Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,1.1917

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Lutherworte

Das ewig schaffende Wort

^^nd hüt dich, wcnn du diese Worte hörest „Und Gott sprach", daß du
I 8 ja nicht denkest, als sind es vergängliche Worte, wie wir Menschen
^^sprechen, sondern wisse, daß es ein ewig Wort sei, das von
Ewigkeit gesprochen ist und immer gesprochen wird. So wenig als Gottes
Wesen aufhört, so wenig hört auch das Sprechen auf, ohne abgesehen
davon) daß zeitlich die Kreaturen durch dasselbige haben angefangen. Aber
er spricht noch immerdar und gehet ohn Anterlaß im Schwange, denn kein
Kreatur vermag ihr Wesen von sich selbst zu haben. Drum solang ein
Kreatur währet, so lang währet das Wort auch, so lang die Erde trägt
oder vermag zu tragen, so gehet immer das Sprechen ohn Aufhören.

Gott

/«tott ist nicht ein solch ausgereckt, lang, breit, dick, hoch, tief Wesen,
^sondern ein übernatürlich, unerforschlich Wesen, das zugleich in einem
jeglichen Körnlein ganz und gar, und dennoch in allen und über allen
und außer allen Kreaturen sei. Drum bedarf's keines Umzäumens hie,
wie der Geist träumet, denn ein Leib ist der Gottheit viel viel zu weit,
und könnten viel tausend Gottheit drinnen sein. Wiederum auch viel
zu enge, daß nicht eine Gottheit drinnen sein kann. Nichts ist so klein,
Gott ist noch kleiner. Nichts ist so groß, Gott ist noch größer. Nnd so
fortan ist's ein unaussprechlich Wesen über und außer allem, das man
nennen oder denken kann.

Ewigkeit

^vas ist aber auch ein hoher Umstand, daß vor der Zeit keine Zeit ge--
^west und doch Gott gewesen ist. Drum ist göttlich und ewiges Ding
viel ein ander Ding, denn jetzund dies Leben ist, welches immer gehet
von Tag zu Nacht. Drum wenn man daran hänget, kann man nicht
denken, was Ewigkeit ist. Für Gott ist der Anfang der Welt ja so
nahe als das Ende, tausend Iahr als ein Tag, und Adam, der am
ersten geschaffen ist, als der letzte Mensch, der da wird geboren werden.
Denn er siehet die Zeit also an, wie der Menschen Augen zwei Ding,
die weit voneinander sind, in einem Augenblick zusainmenbringt.

Gott und Natur

SMcnn wir dahin kämen und ließen's gehen, wie es Gott gemacht hal,
so ging es recht. Als, da Adam und Eva im Paradies waren, da
war kein selbst erdacht menschlich Werk, sondern ging alles, wie es
Gott gepflanzet und die Natur gegeben hatte. Das waren auch die aller-

t- Novemberheft idt? (XXXI, r)

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