Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 2.1900-1901

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Em 75 m tiefer, in den Lels getriebener Brunnen erhöhte nc»ch die vertheidignngskrafc der Burg, die
eins der swlzesten Denkmäler deucscher Heldenzeit im fernen SLebenbürgen ist.

Anders wie in unserm Vacerlande, defsen ehrwürdige Zeugen stolzer Vergangenheit piecatlose
Zeicalter verfallen ließen, haben sich die sachsischen Rircherkastelle und Burgen wohlerhalten, da man
ihrer nur zu sehr bis in die jüngste Zeic hinein bedurfte. Doch der Zahn der Zeit, er nagt auch an
ihnen, und die festgefügten Mauern, die den Mongolen und den Gchaaren des Islam trotzten, sie gehen
dem verfall entgegen, da das Sachsenvolk im schwersten wirthschaftlichen wie politischem Rampfe für
sein völkisches Dasein nicht in der ^Cage ist, die Mittel zu ihrer Erhalcung aufzubringen.

Ist es da nichc eine Ehrenpflicht eines jeden Deucschen, dafür zu sorgen, daß jene Merkzeichen
vergangener großer Tage nicht rettungslos dem 1?erfalle anheimgegeben seien? Ich meine, gewiß und
ich hoffe, daß unfer verein, wenn auch Ln noch so geringem Umfange, jenem kleinen und doch so ruhm-
reichen Stamm unseres großen Volkes auch materiell seine Hülfe gewahren wird zur Erhaltung
deutscher Burgen! Or. A. Engelmann.

„walahstede".

l)on professor Or. L. Mehlis.
(Schluß.)

Von analogen Bauten im Rheinlande ist ferner zu nennen: Die Gberburg bei Rüdesheim,
wie sie Efsenwein (vergl. „Die romanische und die gothische Baukunst" S. 48, Lig. 14, G. 49)
reconstruirt hac (vergl. Grundriß). Auch hier sehen wir den Lentralbau des machtigen Donjons (a), auch
hier den Zingel (b), auch hier eine zweice ZLngelmauer (c), die unserem Außenwall 1—l^ entspricht, endlich
auch hier einen tiefen und breiten Außengraben (e), sodaß der Wohnchurm von einem dreifachen, an
der Gstseice von einem einfachen Gürtel von Befestigungswerken geschützt ist (cl — Erdwall, k^ Brücke).

„Diese Gberburg ist eine richtige
Mota", sagt Efsenwein G. 49.
Ihre Zeit setzt er in das lc>. Iahr-
hunderc.

HLerher gehören ferner,
was die concentrischen, die An-
griffsseite deckenden Graben und
Walle anbelangt, mehrere alte,
der karolingischen Zeit angehö-
rige Wallungen Lm Nordwesten
und Vlorden. Wir nennen die
„Römerschanze" bei pocsdam, die
L. Hölzermann in seinem Werke:

Abb. ;o. Die Oberburg bei Rüdesheim
nach Essenwein.

„Lokaluncersuchungen die Rriege
der Römer urrd Franken be-
treffend", G. IO4 beschrieben und
Tafel 4l abgebildet hat; hierher
ferner die Bumannsburg west-
lich von Hamm mit doppeltem
Wall und Graben und die WLtte-
kindsburg bei Rulle (vergl.
außer Hölzermann Schuchhardt:
„ Römisch - germanische Forschung
Ln Vlordwestdeutschland",S. 18 bis
29). Letztere hat starke Mauern
mit zwei Thürmen im Innern des

VLerecks. DLe östliche Angriffsseite decken zwei parallele Wälle mic vorliegendern Graben. DLe Einzel-
funde sind karolingischen Lharakcers (vergl. Gchuchhardt, G. 29); die Maße sind, unter Verweiidung
des römischen Fußes, wie bei Walahstede, festgestellt worden.

-Leugnen läßt sich zwar nicht, daß trotz der mühevollen Arbeit des Spatens am Niederrhein
und am Mittelrhein noch manche Zweifel im Rreise der Fachgelehrten über die rechce Nacur dieser
von Viollet-le-Duc als ,Motae" angesprochenen vorromanischen Burgen rnit Wohnthurm und
mancher Wallburge n nach römischem Mustcr (vergl. Schuchhardt a. G., an verschiedenen Stellen seines
Dorcrages, besonders S. 17—ZO) beftehen und beftehen werden. Allein auch hierfür wird mit der Zeit
die forcgefttzte Vergleichung der Grundrisse und die Leftfttzung der älteften Bodenfunde eine
definitive -Lösung herbeiführen. Vorläufig gilt aber für Walahftede und verwandte Er-
scheinungen (vergl. Mehlis: „Snrdien zur älteften Geschichte der Rheinlande" XIV. Abth.) das, was
kein Geringerer als Iakob Burckhardt in seinem Werke „Griechische Rulcurgeschichte", III. Bd., G. ö
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