Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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der fröhlicheii Grimmung keiuen Abbruch, ebenso wenig wie die Nachricht, daß zu dem Ausfiuge
nach Reichenberg kein Gefahrt zu bekommen sei. Man machte sich zu Luß auf und mußte ge-
stehen, daß der Weg auf dem Louisenpfade über dem Hafselbachthal lohnend genug war. Die Be-
sichtigung von Schloß Reichenberg erfolgte wiederum uncer -Eeicung des Archirekten Ebhardt. DLe
wundervollen Ruinen erweckcen das lebhafteste Incerefse der Besucher, aber auch den Wunsch, daß es
sich ermöglichen lafse, das zum Theil außerordenclich gefahrdete, prachtige Bauwerk zu retten. Wie wir
hören, beabsichrigt man die Hülfe der Regierung anzurufen, da auch bloße Uncerhaltungsmaßregeln bei
dem Umfange der Ruinen über die Mittel eines Privacmannes hinausgehen.

Bei der Aückkehr zweigte sich ein Theil der Ausflügler in St. Goarshausen ab, um auf Ein-
ladung des -Landraths Berg defsen zu einem behaglichen und vornehm eingerichten Schloßsitze um-
gebaute Burg Ratz zu besichtigen. Als die Theilnehmer von diesem Abstecher am spaten Abend wieder
in Braubach anlangten, fanden sie noch eine große Gesellschaft vor, die Lhrer fröhlichen Rheinstimmung
Ln vielen Reden und -Liedern Ausdruck gab.

Selbst noch am Dienstag konncen sich manche Lestgenofsen von dem gastlichen Gtadtchen nicht crennen.

DLe Lestversammlung der Vereinigung bedeucet einen zweifellosen Erfolg Die Theilnahme
aller Rreise an der Veranstaltung, die vielen Beitrittserklarungen, die zahlreichen neu angeknüpften
Beziehungen, der ganze harmonische Verlauf des Festes bürgen dafür, daß es nicht das letzte gewesen
Lst, das die vereinigung auf ihrer stolzen Burg veranstalcet, daß sie vielmehr, gecragen von der Gpfer-
willigkeit ihrer Mitglieder und von der Gympathie der weitesten Rreise, gerade Ln solchen festlichen
veranstalmngen ein hervorragendes Mittel zur Förderung ihrer Bestrebungeic sters finden wird.

Die Vercheidigungsbamen der siebenbürgischen Gachsen.

Abb. s. Vertheidigungskirche in Bonnesdsrf.

n der Mitte des zwölften Iahrhundertö war es gewesen, daß der ungarische Rönig
Andreas II. den Entschluß faßce, das siebenbürgische Hochland durch Lolonisation zu
einem dauernden Besitzthume der Gtefanskrone zu machen. ^loch stand die Herrschafc
der Ungarn hier auf schwachen Lüßen; seit zweieinhalb Iahrhunderten Donau und Theiß-
ebene bevölkernd, hatte der magyarische Gtamm sich langsam nach Gsten vorgeschoben
und nur im Norden

GLebenbürgens fanden
sich zerstreute Siedelun-
gen seiner Edelinge;
ungestörtzogderwisent
zur Tranke am Alt-
strom, in undurchdring-
lichen Waldern hauste
Bar, Wolf und -Luchs
und auf grasigen Hoch-
ebenen mmmelten nor-
dische Horden, Ruma-
nen und Petschenegen
Lhre Rofse, nur zu
gern zu Raub- und
Mordzügen ins benach-
barte Ungarnreich be-
reit.

Dieses Land also
sollce eroberc und mit
den Werken friedlicher
Arbeit dem Aeiche er-
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