Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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II. Iahrgang

Nr. io

im Aprü 1901.

Der Burgwart erscheint msnatlich einmal. — Be^ngsxreis: 5 Mark jährlich.

Mitglieder der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen erhalten den Burgwart unentgeltlich frei ins Haus.

„walahstede".

von professor ve. L. Mehlis/'')

Mit vler Abbildungen.

ie vom verfafser im Auftrage der Röniglichen Akademie der WLssenschaften zu München
und des naturwLfsenschaftlichen Vereins der Rheinpfalz, der Pollichia, seit Mai I89P
geleiteten Ausgrabuilgsarveiten auf obiger, bisher nur von Vuchenwald umrauschten,
selten aber vom Menschenfuß beruhrten Burgruine der Rheinpfalz haben in weiten
Rreisen Beachtung gefunden.

Der Gelehrte ist entsetzt, daß wieder eine „neue" Burg und sogar eine „Merowingerpfalz"
entdeckt sein soll, und selbst bevor er diese noch gesehen hat, wüthet er gegen solchen „Schmarrn".

Der Pfalzer Bauer aber freut fich, daß seine alte Mar vom „guten Rönig" Dagobert, von
dessen ^.eldenthaten er sich seit langen Iahrhunderten erzahlt, doch noch zu ihrem Rechte kommt, denn
nur das Dagobertischloß, das lang gesuchte, kann die verschüttete Dornröschen - Burg sein, welche der
Gpaten aufgedeckt hat. —

Wollen wir sehen, wer von beiden s)arteien wirklich Lm Aechte ist.

Vorauszuschicken Lst, daß das „Gchlößel" nach M. Frey: „Beschreibung des Rheinkreises",
I. Theil, S. 188, als „Rastell, -Lager und Vorwerk der Römer" galt, und daß schon der Land-
commissar Perersen zu Landau Ln den vierziger Iahren einen Situationsplan der ganzen Anlage besaß.

August Becker, der bekannce Schriftsteller, ein geborener Rlingenmünsterer, harte noch kurz vor
seinem Tode den Verfasser brieflich gebeten, sich doch des Rathsels von Walahstede anzunehmen. Bei
den ersten Besichtigungen in den siebziger und achtziger Iahren fand ich ganz oben zwischen Mai
blumen noch ein ca. 1,60 m langes Thürgewande (vergl. unten) und im obersten Wehrgang zwischen Thurm
und Zingel noch mehrere starke Bogenquadern, die von einem festen Thoreingange herrührren. Sie
sind jetzt verschwunden. Als in Folge Auftrages der Röniglichen Akademie der Wiffenschaften zu München
iZerr Generalmajor Rarl Popp und der Verfasser am 26. Gccober 1899 die Anlage vermaßen, kamen wir
beide, jeder für sich, zu dem gemeinsamen Resultate, daß diese frankisch-merowingischen Ursprungs sein

*) Nach emem Oortraq, gehalten anf der 60. Iabresversammlung der Pollichia, zn Dürkbeim a. d. L>., am 23. Deeember ^yoo.
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