Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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K, 6. Osthaus' muscum „FolkTOang*-ßagen i, W.

Herr Karl Ernst Osthaus hat in seiner
Heimat-Stadt Hagen i. W. ein Museum
ins Leben gerufen, welches in mehr als einer
Hinsicht merkwürdig ist. Zunächst zeigt
diese hochherzige Gründung an sich, dass
man sich in den sozial bevorzugten Kreisen
der edlen und ernsten Pflichten bewusst zu
werden beginnt, welche die kulturelle Zukunft
unseres Vaterlandes diesen gebieterisch auf-
erlegt, und dass es nun auch bei uns Männer
gibt, welche selbst grosse Opfer nicht scheuen,
um der Kunst die ihr zukommende, frucht-
bringende Machtstellung erringen zu helfen.
Allein damit sind die seltenen Verdienste des
Herrn Osthaus nicht erschöpft. Er hat auch
aus der inneren Einrichtung seines Museums
selbst ein Kunstwerk gemacht, indem er sie
in die Hände van de Veldes legte. Die
umfangreiche Veröffentlichung, welche die

■»Innen - Dekoration«- (herausgegeben von
Alexander Koch—Darmstadt, Oktober und
November 1902) hierüber brachte, hat den
hohen Wert dieser vorbildlichen Schöpfung
genugsam erkennen lassen, wie auch, dass
der Besitzer und Leiter des Museums in
seinen Erwerbungen mit feinstem Geschmacke
verfährt. — Allein Herr Osthaus wollte nicht
nur organisieren und sammeln, er wollte auch
produktiv eingreifen. Ein erster Versuch
auf diesem Wege ist die gleichfalls von
H. van de Velde entworfene Wohnungs-Aus-
stattung für einen Stabsarzt in Kiel, welche
grossen Teils von den beim Bau des Folk-
wang-Museums beschäftigt gewesenen Hand-
werkern ausgeführt wurde. Osthaus ging
einerseits von der sehr richtigen Erwägung
aus, dass es schade wäre, wenn diese Hand-
werker keine Gelegenheit fänden, das zu

PROFESSOR H. VAN DE VELDE—WEIMAR. Salon-Ecke für Dr. F.—Kiel.

AUSGEFÜHRT DURCH VERMITTELUNG DES FOLKWANG-MUSEUMS VON SCHEIDEMANTEL—WEIMAR.
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