Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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ringmauer lehneri, durften sich die Belagerten sicher fühlen. In dem Zwinger-
hof zwischen den beiden Mauern war das Vieh der Landleute geborgen.
Brunnen sorgten für Wasser, Mühlen und Backstuben für ^Zrot. In den
Basteien und Thürmen lagerten die Waffenvorrathe. Derartige bedeucende
Befestigungswerke, die eine um ihre Epistenz kampfende Besatzung mit nieder-
deutscher Harmackigkeit zu halten hatte, fanden immer Gelegenheit, ihren Werth
zu erproben. Woiwoden und s)aschas und Großfürsten haben sich an den
Mauern der sachsischen Rirchencastelle blutige Röpfe und Niederlagen geholt.

Zwar hatten zu Ende des 15. Iahrhunderts die
Feuerwaffen Eingang bei den Gachsen gefunden und ihre
Wehrkraft vermehrt; die alten »Zaken, Bogen und Arm-
brüste wurden trotzdem noch beibehalten. Die Bewaffnung
^ wurde laut Rriegsordnung für die Gemeinden geregelt.
„Zum andern soll sich jedermann mit gucem Gewehr
versorgen als mit Büchsen, Schwerten, Bogen, Gtangen

Abb. 7. Rrrchenburg zu petersberg.

und Barenspieß und was dergleichen andere sind." „In

jedes Thor sollen aufs wenigste fünfzig gute und mannhafte
Manner, Ln jeden Thurm zehn beherzte Rampen verordnet werden. Die anderen Spatia sollen mit
genugsam starken gewappten Mannern besetzt werden." Zeichen, Feldgeschrei und verhaltungsbestim-
rnungen für „Weiber, Magde, Rinder und Rnaben, so zu Gewehr untüchtig sind", wurden ausgegeben.

Diesen, für ihre Seelenzahl so ungeheuren und kostspieligen Gchutzvorrichmngen haben die
Gachsen in vorderster Reihe ihre Erhaltung zu verdanken. Wahrend der vielen Iahrhunderte, in denen
die deutschen Bewohner Giebenbürgens ihre deutsche Lulmrarbeit zu bewachen hatten, waren die
Rirchencastelle in Wahrheic Burgen des Deutschthums. Gie stehen noch und grüßen noch auf deutsche
Männer und Frauen im Ungarland. Sie sind eine Rraftquelle nacionaler Begeisterung geworden.
Gchon das allein sollte sie uns lieb und werth machen.

Max Braunschweig.

von der Hohkömgsburg.

t großer Aufmerksamkeit hat der „Burgwart" und sein Leserkreis von Anbeginn an
die Lm Auftrage S. M. des Raisers vorgenommenen Arbeicerr auf der Hohkönigs-
burg verfolgt. Da diese Arbeiten — soweic es sich um Aufraumung des Schuttes
und Lreilegung der einzelnen Bautheile handelte — jetzt zu einem gewissen Abschlusse
gekommen sind, und der Anbruch der ungünstigen Iahreszeit die Einstellung weiterer
Arbeicen gebiecet, Lst die Zeit gekommen, einen Rückblick auf das bisher Geleistete und einen Ausblick
auf die zunachst erforderlichen Gchritte zu thun. Rurz entschlossen benutzte ich die letzten schönen
^ovembertage, um die Gachlage aus eigener Anschauung kennen zu lernen und mir an Mrt und
Gtelle ein Bild von den bisher geleisteten und, soweit dies möglich, von den zukünftigen Arbeicen zur
Wiederherstellung zu machen.

Außerordentlich eindrucksvoll ist der Anblick des Vurgberges ,der Hohkönigsburg für den
Wanderer, der von Schlettstadt aus auf vielgewundenem Wege, aber im Ganzen in gerader Richtung
auf dies Ziel lossteuert. Ueber einem Einschnitt im hohen Gebirge erhebt sich der gewaltige Regel
und tragt an der Gtirn die crotzigen Mauerreste der Burg gleich einem Diadem. Der Rampf des
schwachen Spatherbstsonnenscheines mit den wallenden, bald zurückweichenden, bald mit neuer Rraft
vorbrechenden ^Iebelwolken, gab dem Vilde eine prachtvolle Stimmung. Wird spacer einmal der
Bergfried neu emporragen und das Hochschloß ein scharfliniges Dach in die Lüfte recken, so wird
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