Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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Eingefandt.

Sehr geehrre Redaction!

Nach ungenannrer Ouelle haben Sie in den leyten
vrummern des „Lurgwarts" (2und4) Mittheilungen über
das jeyt ausgegrabene „waldstädter Schlößchen" bei
Alingenmünster gebracht, ohne zu dem dabei behaupteten
merowingischen Ursprunge der alten Befestigung Stellung
zu nehmen. Getreu ineinem bisherigen Bestreben, unhalt-
baren und verwirrenden Behauptungen auf dein Gebiete
unserer Burgenkunde entgcgenzutreten, möchte ich nicht
unrerlajsen, auch hier zu constatiren, daß -solcher Ursprung
mehr als unwahrscheinlich ift.

wir wijsen nur, daß merowingische Große in alten
Römerstädten, wie Andernach, Loblenz, Mey, Straßburg,
residirten, und haben nicht den geringften beachtlichen
Anhalt, welcher uns gestattete, anzunehmen, daß sie außer-
halb derselben (neben hölzernen Meierhöfen) Steinburgen
und gar von der Art, wie dies „walastede" beschrieben
wird, neu aufgeführt hätten. Das Märchen, daß schon
Rönig Dagobert auf der dort nahen jetzigen Burg Landeck
residirt habe, kann einer widerlcgung nicht bedürfen.
wohl nur aus der Aehnlichkeit des Namens schließt man
sonst, daß das „waldftädter Schlößchen" Sitz des walaho,
um S<X> Grafen des worms- und Speyergaus, gewesen
sein möge. wenn jeyt (S. Zö) feststehen soll, daß der
„Donjon" der Burg schon „im 7. Iahrhundert bei einer
Belagerung eingestürzr" sei, so sinde ich an Beweisen für
dies noch um manches Iahrhundert höhere Alter der Veste
nur das Auffinden von „echt merowingischen Gefäßstücken"
angegeben.

Auch nach den „Runst- und Alterthumsdenkmalen im
Rönigreichwürttemberg" (ISS7, S. 45S) sind imInnern der
großen Batteriethürme von Hohenneuffen aufgefundene
„zahlreiche früh-alemannische Gcherben ein Leweis, daß die
Lhürme in alemannischer Zeit aufgerichtet wurden"; und
doch habe ich bewiesen — was später aus Archiven voll
bestätigt wurde — daß diese Bauten angeblich Dheodorichs
des Großen um cin Iahrtausend später von Herzog
Ulrich errichtet worden sind. Sollte man es den Scherben
von „walastede" in der Dhat ansehen können, daß sie
absolut nur aus merowingischer Zeit ftammen können, so
würde auch das immer nur beweisen, daß auf jenem

Nittheilungen des Vorstandes. (XO

Mitgliederverfeichnist.

Um das im Druck besindliche neue Mitgliederverzeichniß vollständig und richtig herstellen zu können, werden
alle Mitglieder gebeten, etwaige wohnungsveränderungen u. s. w. schleunigst dem Schriftführer der Vereinigung mit-
theilen zu wollen. Die Ausgabe des Derzeichniffes wird im Anfang December erfolgen.

Ausstellung von Alterchümern aus der Marksburg.

Die Ortsgruppe Braubach hat für die Ausschmückung der Marksburg eine Gammlung von Alterthümern ein-
geleitet, es ist durch die Opferfreude der Lraubacher Bürger auch bereits eine ganze Anzahl intereffanter Gegenftände,
wie alre waffen, Rrüge, Bücher und dergleichen, auf der Burg in einem besonderen Raume vereinigt worden, in dem
auch die Ergebnisse der Ausgrabungen aufgeftellt sind. Es ergeht an alle Mitglieder die Bitte, Gegenstände oder
litterarische werke, die auf die Geschichte des Mittclalters Bezug haben, für die Sammlung zu stiften oder dorthin zur
Ausstellung unter wahrung des Eigenthumsrechtes zu senden. Der Bürgermeister der Stadt Braubach, Herr
Schulte, ist bereit, jedem Einsender eine Urkunde über sein Besiyrecht auszuftellen.

Unsere Mitglieder und Leser werden gebeten, alle Daren und Abbildungen der Marksburg, welche irgend-
welche Bedeutung für die Baugeschichte haben könnten, sobald sie ihnen bekannt werden, dem Schriftführer der Ver-
einigung (Bodo Ebhard, Architekt, Grunewald bei Berlin) mitzutheilen, damit die Erneuerungspläne auf möglichft
breiter und sicherer Grundlage aufgestellt werden können.

Dorberge des „Heidenschuf" schon zu dieser Zeit sich
Menschen aufgehalten haben.

Die aufgefundenen Zinnendecksteine würden ja an sich
zunächst auf eine römische Lefeftigung schließen lassen,
die dann später, immerhin vielleicht schon zur Zeit des
walaho, umgebaur wurde. Um „eine der großartigsten
Befestigungen, die der deutsche Boden aus der mero-
wingischen Zeit aufzuweisen hat" (S. 15) kann es sich
schon deshalb nicht wohl handeln, weil mir auch von
anderen derartigen merowingischen Vesten bei uns durchaus
nichts bekannt ist.

Auf die mitgetheilten Einzelheiten mag hier nicht
weiter eingegangen werden. Hauptsächlich erregt mir
sonft der „wohnthurm" Bedenken mit seinem Durchmeffee
von nicht weniger als 5S m (vielleicht ein Druckfehler?)
und seinen schon unten ringsum befindlichen „Schieß-
scharten", vermuthlich den da bei unseren Burgbauten
gewöhnlichen Fensterschliyen.

Hochachtungsvollst

Otto Piper.

Die Reihe der für diesen winter von der Vereinigung
zur Erhaltung deutscher Burgen in der Urania zu Berlin
veranstalteten Lichrbilder-Vorträge eröffnete am
31. Ocrober der Herausgeber des „Burgwarts", L. Reoll-
mann, mit „Bildern von deutschen Burgen am Rhein".
Der Vortrag war von annähernd 2<X> Perssnen besuchr
und veranlaßre eine Anzahl Herren, alsbald der Ver-
einigung als neue Mitglieder beizutreten. Auch von
auswärts hatten Freunde unserer Sache bei dieser
Gelegenheit schriftlich ihre Sympathie kundgegeben.

Briefkasten.

S. ss. Der Tirel des in der vorigen Nummer an-
gekündigten werkes nach den Dilich'schen Zeichnungen
lautet: „Rheinische Burgen. Nach Handzeichnungen
Dilichs".

verantwortlicher Redakteur: L. Arollniann, halensce, Aronprinzendamm8l. — verlag : verlag für's Dcutsche haus sL. A. Rrollmann ^ Lo.), Berlin^V. 50, Schapcrstr. 5.

Druck: Hermann Feyl <L Lo., Berlin 8>V., Zriedrichstr. tb.
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