Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,1.1917

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Aus den Feldbriefen eines deutschen Knaben

Auch eine Stimme zur Kriegsanleihe
enn ich diese kleinen Auszüge aus den Briefen eines deutschen
^/D^Zeugen, eines der Iüngsten draußen im Felde, in die ich zu-
fällig einen Einblick tun durfte, durch den Kunstwart der öffentlich-
keit übergebe, so genüge ich damit der alten Chronistenpflicht, die das
Ungewöhnliche festzuhalten sucht. Denn ungewöhnlich sind diese schlichten
Sätze, die ein junger Deutscher fast ein Knabe noch an seine Lieben richtet.

Der Schreiber ist einer der Iüngsten, die nun unter den Fahnen
stehen und die draußen in wenigen Tagen mehr erfahren haben als wir
Alten fast alle in einem langen und trotz aller Seltsamkeiten beschau-
lichen Leben. Amd wenn wir, die daheim sind, auch nach den drei un°
endlichen Iahren dieses Kriegs genugsam von seinem Wesen zu wissen
glauben, so tut es uns doch gut, einmal wieder einer Stimme zu lau-
schen, die ganz dem Ursprung des Gefühls selber entquillt, die einmal
wieder aus der Kindhaftigkeit des Lrlebens zu uns spricht. Die haben
wir ja längst hinter uns gelassen, seit der Krieg uns zu einer Gewohn-
heit geworden ist. Lassen wir denn auf einen Augenblick unsere an-
gelernten Borstellungen und seien wir jungfühlend mit einem Iungen!

L. M.

vorher sah ich einen Menschen, der vom Tode gequält wurde.
I^Ietzt ist dieses Bild mein täglicher Spiegel, in dem ich das Ent-
setzen meiner Seele suche. And doch finde ich es immer weniger
darin. Immer stiller schlagen die Nöte meines Herzens: bald werde ich
wie einer der Bäche sein, der ungeheures Bluten in sich ertränkt hat.


2. Oktoberheft ,9,7 (XXXI, 2)
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