmen will,
bleibt demnach in den meisten Fällen mehr oder weniger in das Ermessen des einzelnen
Forschers gestellt. K. Schumacher (1923, 58; 1925, 311) und unter seinem Einfluß Fr. Hert-
lein (besonders 1930, laufend; auch sonst) und P. Revellio (siehe unten Abschnitt II, Nr. 3)
waren in diesem Punkte in ihren Vermutungen verhältnismäßig großzügig, am vorsichtig-
sten noch Revellio; ich selbst bin skeptischer.
Gewiß wird es auch in römischer Zeit unter den Bewohnern der Siedlungen nahe am
Gebirgsrand so etwas wie wegekundige ,Pfadfinder' oder ,Waldläufer' gegeben haben,
wie sie uns z. B. aus der Geschichte der Erschließung der Urwälder Nordamerikas im
18. und 19. Jahrhundert bekannt sind. Wenn man etwa, von Schiltach aus der römischen
Kinzigtalstraße nach Osten folgend, den unauffälligen engen Eingang in das Tälchen des
Kaibaches sieht, in das jene Straße hineinführt, um dann in steilem Anstieg die Paßhöhe
beim Hofe Brandsteig zu gewinnen, dann wird man durchaus zu der Annahme gedrängt,
daß der Taleingang nur mit Hilfe einheimischer ,Pfadfinder' ermittelt und darüber hinaus
die nicht ganz leichte Strecke bis zur Paßhöhe nur unter Mitwirkung solcher ortskundigen
Männer festgelegt werden konnte. Aber streng beweisbar ist dergleichen natürlich nicht.
Um eine gewisse Vorstellung von einer etwaigen wirtschaftlichen Nutzung der Forste im
Schwarzwald durch Köhler, Fallensteller usw. in römischer (und vorrömischer) Zeit ge-
winnen zu können, empfiehlt es sich vielleicht, zum Vergleich die Hinterlassenschaft der
eingangs erwähnten mesolithischen und neolithischen Jäger im Schwarzwald, fast aus-
schließlich vereinzelt angetroffene Feuersteinwerkzeuge, heranzuziehen. Denn unbeschadet
des zeitlichen Abstandes kann die Ausrüstung eines Jägers, Fallenstellers usw. im Meso-
10) G. Kraft u. R. Halter 1937, 111 f. mit Plan 101 Abb. 1; Fr. Fischer 1962, 42 mit Plan Taf. 14.
Ein ähnliches Wegstück unmittelbar bei dem bescheidenen römerzeitlichen Bauerngut bei
Merding en (Ldkrs. Freiburg): Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 328, Fundschau unter „Mer-
dingen“.
 
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