Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,1.1917

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das kürzeste fassen zu wollen oder
unsVollmacht zum „Zusammendrängen"
zu geben. Daß aus der Not womöglich
cine Tugcnd werde, will die Abteilung
„Glossen zur Zeit" helfen, indem sie
ihren Stil der Kürze ausznbilden sucht.
Der Ranmcrsparnis halber führen wir
für die Rundschau auch einen klei-
neren Satz ein. Wenn er zunächst
noch nicht einheitlich durchgcführt ist,
so wollcn unsre Leser auch darin eine
Kriegsmaßregel, eine Folge dcs Man-
gels an Arbeitskräften schen. All das

wird sich einrichten, und was bleibt,
wird nicht schlechter sein, als was vor-
her war.

Luther über die Deutschen

s ist keine verachtetere Nation,
denn die Deutschen. Italiäner hei-
ßen uns Bestien; Frankreich und Eng-
land spotten unser, und alle anderen
Länder. Wer weiß, was Gott will und
wird aus den Deutschen machen; wie-
wohl wir eine gute Staupe vor Gott
wol verdient haben.

Unsre Bilder und Noten

^ ^ nsre heutigen Bilder sind, wie das ganze Heft, auf die Totentage
1 I gestimmt, die ja in beiden christlichen Kirchen in den November fallen.
^^Wenn ein Leser in Ernst Kreidolfs „Fahrt des Trauermantels"
nur etwas wie eine Spielerei sähe, und meinte: das gehöre doch mehr in
eins seiner berühmten Kinderbücher, als vor ein Totenheft des Kunst-
warts — ich dürfte mich nicht darüber wundern. Auch Phantasie braucht
Pflege, wenn sie gedeihen soll, und heute noch wie über Iahrzehnte hin
ist gerade die Phantasie das Aschenbrödel in unserm Haus. Wie man
Klinger für „literarisch" erklärt, weil man das lebendige Quellen seiner
Gebilde nicht in sich selber sich nachgestalten fühlt und also als ein Fremdes
empfindet, so sieht mancher vielleicht bei solchem Kreidolfschen Blatte nur
ein Zusammensetzen, ein Kombinieren von Schmetterlingstücken, und sieht
es also als etwas Gemachtes. Merkt man erst, daß „Stimmung" darin ist,
so kommt man auf den Weg. Es ist Traum darin. Der hat alle
Schlüssel im Seelenhaus und holt aus dunkelsten Kammern mit Gerümpel
und altem Kinderzeug, wie aus den lichten Sälen mit Natur- und Kunst-
sammlung und Bücherei heraus, was er mag, neu Hereingetragenes wie
Vergessenes und Verstaubtes, führt es zusammen und haucht darauf. Dann
regt sich's und ruft aus der Seele Wunderlaute, während Verstand, „der
proportionierte Mann", „spricht: das mag ich nicht, denn das sieht wie
ein Gedicht". Wer unser Bild genießen kann wie einen schönen Traum,
der wird an Weh und Wehmut und Schönheitstrost aus einer innigen
Künstlerseele mancherlei leise tönen hören, was niemals laut sprechen kann.

Bokelmanns Studie nur als ein Beispiel dafür, wie bescheiden die
Phantasie ist, wenn ihr ein Künstler den Weg zeigt. Wie wenig ist da zu
sehn, und doch macht sie, die Phantasie, ein ganzes realistisches Bild daraus!

Auch Kopfleiste und Schlußstück dieses Heftes erinnern an zwei jüngst
Gestorbene. Sie sind beide aus dem Gedichtband „Aus meiner Waldecke"
von Karl Ernst Knodt entnommen, der bei Geibel in Altenburg erschienen
ist. Knodt, der „Waldpfarrer", ist leider nun auch nicht mehr. Und der
Zeichner der schönen Blätter war sein Freund Gustav Kampmann.
^»m die Feier der Einäscherung künstlerisch zu bereichern und zu ver-
^tiefen, schrieb Friedrich Gernsheim auf Anregung von Fritz
Engel, der den Text verfaßte, einen Einäscherungsgesang, der sich unter
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