Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,3.1918

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vor dcm Kriege. Wie richtig hat er gesehen, der prophetische Geist des
Dichters!

Der Krieg brach an. Das Frankreich, das wir Deutsche noch mit dem alten
Maß der >680 er und >890 er Iahre gemessen hatten, verschwand, sowie die
Russen in ihrer Ländergier den Krieg entfachten. Die Ideologen, wie der
Sozialist Iaures einer war, Leute, die Frankreich vom Kriege fernhalten
wollten, den sie schon damals als von England angezettelt erkannten, wurden
ermordet oder beiseite geschoben. Es ware gut, Iaures' Reden wieder zu ver-
öffentlichen, in denen er vor der Kriegshetze gegen Deutschland, vor dem
Bündnis mit England warnte. Wir alle hatten nicht geglaubt, datz der
Kriegsgeist in Frankreich wicder so tiefe Wurzeln geschlagen habe, daß er so
lange ausharren werde, daß er sich mit der Lüge so tief verschwistern werde.

Mir scheint das Buch Rollands für die Erklärung des Kriegsausbruches
mindestens ebenso wichtig, wie die verschiedenen Noten der Staatsmänner. Ge-
schrieben von einem Franzosen von hohem geistigen Wert, einem Manne
voll tiefster Wahrheitsliebe, gibt es ein Zeugnis dafür, daß die Franzosen den
Krieg wollten, mit der ganzen politischen Leidenschaftlichkeit ihres Volkes.
Die Politiker, die dieses führten, schätzt Rolland sehr gering ein; sie waren
die Vollstrecker des Volkswillens, nicht Führer, sondern Geführte. Und mit
dem Kampf der Waffen setzte das zweite Kampfmittel ein, das Rolland so
klar erkannte, nämlich die Lüge; die Lüge nicht so sehr gegen andere, sondern
gegen sich selbst, die Unwahrhaftigkeit gegen die eigenen Bestrebungen, jdie
doppelt laut sich breit machten, als der Kampf den tausendfach im voraus
gefeierten Sieg nicht brachte.

Und wenn Rolland dainals in Deutschland gelebt hätte, als der Kricg
drohte, so würde er sicher erkannt haben, daß das deutsche Volk ihn nicht
wollte, nicht an ihn dachte, außer in Furcht vor den sich um uns zusammen-
ziehenden Wolken. Freilich gab es auch bei uns Klarsehende, die das Unheil
heranschreiten sahen und zur Vorbereitung des Verteidigungskampfes mahnten.
Aber die meisten hielten sie für Schwarzseher und blieben bei ihrer Arbeit mit
jenem deutfchen Arbeitseifer, dessen Wert Rolland in seinem Helden Christoph
mit so warmen Worten zu schildern versteht, wie denn auch sein Held dem
lärmenden Kriegsgeschrei der Pariser nur das Lächeln des allen kriegerischen
Gedanken Fernstehenden entgegensetzt. Cornelius Gurlitt

Letztmals: Geld und Freigeld

Mit den folgenden Zeilen Otto Corbachs schließen wir vorläufig die
Aussprache über diese Frage:

^^er Freigeld-Freiland-Bund macht sich im ersten Februarheft des Kunst-
Zwarts seine Entgegnung auf meine Aufsätze über das Geld zu leicht, in-
dem er mir Behauptungen zuschreibt, die ich nicht aufgestellt habe. Es
ist mir nicht eingefallen, die Gesellsche Freigeldlehre in Bausch und Bogen
zu verurteilen, noch viel weniger, die kapitalistische Wirtschaftsform gegen sie
in Schutz zu nehmen. Als Torheit und Fetischismus erscheint mir nur, daß
Gesell die Macht der Geldbesitzer über die Warenbesitzer ganz auf die Eigen-
schaften des Goldes als Geldstoff zurückführt. Weil alle eigentlichen Waren mit
wenigen Ausnahmen verhältnismäßig raschem Verderben ausgesetzt seien, wohne
ihnen ein Angebotszwang inne, der dem Golde infolge seiner Unverwüstlichkeit
fehle. Nach meiner Auffassung läßt sich die Macht, die die Besitzer jedes Geldes,
dessen Menge zu dem jeweiligen Vorrat an Edelmetallen in einem gesetzlich
festgelegten, bestimmten Verhältnis steht, ganz einfach dadurch erklären, daß
der Geldstoff in diesem Falle «in Monopolgut darstellt, das, wie jedes Mono»
polgut, wonach eine starke Nachfrage besteht, den Inhabern die Macht ver-
leiht, sich die Träger der unbefriedigten Nachfrage tributpflichtig zu machen.
Diese Anschauung erklärt zweierlei: erstens, daß das Monopol des herkömm-
lichen Geldes durch eine Popierwährung gebrochen werden kann; zweitens,

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