Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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2oo Professor Kornhas—Karlsruhe,

— »Götter-Not« von H. Luns.

NICOLA PERSCHEID—LEIPZIG. Bildnis. Fotografie.

PROFESSOR KORNHAS, der bekannte
Karlsruher Keramiker und verdiente
Lehrer seines Faches an der dortigen Kunst-
gewerbe - Schule hat neuerdings in Ver-
bindung mit der Porzellan-Fabrik Wein-
garten bei Karlsruhe auch Versuche auf
dem Gebiete des Porzellanes unter Glasur
angestellt, deren in vieler Beziehung wohl
gelungenen ersten Ergebnisse wir hier vor-
führen. Sie sind das Resultat unermüdlicher
technischer und künstlerischer Experimente,
bei denen Prof. Kornhas von dem Besitzer
der Weingartener Fabrik, Herrn Wolfinger,
in weitgehendem Maße unterstützt wurde.
Es handelt sich sowohl um Gebrauchs- wie
um Luxus-Porzellan. Namentlich verdienen
die schmucken Tafel-Service hervorgehoben
zu werden. Das eine derselben zeigt ein
blaues Dekor unter Glasur, das andere grau-
blaues Dekor auf Glasur. Unter den mehr

als Luxus-Gegenstände zu betrachtenden Ge-
fässen sind besonders Vasen mit Dekoration
unter Glasur, meist mit erhabener Zeichnung,
einige in Sgrafitto-Technik, in geschlossenen
Glasuren mit Überfang etc., beachtenswert
darunter eine Vase mit Kinderfries in Relief.
Interessant sind auch einige Versuche in
Krystall - Glasuren. Die Arbeiten waren
zum ersten mal diesen Sommer auf der
Industrie- und Gewerbe - Ausstellung zu
Durlach zu sehen und fanden auch in
technischer Beziehung vielen Beifall. Es
fehlt auch bei den neuen Arbeiten von
Kornhas nicht an Nippes-Gegenständen,
Steinzeug, geflammten und gelüsterten
Glasuren und auch ein hübscher Wand-
Brunnen ist aus seiner Werkstätte hervor-
gegangen. Hoffen wir, dass diese mit so
viel Eifer und Geschick unternommenen Ver-
suche mit dazu beitragen werden, die Er-
zeugung von Kunst-Porzellan in Baden auf
eine ebenso hohe Stufe der künstlerischen
und technisch-industriellen Entwickelung zu
heben, wie es bei der Ton-Industrie bereits
der Fall ist. Es ist gerade auf diesem Ge-
biete noch viel zu tun und eine grosse Nach-
frage, was einem Eindringen moderner Kunst
in das tägliche Leben des Volkes, auch der
Minder-Bemittelten, nur förderlich sein kann,
ft

GÖTTER-NOT von Huib Luns Brüssel.
Das auf Seite 184 reproduzierte Bild
»Die Regenbogen-Brücke« ist das Mittel-
stück eines dreiteiligen Gemäldes, welches
die ganze »Rheingold-Mythe« nach ihrer
musikalischen Bearbeitung durch Richard
Wagner synthetisch-malerisch darstellen soll,
Dieses Mittelstück hat für sich allein eine
Grösse von 4 : 2,60 m und vergegenwärtigt
den majestätischen Einzug der Götter in
Walhall. — Das ganze ist jedoch keine Text-
Illustration; der Maler ist der musikalischen
Entwickelung nicht wie einem Leitfaden ge-
folgt, sondern er hat eine Zusammenfassung
der wichtigsten Elemente des »Rheingold«
in der Art einer »Götter-Apotheose« ange-
strebt. So sehen wir denn in der Mitte den
Götter-König Wotan mit dem Speere und
seinen beiden Raben wie er, von Zuversicht
erfüllt, Fricka auffordert, mit ihm in die Burg
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