Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,1.1917

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vielfältigung von Weltis Gemälden betrachten will. Komint er, trotz des
Krieges, nach der Schweiz, so versäume er nach dem Welti-Saal im
Züricher Museum ja nicht den Ständehaussaal im Berner Bundespalast
zu besuchen. Seine Längswand gegenüber der Fensterreihe ist durch ein
fünfteiliges Bild Weltis ausgefüllt, das in seiner tzeimats-Innerlichkeit
unter den vaterländischen Wandgemälden nicht nur der Schweiz, sondern
wahrscheinlich der Lrde kaum seinesgleichen hat. Hier, wo der Ständerat
tagt, blicken die Mitglieder dieses schweizerischen „Oberhauses" zwischen
Pfeilern hindurch auf eine Landgemeinde, wie sie früher in der Eid-
genossenschast überall war und in einigen Kantonen noch ist. Die Land-
schaft erinnert an das Sarner Land, der ummauerte Tagungsplatz selbsr
an Stans. Der Landammann zwischen den Regierungsräten, die Waibel
zum Stimmzählen beim „Handmehr" auf ihrem erhöhten Platz, vorn stolz
der Hornbläser, der die Zeichen gibt, draußen die Frauen, die plaudern
und warten, die Maidli, die brav, und die Buben, die schlimm sind, das
Land grünt zu Dorf und Kirchlein hin, und die Schneeberge der Heimat
heben die Gedanken vom Kleinen hinauf ins Ewige. Nichts von Phrase,
nichts von Pose, nichts von irgendwelchem falschen Auftrumpfen, nichts
ist in diesem Bilde hohl. Es ist auch nichts von Allegorie darin, es ist
alles Symbol und zugleich Natur. Das Werk steht da, als wär's aus dem
Grunde heraufgewachsen.

Vor unser Heft setzen wir ein Selbstbildnis Weltis, einen Aus-
schnitt aus seinem Familienbild.

Einer Abrede mit dem Verstorbenen gemäß hat der Kunstwart diese
Schöpfung als fünfteiliges farbiges Bild auf grauem Karton in der
Kartongröße von 98:53 om (die einzelnen Bilder je (5:32^2 om groß)
herausgegeben. Hängt man's in die schweizerischen Schulen, so handelt
man damit am meisten im Sinne dessen, der es seinem Volke gab. Es ist
jetzt zum Preise von iO Mark zu beziehen. Noch mit Weltis Nnterstützung
haben wir auch eine Mappe über das Ständehaus-Bild vorbereitet, die
auch Studien usw. mitgeben soll. Sie und eine weitere Welti-Mappe
kann aber erst nach dem Frieden kommen^ und dann auch noch nicht gleich.
gx^ie Notenbeilage, welche dieses Heft enthält, war schon als Beigabe zu
^ Heft H beabsichtigt, traf aber infolge der Kriegsverhältnisse nicht recht-
zeitig hier ein und mußte deshalb das letzte Mal fortbleiben. Der Begleit-
text zu den beiden Kompositionen steht auf den Seiten (39 und (-(0 des
letzten Heftes, wo wir ihn nachzulesen bitten.

Herausgeberr vr. b. c. Ferdinand Avcnarius in Dresden-Blascwitz; verantwortlich: der
Herausgeber. Mitleitende: Artur Bonus, Or. P. Th- Hoffmann und Wolfgang Schumann —
In österreich-Ungarn für Hcrausgabe u. Schriftleitung verantwortlich: Or.Richard Batka in Wicn Xlll/b —
Scndungen für denTcrtohne Angabe eines Perfonennamens an die „Kunstwart-Leitung" in
Dresden-Blafewitz — Manuskripte nur nach vorheriger Dereinbarung, widrigcnfalls
keine Perantwortung übcrnommen werden kann — Derlag von Gcorg D. W. Lallwey — Druck von
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