Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,3.1918

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heraus, sondern das natürliche Sich-Lrledigen seiner Erfolge wird durch die
Kapitalkraft des May-Verlags aufgehalten. Seine Bücher sind als so glän-
zendes Mittel zum Geldverdienen erkannt, daß eine weite May-Propaganda
ihren Einfluß immer noch zu verbreiten sncht. Die Geschäftsreklame verlangt,
daß man Mah als einen herrlichen Edelmenschen hinstellt. Dem entgegenzuwir-
ken, ist ein großes berechtigtes Interesse; abermals, es ist die Pflicht der Kultur-
arbeiter, welche die Sachlage kennen. Und da Unreife und Menschen mit
schlechter ästhetischer Bildung nicht wie unsereiner beim Lesen das Unechte
selber fühlen, mit dem ihre seelische Nahrung da gefälscht wird, so bleibt
nichts übrig, als die Anfgabe „and e r s h e r u m" zu versuchen. Das aber
heißt, als öffentlich zu sagen: seht, so war der Mensch, der sich euch da
als einen Edelmenschen vorspielt und von dessen Schwindel ihr euch betrügen
laßt. Wer so denkt, dem muß das „Aber Tote uur Gutes" zu ciner höchst
nebensächlichen Forderung gegenüber einer sittlichen Aufgabe weit höherer
Ordnung werden.

Mir scheint es im höchsten Maße an der Zeit, der Mahschen Schundliteratur
mit den allerrücksichtslosesten Mitteln entgegenzutreten gerade, weil ihr Haupt-
erfolg aus der Verschleierung ihres Wesens kommt. Die Drohungen des
Karl May-Verlags sollten davon am wenigsten abhalten. A

Neue Geöichte von Zriöolin Hofer*

Säen

'U^eiliges besxritzt, mit Lauge Ltzenö,

srech öer Lrechling. Ninrmer doch bcgab sich's,
-atz -ich ehrfurchtslos ein Sxötter höbnte,
o du menschheitaltes Zruchtrvort: Säen!

. Alte Brücke

-^^er Gassen rvogend Rauschen surrt
^^gedämxft um öeine Pfähle.

Du schleichst abseits von Lurt zu Lurt,
als ob der Lärm dich quäle.

Iung rvar dic Stadt und jung der Dom,
als bu mit festen Tritten
znm ersterr LNal den grünen Strom
verrvegen überschritten.

Der Dom rvard alt: die Stadt ging weit
schon längst nach allen winden,
und du ragst morsch in diese Zeit,
kannst kaum zurecht dich finden.

Nach einem Lllsrgen glückerhcllt
ziehn dcirre jungen Schrvestern,

Du wankst verträumt wie aus der welt,
dein Tag bas Linst, das Gestern.

w

waldschlaf

ic voller Mond auch in die wixfel fließe
und zwischen Stämmen ungcstalt

taghellc Strähnen Lichtes gieße:
der Sommcrwald steht ganz in Schlafs Gewalt.
So ticf ist fcines Schlummers Trunkenheit,
dast cr den Bach im Grund, der ruhlos raufcht,

* Aus dem Gedichtbande „Drrheim", der bei Lugen Ljaag in Luzern er-
schieyen ist.
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