Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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Vom Herbst-Salon zu Paris 1903. - Otto Modersohn — Worpswede.

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eines symbolischen Monumentes der Mensch-
heit. Man muss die schmerzliche Schönheit
dieser Menge bewundern, die ohne Unterlass
die Kugel des menschlichen Bagnos nach
sich zieht, während dort unten in weiter
ferne eine Muse gegen die Sterne gerichtet,
das melancholische Lied von der unablässigen
Mühsal der Welt singt. — »Der Kuss«
von Gatinsky ist von einer schmerzlichen
Stimmung erfüllt und zeigt eine sehr straffe,
einheitliche Linienführung. Er ist ein Werk
von sehr viel Haltung
und Karakter. — In
der Reihe der Ge-
brauchs- Gegenstände
lst Pierre Rockes
* Mönch« zu nennen.
Er ist in der Tat
ein kunstgewerbliches
Modell, nämlich eine
Wärm-Flasche. Der
Kopf lässt sich ab-
schrauben , um mit
heissem Wasser ge-
fällt zu werden und
dann lässt sich diese
glatte runde Bronze-
Elasche leicht ins Bett
schieben. — Um mit
unseren Illustrationen
zu schliessen, muss
lch noch der mit
viel Geschmack ent-
worfenen Einbände
von Rene Kieffer ge-
denken, sowie eines
Speise - Zimmers für
ein Landhaus, mit
erfinderischem Ge-
schmack von Raguel
entworfen. —

Y. RAMBOSSON-PARIS.

£

DERICHTIGXTNG. Bei
den Tapeten-Entwürfen
'"'f Seite 203 des Dezember-
Heftes wolle man oben rechts
"nstatt Hanna Hesse: Helene
■Alberls—Altona setzen und
Unten links anstatt M. Traut-
We'n: Hanna Hesse-Königs-
b,

DIE REDAKTION. GATINSKY—PARIS.

Otto modersofm—Worpswede.

Modersohn gehört jener kleinen Gruppe
von Malern an, die sich in dem
niedersächsischen Moor-Dorf Worpswede am
Weyerberg, unweit Bremen, niedergelassen
haben, um ihre Talente aus der ruhigen und
innigen Vertiefung in eine an intimen Schön-
heiten reiche Natur sich entfalten zu lassen.
Diese Maler sind: Fritz Mackensen, der
Grüblerische; Fritz Overbeck, der Wuch-
tige; Hans am Ende,
der Klare; Karl
Vinnen, der Farben-
reiche; H. Vogeler,
der Poet; Otto Moder-
sohn , der Träumer
in der Landschaft. —
Modersohn ist ein
Empfindungs-Mensch
durch und durch, und
jeder Eindruck in der
Landschaft wird ihm
mit fast schmerzlicher
Verschärfung offen-
bar. Ihm gestaltet
sich jede Stimmung
zum Erlebnis. Er ist
lediglich Landschaf-
ter, denn was er an
Figürlichem in seine
Bilder hineinsetzt, will
selten mehr bedeuten
als ein Accentuieren,
ein erhöhtes Beseelen
der landschaftlichen
Töne. In letzter Zeit
nimmt das Figürliche
freilich immer mehr
bei ihm zu. Beson-
ders märchenhafte Ge-
stalten tauchen immer
zahlreicher in seinen
Tafeln auf: er ist seit
Jahren mit H. Vogeler
nahe befreundet. Wir
sehen die gold-
haarige Wald-Frau in
schimmerndem Kleide
Marmor-Gruppe: »Der Ä'uss*. mit kleinen Hutzel-
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