Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,3.1918

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befassen. Dies zur Antwort auf die Zu--
schriften infolge eines Aufsatzes unsers
alten Freundes und Mitarbeiters Karl
Erdmann, der in den „Preuß. Iahr-
büchern" erschien und an einigen Stel-
len als gegen uns gerichtet mißverstan-
den wurde.

Der„Verzweifl«ngskrieg"alsErneuerer
Ein langer Friede bringt nicht nur
»^Entnervung hervor, sondern er läßt
das Entstehen einer Menge jämmer-
licher, angstvoller Notexistenzen zu,
Welche ohne ihn nicht entständen und
sich dann doch mit lautem Geschrei
um »Recht« irgendwie an das Dasein
klammern, den wahren Kräften den
Platz vorwegnehmen und die Luft ver-
dicken, im ganzen auch das Geblüt der
Nation verunedeln. Der Krieg bringt
wieder die wahren Kräfte zu Ehren. Iene
Notexistenzen bringt er wenigstens viel-
leicht zum Schweigen. Sodann hat der
Krieg, welcher so viel als Unterordnung
alles Lebens und Besitzes unter einen
momentanen Zweck ist, eine enorme sitt-
liche Superiorität über den bloßen ge-
waltsamen Egoismus des einzelnen: er
entwickelt die Kräfte im Dienst eines
Allgemeinen, und zwar des höchsten
Allgemeinen und innerhalb einer Diszi-
plin, welche zugleich die höchste heroischc
Zugend sich entfalten läßt; ja er allein
gewährt den Menschen den großartigen
Anblick der allgemeinen Unterordnung
unter ein Allgemeines. Und da ferner

nur wirkliche Macht cinen längeren
Frieden und Sicherheit garantieren
kann, der Krieg aber die wirkliche
Macht konstatiert, so liegt in einem sol-
chen Krieg der künftige Friede.

Nur müßte es womöglich ein gerech-
ter und ehrenvoller Krieg sein, etwa
ein Verteidigungskrieg, welcher die
Kräfte der Hellenen in allen Richtun-
gen glorreich entwickelte, oder wie der
der Holländer gegen Spanien. Ferner
ein wirklicher Krieg um das gesamte
Dasein" . . . Die Kriege des vorigen
Iahrhunderts sind für Burckhardt
„zwar wohl Teile einer großen allge-
meinen Krisis, aber einzeln für sich
ohne die Bedeutung und Wirkung
echter Krisen; das bürgerliche Leben
bleibt dabei in seinem Geleise, und
gerade die jämmerlichen Notexistenzen
bleiben alle am Leben; diese Kriege
hinterlassen aber enorme Schulden,
d. h. sie sparen die Hauptkrisis für
die Zukunft zusammen. Auch ihre kurze
Dauer nimmt ihnen den Wert als Kri-
sen; die vollen Kräfte der Vcrzweiflung
werden nicht angespannt, bleiben daher
auch nicht siegreich auf dem Schlacht-
felde stehen; und doch könnte nur
durch sie die wahre Erneue-
rung des Lcbens erfolgen,
d. h. die versöhnende Abschasfung des
Alten durch ein wirklich lebendiges
Neues."

Iakob Burckhardtsin den „Welt-
geschichtlichen Betrachtungen")

Unsre Bilder

F^^as köstliche Frauenbildnis von Ferdinand Hodler, das wir in
ILiefdruck diesem Heste vorsetzen, haben wir mit Genehmigung des Ver-
lags von R. Piper L Eo. in München nach dessen großem Hodlerwerk« ver-
vielfältigt, das es empfehlen soll und wohl glänzend empfiehlt. Auf den
beiden Seiten des letzten Blattes sind noch als Illustrationen zu den Aus-
führungen des Textes diejenigen zwei Bilder von Hodler nochmals wieder-
gegeben, mit welchen wir jSZg für ihn cintraten. An Btlderbeilagen hat unser
Blatt ja noch manche andre nach Hodlers Kunst gebracht. Die letzten waren
die doppelseitigs Wiedergabe des Ienaer Aniversitätsbildes (Kw. XXII, (8)
und die drei Blätter „Blühender Kirschbaum", „Mädchen im Kahn", „Der
Niesen" (Kw. XXVII, (6 und (8).

Die Kopfleiste ist von Fritz Philipp Schmidt, nach einer Zeichnung
für Avenarius' „Hausbuch deutscher Lhrik".

tzrraNLg«b«r: Q«. b. «. F«rd. Avtnsrius In Dresden-Blasewitz: verantwortkich! der KeranSgeber —
vertag »on Georg D, W. Lallvey, Druck von Kaftner L Lallwey, k. tzosbuchdruckerei tn München -
A« Literreich-Lngarn iür tzerooüaab« nndSchrittleitung verantworrlich> l>r, Rtchard Batk« t» Mten VII!
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