Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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II. Iahrgang

Nr. z

iin Geptember I9OO.

Der Burgwarr erscheint monarlich einmal. — Benrgspreis: 5 Mark jährlich.

Mitglieder der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen erhalten den Burgwart unentgeltlich frei ins Haus.

Durg Frauenstein im Erzgebirge.

on den Burgen im Rönigreich Gachsen zieht augenblicklich die Burg Frauenstein, über der
gleichnamigen Gtadt im Erzgebirge, die größte Aufnrerksamkeit auf sich. R^ührige Mit-
glieder des Erzgebirgs - Vereins hatten Lnr Beginn dieses Iahres einen neuen Grundriß
von dem jetzigen Stande desISchlosses und der Burgruine aufgenommen und der könig-
lichen Lommission zur Erhaltung der- Rtlnstdenkinaler zur Verfügung gestellc und gleichzeitig
gebeten, daß die Lommission sich für die Erhaltung und, wo nöthig, ^Viederherstellung der noch aufrecht-
stehenden Theile der Burg verwenden und die Llüssigmachung von Geldern für die dazu nöthigen
Arbeiten veranlassen wolle. In <^olge defsen besichtigce Lm August d. I. »Zerr Hofrath Professor
Or. Gurlitt aus Dresden Lm Auftrage der Loinmission Gchloß und Ruine Frauenstein und erachcece
Lreilegung und Ausgrabung verschiedener Dheile für nothwendig, desgleichen die Wiederherstellung einiger
verfallener Mauersrücke. Diese Arbeiten sollen, wenn möglich, noch im laufenden Iahre begonnen werden.

DLe Lhronisten schreiben der Burg ein für diese Gegend außerordentlich hohes Alcer zu; der
ganzen Anlage nach dürfte sie in Lhren alteren Theilen dem Ende des 12. oder Anfange des 1Z. Iahr-
hundercs entstammen. Soweit nachweisbar, zuerst in Besitz der Burggrafen von Meißen und von
diesen bald lehensweise bald pfandweise weitergegeben, findet sich die Burg seit 1Z29 langere Zeit Ln
Besitz der Burggrafen von Meißen aus dem »Zause des Grafen von Hartenstein, darauf fiel sie 1429
an die von Reuß - Plauen. In einer Fehde zwischen letzterer Familie und dem Rurfürsten Friedrich I.
von Gachsen wurde der Lrauenstein von den Rurfürstlichen erobert und der Burggrafliche Hauptmann
hingerichtet. Der Rurfürst gab die Burg nicht wieder heraus, sondern zwang den Burggrafen Heinrich,
sie ihm zu verkaufen. Im Iahre 147Z verpfandete Sachsen diese Besitzung an die Herren von Gchön-
berg für 9900 Gulden, in deren Handen dieselbe mit einer kurzen Uncerbrechung bis gegen Ende des
dreißigjahrigen Rrieges (1ö47) blieb. Die alte Burg selbst Lndefsen wurde bereics seit 151Z, da sie
unwohnlich geworden, von ihren Besitzern nicht mehr bewohnt. 15Z4 wurde sie zudem durch einen
gewaltigen Brand, der die Gcadt Frauenstein zerstörte, in Mitleidenschaft gezogen. Wenn nun auch an
den Werken einige Ausbefserungen vorgenommen wurden, so verfiel doch die Burg inehr und mehr,
und als Heinrich von Schönberg in der zweiten Halfte des 19. Iahrhundercs seinen VVohnsitz nach
Frauenstein verlegte, erbaute er sich ein neues Schloß unmittelbar unrerhalb des alten durch den Bau-
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