Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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Umergange zu retten uud auch dadurch der deutscheu Iugend den Sinu für die Geschichte der
engeren und weiteren deutschen Heimach und gleichzeitig die L^iebe zu dieser immer wieder eindringlich
nahezulegen.

v. S.

Vorrömische Wohnstätten
am Abhange der Marksburg bei Braubach.

Der N^ordabhang des Hügels, auf dem die Marksburg sich erhebr, zeigt, von der Burg aus gesehen, zunächst
zwei rerrastenförmig über einander liegende plateaus. Der Rand des zweiten ist etwa Sd m von der Burg entfernt. Don
da an fällt das Terrain gleichmäßig schroff bis zum Thale des Braubachs. Die Nordostseite des steilen Abhangs ist
mir Gebüsch bewachsen, dem Reste des ehemaligen „Gebücks". Es war im Mirrelalter cin undurchdringliches Gehege von
Dornen und niedrigem Gestrüpp, das den ohnehin schweren Zugang von dieser Seite aus unmöglich machre. Bis zum
Rande des genannren zweiten P>lateaus zieht sich vom Dhale aus nach der Burg zu ein Stück der Stadtmauer, das hier
abbricht. Die Fortseyung deffelben, die man als Fundamentrest unter dem Boden zu findcn hoffre, wurde in zwci Schnitten
unmittelbar ain plateaurande und 12 m weiter südlich gesucht, aber vergebcns. Dafür fanden sich in beiden Schnitten
die Spuren vorrömischer Hürren und außerordentlich zahlreiche Lulrurreste. In dem tieferen, nördlichen Graben rraten
zwei dünne Drockenmauern und zwei pfostenlöcher zu Dage in einem Abstande von 2,ZO m von Mitte zu Mirre.

Der 2 m rief unter Derrain liegende Boden der Hütte ließ an einer Stelle in dem rorh gebrannren Lehm, der
mit Asche bedeckt war, die Herdstätte erkennen. Außerdem zeigren viele zu Ziegel gebrannre Lehinstücke mit den Abdrücken
des ehemaligen Reisiggeflechtes, daß die wohnstätte durch Feuer zerstörr war. Es fand sich ferner auf dem Boden eine
Thonperle und die Hälfte einer kleinen schwarzen Dhonscheibe von 2 om Durchmeffer, die wohl gleichfalls zu einem
Halsschmuck gehörte.

Auffallend groß war die Zahl der Gefäßscherben; sie stammen von einer starrlichen Reihe von Gefäßen,
vom großen amphorenartigen wasserfasse an bis zum zierlich geformren Däßchen. Diele derselben sind verziert
und lassen durch die Art der Verzierung die Zeit, in der sie hergestellt wurdcn, erkennen. Es finden sich besonders häufig
mit einem mehrzinkigen Inftrumente eingeriyre Linien, die entweder den Bauch des Gefäßes fischgrätenförmig bedecken
oder unter dein Halse als in einander geschobene winkel auftreten. Bei einigen Scherben sind damit kleine Rreise ver-
bunden, die noch die Spuren weißer Thoneinlagen zeigen. Ein Stück eines schönen, mit braunem Ueberzug versehenen
Rruges zeigt auf der inneren Seite die Drehscheibenringe, auf der äußeren mit einem Sräbchen eingedrückte Furchen
und unter denselben die wellenlinien; beides ift auch in der frührömischen Reramik zu finden. Sämmtliche Gefäßreste
lassen sich der l.u-'köne- oder jüngeren Eisenperiode zutheilen, d. h. der Zeit von LO) vor bis auf Lhristi Geburr, und
stimmen überein mit den im Dhale von Braubach gefundenen Gefäßen derselben periode.

Auch der zweite Schnitt zeigte eine Feuerftelle und die gleichen Thonscherben; außerdem finden sich diese an
anderen Stellen beider plareaus, wo die Erde beim wegebau oder bei Baumpflanzungen angegraben wurde, und auch
vereinzelt neben den mittelalterlichen Scherben auf der Burg selbst. Es ift daher an^unehmen, daß die plareaus vor
derselben in vorrömischer Zeit mit Gebäuden vollständig beseyt waren. wahrscheinlich birgt auch der weinbergsdistrict
„Alteburg" neben der Marrinskapelle, wo Mauerreste gefunden sein sollen, Gebäude aus dieser Zeir. Interessant ist
noch, daß in der theilweise aufgedeckren Hütte auch mehrere Erzstücke gefunden wurden, wie sie in den Gräbern sich
sehr häufig, mehrfach bis zu 75 pfd., zeigten. Sie weisen wohl hin auf den von den Lelren bei Braubach berriebenen
Bergbau, auf den ich früher bereits hingewiesen habe. (Mittheilungen des Vereins für ^ass. Alrerthumskundc 1SO)/1S<)1,
Seire 12). Die wohnstätten am Burgberge liefern soinit einen neuen Beweis von der dichten Besiedelung Braubachs
durch die Bergbau treibenden celtischen Gallier.

Den schönen Fund verdanken wir der Aufmerksamkeit des Herrn Bürgermeifters Schulre in Braubach, der die
fremden Scherben beobachrete und sie dein gerade in Braubach weilenden Herrn Ministerialrath Soldan zeigre, der dann
sofort eine genauere Untersuchung vornahm und den Unterzeichneten-freundlichst benachrichtigte. Hoffentlich finden sich
Mittel und wege, die es gestarren, die Untersuchung dieser historischen Stelle weiter auszudehnen. Vielleicht ließe sich
auch auf den Resten einer Hütte eine wohnstätte der l.a-'kene-Zeit wieder aufrichten; sie würde, init den Fundstücken aus-
gestattet, einen weiteren Anziehungspunkt des Burgberges bieten.

Oberlahnftein. vr. Bodewig.
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