Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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II. Iahrgang

Nr. ö

im December 19OO.

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ZeitschrLfc für Burgenkunde und das ganze mittelalterliche
Befestigungswesen.

ÄrW» -er Zcrkinigung;ur LrMmg iikllWkk Vurgk».

Der Burgwarr erscheint monatlich einmal. — Bemgsxreis: 5 Mark jahrlich.

Mirglieder der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen erhalten den Burgwarr unentgeltlich frei ins Haus.

Nirchenburgen in Siebenbürgen.


eit ihrer Einwanderung ins ^ochland der Rarpathen haben die deutschen Anstedler
jahrhundercelang Lehden und Rriege zu bestehen gehabt. Walachen, Rumanen,
Mongolen und Türken hielten die Gachsen in fast ununterbrochener Waffenbereitschaft.
Und wenn die Landesfeinde ihnen kurze Ruhe gönnen mußten, sorgten beutegierige
und machtlüsterne Großfürsten und magyarische Adelige für blutigen Rampf.

Wenn keine anderen Belege vorlagen, unter welchen Anstrengungen die Sachsen Ln Sieben-
bürgen ihren Fortbestand und damit deutsche Lultur zu schirmen gezwungen waren, so könnte es keine
beredteren Zeugen dafür geben als die Unzahl Burgen. Es find keine Herrensttze mit breiter Grade
und hohem palas. Abgesehen von den ^ausern, die im zweiten Iahrzehnt des lZ. Iahrhundertö der
deutsche Ritterorden im Süden, im Burzenland, errichtete, haben Bürger und Bauern diese Burgen
erbaut. Schließlich war jeder Gachsenort in regelrechtem Vertheidigungszustand, die Gtadte wie die
Dörfer. Selbst dort, wo von der Veste auf naher Vergeshöhe die Gemeinde im Thal beschützt wurde,
steigerte diese ihre Wehrhaftigkeit durch besondere Befestigungen, durch Vertheidigungskirchen und durch
Rirchenburgen.

Die Dertheidigungskirche ist im sogenannten Alten Land, der nördlichen Halfte des Sachsenbodens,
zu ^ause. Es entwickelte stch allgemach ein eigener Styl; Thürme erhielten Umlaufe, die erhöhten
Lhormauern Wehrgange, an geeigneten Stellen wurden f>ech- und Gchießscharten angebracht, Lenster
wurden verkleinert oder gar ganz fortgelassen. Ia, im RLrchenschiff zu Rlosdorf befindet stch noch ein
Brunnen, und die Gotteshauser zu Baaßen und Schweischer stnd nichtö weiter als masstge Thürme.

Im Allgemeinen standen die vertheidigungskirchen in armeren oder weniger gefahrdeten Grten.
Sie stnd auch jüngeren Ursprungs wie die Rirchenburgen, deren vollendetste vertreter das Burzenland bei
Rronstadt tragt. Die Rirchenbprgen dürften sowohl Ln Baukunst wie in der Burgenkunde ein Lapitel
für stch bilden.

Unzweifelhaft waren bereits im lZ. Iahrhundert viele Rirchen mit Gchutzmauern versehen.
Von vornherein mag also wohl die Anlage eines derartigen Lastells schon bei und mit der Gründung
der ^liederlassung beschlossen gewesen zu sein. Ein ursachliches vorbild jedoch fehlt; man kann als
solches iinmerhin die germanischen Wagenburgen betrachten. DLe Umwallung der Wagenburg, in deren
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