Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,3.1918

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Ietzt

ich diese Zeilen schreibe, sind die ersten Nachrichten von den Ent»
(-^^scheidungskämpfen da. Der große Durchbruch gelang, aber wer weiß»
^-^ob er der einzige bleibt, und wer weiß, was ihm folgt? Vielleicht
kommt alles im Westen in Fluß. Zwei-- bis dreihundert Divisionen,
schätzt man, sechs, acht oder zehn Millionen Männer ringen dann auf,
unter, über der Erde in Kämpsen von solcher Grausigkeit, daß die ent--
setzten Gesichte der Apokalypse daneben gleich Bildern erscheinen, wie sie
ein Knabe nach seinen Kriegspielen aufs Papier tuscht. Ietzt geschieht es.
In diesem Augenblick brüllen vielleicht wieder zu Tausenden erzene Nn<-
geheuer erderbebendes Vernichten über mißhandeltes Land und strömen
darüber von beiden Seiten her mit allen Gieren die Giftflammen der Hölle.
Und die das entzündeten, wollten das, und die es ertragen, wollen
das ertragen. Wir wollen es, weil wir erkannt haben, daß es nur durch
den Kampf zum Frieden geht.

Irrten wir uns darin? Wir Deutschen prüfen uns nochmals. Wie
haben die Westlichen unsre Friedensangebote verspottet und verhöhnt!
Ein geduldigeres Redenlassen, Zureden, Warten, Ertragen als bei den
ersten Verhandlungen in Brest hat es doch wohl auf keinem Friedens--
kongresse gegeben. Erst als alles umsonst war, erzwangen wir einen
Frieden, weil wir nur so unser Staatswesen wenigstens vor unmittel--
barer Bedrohung sichern konnten. Ilnd wieder gute Reden nach Westen
hin: wollt ihr verhandeln, wir sind bereit. Nein, wir sind am neuen
Kampf schuldlos.

Es ist Geschehen ohnegleichen, das sich jetzt begibt. Aus den letzten
Iahren auch vor dem Kriege schon wissen wir als Miterlebende, wie es
sich vorbereitete. Dort stürzte ein, was felsenfest schien, dort schoß ein
heißer Quell herauf, dort hob sich's als Lavastrom, dort schleuderte es
schon Glut, aber noch unheimlicher war: überall hörtest du Sickern und
Rollen, Knirschen und Grollen im Grund. Im Kriege dann türmte aus
allen heißen Massen der Tiefe der ungeheure Vulkan sich selber hinauf.
Mit von Iahrtausenden gesammelten Kräften. Niemals, seit die Erde
steht, brachen sie so ans Licht, wie jetzt. Die Kampfkraft der Mensch--

2. Aprilhest ,S1« (XXXI,

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