Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,1.1917

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Aber freilich: gerade religiöse Naturen sind empfindlich gegen sinn-
widrige, abergläubische Auswüchse, wie sie im ungebildeten Volke leicht
vorkommen; sie schleudern was Zorniges oder Spöttisches hin, die zu-
ständige Kirche fühlt sich getroffen, und der Zank ist fertig. Oder es gibt
was Kirchenpolitisches anzugreifen, um so die Dinge mit Weltlichem zu
vermengen — man sollte es lassen. Es schadet mehr als es nützt.

Nur möglichst vom Weltlichen los! Das Weltliche macht enge und eigen-
nützig. Das Reich Gottes ist groß, das hat viele Provinzen, in jeder herrschen
je nach Volksart andere Einrichtungen, deren keine von der Nachbars-
provinz angefochten wird. Äber dem Ganzen ruhe der Friede.

Wie sehr in solchem Frieden das deutsche Herz erstarken kann — man
sieht es. PeterRosegger

D

Lutherworte

ie Wohnungen des Lebens sind viel weiter denn die Wohnungen
des Todes.

^Hie ernährt die Mutter ihr Kind? Erst gibt sie ihm Milch, dann Brei,
^^dann Eier und weiche Speise, bis sich das Kind an härtere Speise
gewöhnt und allmählich Käse und Brot essen kann. So sollen wir auch
mit unsern schwachen Brüdern umgehn, sie nicht greulich anschuauzen,
sondern freundlich behandeln und sanftmütig unterweisen, so daß wir
nicht allein in den Himmel zu fahren denken, sondern sieh zu, daß du deinen
Bruder mitbringst.

Hs>>an zieht das junge Volk also, daß sich ein Maidlein schämt, Gott zu
^^bitten um einen Knaben, und ein Knabe um ein Maidlein, meinen,
es sei ein närrisch Ding, Gott darum zu bitten, sie müssen selbst hinein-
plumpen. Daher kommt es auch, daß die Ehe so selten wohl geht. Sollt
nicht ein Maidlein also gelehrt werden mit allem Ernst, daß es hinträte
vor Gott und spräche mit aller Zuversicht: «Siehe, lieber Gott, ich bin nun
zu meinen Iahren gekommen, daß ich ehelich werden mag; sei du mein
Vater und laß mich dein Kind sein; gib mir einen frommen Knaben und
hilf mir mit Gnaden zum ehelichen Stand oder so dir's gefällt, gib mir
einen Geist, keusch zu bleiben." Also sollt auch ein Knabe um ein Maid-
lein bitten und alle seine Dinge nicht selbst anfangen, sondern Gott darum
bitten, daß er's anfange und den ersten Stein lege.

^v^emer lieben Hausfrau Katherin Lutherin, Doctorin, Selbstmärtyrin
^^zu Wittenberg, meiner gnädigen Frau zu Händen und Füßen.

Gnade und Friede im tzerrn. Lies Du, liebe Käthe, den Iohannes
und den kleinen Katechismus, davon Du zu dem Mal sagtest: Es ist doch
alles in dem Buch von mir gesagt. Denn Du willst sorgen für Deinen
Gott, gerade als wäre er nicht allmächtig, der da könnte zehn Doctor
Martinus schaffen, wo der einige alte ersöffe in der Saale oder im Ofen-
loch oder auf Wolfs Vogelherd. Laß mich in Frieden mit Deiner Sorge,
ich habe einen bessern Sorger, denn Du und alle Engel sind. Der liegt
in der Krippe und hängt an einer Iungfrau Zitzen; aber sitzt gleichwohl
zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters. Darum sei in Frieden.
Amen.

>Lnade und Friede in Christo, mein liebes Söhnchen. Ich sehe gern, daß
>2/ Du wohl lernst und fleißig betest. Tue also, mein Söhnchen, und fahre
fort; wenn ich heim komme, so will ich Dir einen schönen Iahrmarkt mit-
bringen. — Ich weiß einen hübschen, lustigen Garten, da gehen viel Kin-
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