Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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Octave Maus:

MME HELENE DE RUDDER—BRÜSSEL.

Dekorative Stickerei: »Der Wintert..

Der dreijährliche Salon in Brüssel,

VON OCTAVE MAUS—BRÜSSEL.

Wie man weiss, ist in Belgien dank der
Initiative eines Van de Velde, Horta
und Serrurier die Emanzipation - Bewegung
entstanden, welche die Künste unserer Zeit
von dem Einfluss der Vergangenheit be-
freite. Und trotzdem eine eigenartige Tat-
sache, es ist dies das erstemal, dass die
industriellen Erzeugnisse der Kunst offiziell
zur Konkurrenz zugelassen wurden zugleich
mit der Malerei, der Skulptur, der Radierung,
der Architektur bei der Zusammensetzung
des »dreijährlichen Salons der schönen
Künste«. Die gepriesenen Ausstellungen
hatten im Gefolge der freien Ästhetik den
Weg gebahnt, und hier haben wir endlich das
anerkannte Prinzip der Gleichheit der Künste.
Die Künste der Industrie und der Dekoration
bilden eine der Sektionen des Salons, wel-
chem sie ein Leben und ein Interesse brachten,
das er sehr nötig hatte. Man hatte sehr viel
Hoffnung auf die neue Organisation gesetzt,

die ausschliesslich den Künstlern anvertraut
war, welche sie dringlich forderten. Aber
ach! Das Resultat war weit davon entfernt,
den Erwartungen des Publikums und dem
Vertrauen der Regierung zu entsprechen.
Noch kein Salon verursachte mehr Ein-
spruch-Kritiken, Reklamationen und Unzu-
friedenheiten. Die Verwirrung war so gross,
dass eine gute Anzahl der Künstler ihre
Bilder weiss oder schwarz — je nach der
Vorliebe ihrer Schule —■ überstrichen, um sie
nicht der Beurteilung des Publikums zu unter-
breiten, seufzend unter den mangelhaften Be-
dingungen, die man ihnen aufnötigte. Andere
verkündeten durch die Presse ihren Unmut,
verlangten die Herausgabe ihrer Werke —
was die Bedingungen untersagten — bedroh-
ten die Kommission mit Prozessen etc. Es
war während der ersten Wochen ein Lärm,
welcher wenigstens den Vorteil hatte, dem
Salon eine bis dahin unerhörte Publizität zu
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