Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,1.1917

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der innen, haben gnldene Röcklein an und lesen schöne Apfel unter den
Bäumen und Birnen, Kirschen, Spillinge und Pflaumen, singen, springen
und sind fröhlich, haben auch schöne kleine Pferdlein mit güldenen Zäu--
men und silbernen Sätteln. Da fragte ich den Mann, des der Garten ist:
was die Kinder wären. Da sprach er: „Es sind die Kinder, die gerne
beten, lernen und fromm sind." Da sprach ich: „Lieber Mann, ich hab
auch einen Sohn, heißt Hänschen Luther; möcht er nicht auch in den Garten
kommen, daß er auch solche schöne Äpfel und Birnen essen möchte und solche
feine Pferdlein reiten, und mit diesen Kindern spielen?'^ Da sprach der
Mann: „Wenn er gern betet, lernet und fromm ift, so soll er auch in den
Garten kommen. Lippius und Iost auch, und wenn sie alle zusammen
kommen, so werden sie auch Pfeifen, Pauken, Lauten und allerlei Saiten-
spiel haben, auch tanzen und mit kleinen Armbrüsten schießen/ Und er
zeigte mir dort eine feine Wiese im Garten, zum Tanzen zugerichtet; da
hingen eitel güldene Pfeifen, Pauken und silberne Armbrüste. Aber es
war noch frühe, daß die Kinder noch nicht gegessen hatten; darum konnte
ich des Tanzens nicht erharren und fprach zu dem Manne: „Ach, lieber
Herr, ich will flugs hingehen und das alles meinem lieben Söhnlein Häns-
chen flugs schreiben, daß er fleißig bete und wohl lerne und fromm sei,
auf daß er auch in diesen Garten komme; aber er hat eine Muhme Lene,
die muß er mitbringen." Da sprach der Mann: „Es soll so sein, gehe hin
und schreib ihm also." Darum, liebes Söhnlein Hänschen, lerne und bete
ja getrost, und sage es Lippius und Iosten auch, daß sie auch lernen und
beten, so werdet Ihr miteinander in den Garten kommen. Hiermit bis dem
Allmächtigen befohlen, und grüße Muhme Lenen und gib ihr einen Kuß
von meinetwegen. Anno s550. Dein lieber Vater Martinus Luther.
Hvch, wie herzlich sehnte ich mich nach den Meinen, da ich zu Schmal-
-"^kalden totkrank lag! Ich meinte, ich würde Weib und Kinderlein hier
nicht mehr sehen. Wie weh tat mir solche Sonderung und Scheidung.
Nun glaube ich wohl, daß in sterbenden Leuten solche natürliche Neigung
und Liebe, so ein Ehemann zu seinem Eheweibe und die Lltern zu den
Kindern haben, am größten sei. Weil ich aber nun wieder gesund ge-
worden bin von Gottes Gnaden, so habe ich mein Weib und Kinderlein
desto lieber. Keiner ist so geistlich, der solche angeborne natürliche Neigung
und Liebe nicht sühlt; denn es ist ein großes Ding um das Bündnis und
die Gemeinschaft zwischen Mann und Weib."

g?>a seine Tochter noch sehr krank lag, sprach er, Doctor Martinus: „Ich
^habe sie sehr lieb; aber lieber Gott, da es dein Wille ist, daß du sie
dahin nehmen willst, so will ich sie gerne bei dir wissen." And da sie also
im Bette lag, sprach er zu ihr: „Magdalenchen, mein Töchterlein, du
bliebest gerne hier bei deinem Vater, und ziehest auch gerne zu jenem
Vater!" Sprach sie: „Ia, herzer Vater, wie Gott will!" Da sagte der
Vater: „Du liebes Töchterlein, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist
schwach!" Nnd wandte sich herum und sprach: „Ich habe sie ja sehr lieb;
ist das Fleisch so stark, was wird denn der Geist sein?" Da nun Magda-
lenchen in Zügen lag und jetzt sterben wollte, fiel der Vater vor dem Bett
auf seine Kniee, weinte bitterlich und betete, daß sie Gott wolle erlösen. Da
verschied sie und entschlief in Vaters Händen. Die Mutter aber war auch
wohl in derselben Kammer, doch weiter vom Bette um der Traurigkeit
willen. Das geschah ein wenig nach neun Ahr am Mittwoch des s?. Sonn-
tags.

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