Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Page: 32
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eZe 5 t 2 epi 8 copvrum Con-
8tLntien8ium etc., II. Bd., 4. Lie
ferung. 1351—1361, S. 237—320
(Ulk. Nr. 5045—5662), bearbeitet vei
Alex. Carte llieri, Innsbruck, Ver
lag der Wagnerschen Uiliversitätsbuch
Handlung, 1901.
Nach über vierjähriger, durch den Uebertritt
Carteliieri's in die akademische Laufbahn veran-
laßter Pause erscheint die Fortsetzung des im
„D.-A." von 1898, S. 12 schon besprochenen
großen Regestenwerkes. In der Herstellung der
4., den früheren Heften ebenbürtigen Lieferung
wurde C. durch die Herren V,-. Alb. Eggers
und Karl Rieder unterstützt. Mö'ge das Werk
nun rüstig vorwärts schreiten und wo möglich
in den bewährten Händen des bisherigen Red.
Earteltieri bleiben!
Hofele, Or., E., Prälat, Original
beschreibung des obersckwäbischen Kreuz-
berges bei Ummendors rc., mit
11 hübschen Licktdrnckbildern, darunter
einer alten Abbildung des Psarrhoses
ans dem 17. Jahrhundert, 112 S., im
Selbstverlag des Vers., M. 1.—.
Knapp, Theod., Der Bauer im heutigen
Württemberg nach seinen Rechtsverhält-
nissen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert
(der „w. NeujahrSblätter" n. Folge,
7. Bl.), Stuttgart, Verlag von D. Gun-
dert, 1902, 104 S., kart. M. 1.—.
Dieses hübsche, in der Art von Peetz, Buck
gearbeitete Büchlein, über ein nicht allzuoft be-
handeltes Thema, verbindet in glücklicher Weise
populäre gemeinverständliche Schreibweise mit
völliger Wissenschaftlichkeit. In den 7 Kapiteln:
Der Bauer und der Kaiser; der B. und Landes-
herr; der B. und Gerichtsherr; der B. und die
Dorfgemeinde; der B. und der Zehntherr; der
B. und der Grundherr; und der B. und Leib-
herr, dieser zwar gedrängt — vielleicht etwas zu
knapp — gehaltenen, aber inhaltsreichen, lesens-
und anschaffungswerten Studie wird gezeigt, wie
der Bauer, „der Granit der menschlichen Gesell-
schaft", sich endlich i. I. 1848 zur Freiheit,
zum „Staatsbürger", herausgerungen hat. Leider
entspricht die Kehrseite dieser modernen Frei-
heit gar nicht dem wahren Wesen der letzteren!
Vielmehr ist der schwäbische Bauer heutzutage
zu einem großen Teile abhängiger denn je, viel-
fach in den Händen der Güterschlächter, „Hos-
metzger" und Juden und in den Unterpfa nds-
büchern eingeschrieben; die schwäbischen Aecker
sind nicht selten wahre „Hypothekenäcker". Im
Jahre 1897 betrugen die Pfandschulden für die
Bauern Württembergs gegen 300 Millionen M.,
wozu noch ca. 150 Millionen unversicherter j
Schulden kommen dürften, so daß die Belastung
von Grund und Boden in Württemberg an-
nähernd 450 Millionen mit einer Verzinsung l
durchschnittlich von 5 °/o, mindestens aber von '

4 Os °/v betrügt (eine genaue regelmäßig fort-
gesetzte Statistik über das Pfandschuldenwesen
wäre sehr vonnöten)! Wie soll nun eine solche
Zinsung ausgebracht werden können, wo die
Landwirtschaft, nicht zum wenigsten infolge der
hohen Dienstbotenlöhne, allergünstigstenfalls zu
3 Os "/<> rentiert?! So erlebt man seit Jahren
das traurige, herzbrechende Schauspiel, daß so
manches Bäuerlein zu Grunde geht, quasi zum
Heloten und schließlich mit Weib und Kind
„landslüchtig" wird, zur Stadt zieht und Fabrik-
arbeiter und dazu meist Sozialdemokrat — und
zwar nicht der geringsten einer — wird!
Aber auch sonst treibt der wirtschaftliche und
gewerbliche „Fortschritt" manche bedenkliche
Blüten bezw. Auswüchse — von dein allgemeinen
Niedergang des Bauern- und Landlebens und
dessen Verflachung gar nicht zu reden! Man
sehe sich z. B. nur den ganz in die Mode ge-
kommenen, mit dem Eingehen vieler Kleinbrau-
betriebe Hand iu Hand gehenden Aufkauf von
Zwangswirtschaften durch die Großbrauereien
an, um die darauf gesetzten „Zapfenwirte" ver-
tragsmäßig zu binden, das Edelbier der je-
weilig,!! Großbrauerei als Wirtschaftseigen-
tümerin an den Mann zu bringen. Da —
waren doch die alten, in Oberschwaben seiner-
zeit sehr zahlreichen, seit dem Jahre 1848 abge-
lösten, vom Verfasser auf S. 29 kurz erwähnten
B i er b a nn r e ch t e, die alten „Bannbraue-
reien", wo man den braunen Gerstensaft noch
nach der natürlichen alten (nicht künstlichen) Art,
ohne Eismaschinen, Alkohol und andere Zu-
thaten, unter gehöriger Lagerung gebraut, ebenso
zur Sommerzeit ein frisches, jetzt ganz abge-
kommenes Weißbier gut und billig trank, goldig
gegen diese „sehr vermehrte, aber überaus ver-
schlechterte Neuauflage des Bierbanns". Wir
stehen gar nicht an, unserer Ansicht dahin Aus-
druck zu geben, daß gegenüber solchem „Fort-
schritt" im wirtschaftlichen Leben manchmal etwas
Rückschritt, so z. B. in der Lebensmittelsrage die
Rückkehr zur alten Bier-, Fleisch- und
Brotschau (aber nur staatlichen, nicht gemeind-
lichen) angezeigt wäre.
Schließlich wird gegenüber von mehrfachen
Zuschriften die Erklärung wiederholt, daß nur
solche Bücher rc. im „D.-A." zur Anzeige
bezw. Besprechung gelangen, welche
der Redaktion desselben zu gehen.
Bei diesem Anlasse werden diejenigen histori- -
schen Vereine bezw. Zeitschriften, welche mit dem
„D.-A." im Tauschverkehr stehen und von wel- .
chen eine Reihe noch im Rückstände ist, dringend I
gebeten, ihre Tauschsendungen baldgesälligst an
die im Eingang des „D.-A." oben angegebene
Adresse direkt — und nicht durch den Buch- I
Handel, da das „D.-A." ebenfalls direkt sen-
det — zu machen. Auch muß um Uebersendung '
sämtlicher Jahresveröffentlichungen, und nicht ,
wie leider von einigen Seiten geschieht, bloß I
eines Teiles derselben nochmals ersucht
werden. k. Lecll. ;
--U
Dieser Nummer ist eiu Prospekt beigelegt, )
betr. „Ant i q u ität e n - Z eit u n g".

«Ltuttgart, Buchdrücke! ei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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