Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 20.1902

Seite: 77
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Jesuiter in Ingolstadt habe sie, noch ledig, be-
kehren wollen; als er aber ihre Standhaftigkeit
gesehen, habe er gesprochen: sie thue recht, daß
sie standhaftig bleibe in ihrem Glauben. 3. Die
Komburgischen haben doch ihren Mann gelassen
in seinein Glauben, warum nicht sie auch? Hätte
sie es gewußt, wäre sie nicht hereingekommen.
„Eß seindt viel Catholische zn Hall, man be-
zwingt Sie auch nit, warumb dan wir sollen be-
zwungen werden. Entlich: Ist schon etlich 50 Jahr
alt, will im Glauben verpleiben. Sintemahlen
ich mich in meinem Glauben gut erfinde und
verhoffe, darin selig zu werden. Den wer glaubt
und getauftt würdt, der würdt selig".
6. Ursula die Hirtin ist noch 'U Jahr im
Dienst hier, „hernaher macht eß helfen, vor dem
Dorff draußen, wo wollt ich mich ernehren; ich
verpleib also, wie ich geboren." Dann folgt
„Aeller einhellige Außsag:
1. Ich schilt oder veracht den katholischen
Glauben nicht.
2. Wir haben eine Kleine Zeit zu leben; worumb
sollen dan wir abfallen von unserm Glauben.
3. wie ich geboren, also bleib ich."
Mit Rücksicht auf n. 2: „Was Gott ihr ein-
gibt. Also Hab ich Sie Alle sambt sreuntlich er-
mahnt, Gott anzuruffen, vmb sein' gnadt, weil
der hl. glaub ein sonderliche gnadt gottes ist,
damit sie erleuchtet werden. Danenhero Ihnen
künfftigen Montag zur sernern Andtworttung
determiniert."
Eine andere Handschrift fügte hinzu:
„Wiederum vorgehabt: Sie haben sambt und
sonders erklärt, daß Sie bei Jrer lutherischen
religion verpleiben wollen".
Noch vom Jahre 1682 haben wir
eine Notiz in religiöser Beziehung: Fried-
rich Karl Herzog zu Württem-
berg hält (27. April 1682) dem Ritter-
stift vor, daß es nach Absterben von
„Evangelischer Religion beygethaner Gelt-
Leuthen . . . deren Wittiben und Kinder
zur römisch-kathol. Religion zwingen oder
gantz auf unbilliche Weis davon verstosßeu".
Als Antwort ist angemerkt: „sie haben
niemand getrnngen od. gezwungen". (Archiv
Combnrg. Dep. des Innern; Psarr- und
Kirchensachen.) (Erstem re§io, illirm et
religio. Herzog Christoph war streng
darauf bedacht, jeden Einfluß einer andern
Glaubensrichtung vom Lande sernzuhalten.
Streng war man gegen Zwinglianer,
Täufer und Schwenckfeldianer, wie gegen
Katholiken. Bessert in „Wnrtt. Vierlel-
jahrsheften", 1898, S. 142.)

Mlmische Porträtmaler deF
Jahrhunderts.
> Von Max Bach.
Ulm besaß im 18. Jahrhundert, ent-
sprechend seiner Bedeutung als Reichs-

stadt, eine ansehnliche Zahl guler Porträt-
maler, deren Namen gewöhnlich in den
allgemeinen Künstlerlexiken fehlen oder
nur ganz oberflächlich behandelt sind.
Anläßlich der Ausstellung von Ulmen-
sien, welche der Verfasser in Gemeinschaft
mit Hauptmann a. D. F. Geiger im
Jahr 1878 im ehemaligen Nenbronner-
schen Haus veranstaltet hat, kamen erst-
mals eine größere Anzahl Familienbilder
aus dieser Zeit zur öffentlichen Kenntnis,
welche nicht verfehlten, das Interesse für
diese größtenteils vergessenen Maler
wieder zu beleben und ihr Andenken auf-
znfrischen.
Es kommen hauptsächlich folgende Namen
in Betracht: Tobias Laub, L. N. Kl e e-
manu, G. Fr. Pfandzelt, Karl
Schneider und Andreas Schneck.
Der älteste und bedeutendste ist Tobias
Laub aus Augsburg 1685—1761. Der-
selbe hielt sich wahrscheinlich nur vorüber-
gehend in Ulm auf, malte aber dort eine
Reihe von Porträts, besonders aus den
Kreisen des Patriziats. Ich nenne das
Porträt der Regina Magdalena von Bal-
diger, TVet. 25, gemalt im Jahr 1718, jetzt
im Besitz des Hauptmanns Geiger in
Neu-Ulm.
Nagler berichtet über den Meister, daß
er unter F. Fischer in Augsburg gebildet
worden sei und auch in Schwarzkunst ge-
arbeitet habe, später aber erblindet sei.
Man hat von ihm das Porträt des
Markus Christoph v. Besserer, welcher
am II.Febr. 1738 auf dem Ulmer Rat-
haus seinen Kollegen Harsdörfer er-
schossen hat. Eben diesen Bürgermeister
Albrecht Harsdörfer, geb. 28. Dez. 1687,
hat auch Laub im Jahr 1714 gemalt,
das Bild fand Hauptmauu Geiger infolge
der Recherchen für die Ausstellung bei
einem Antiquar; es ist mit dem Namen
des Künstlers, des Dargestellten und den
angegebenen Daten bezeichnet.
Georg Friedrich Pfandzelt,
Porträtmaler in Ulm. Von ihm, berichtet
Weyermann, sei ein Bildnis Luthers in
der Kirche zu Albeck, welches der Ulmische
Buchdrucker Ehr. Ulrich Wagner stiftete.
Von seinen Porträten nenne ich das der
Anna Margarete Wagenhnber, geb. Hoch-
eisen, gemalt 1748 (Ulm Privatbesitz).
Dessen Sohn war ohne Zweifel der rus-
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