Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 13.1903-1904

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Kostüm-Skizzen von Emma von Sichart.

EMMA VON SICHART, eine
junge Künstlerin in Würzburg,
hat, wie eine Serie von Abbildungen
auf diesen Seiten zeigt, sich mit Erfolg
auf dem Gebiet des Kostüm-Entwurfes
versucht. Natürlich zeichnet auch sie
nur »Reform-Kostüme«. Aber sie be-
müht sich doch — und ein feiner,
liebenswürdiger Geschmack kommt ihr
dabei zu Hilfe — dem »Reform-Kleide«
seine Härte und aufdringliche Anmuts-
losigkeit zu nehmen und es dafür ge-
fälliger, eleganter auszugestalten. Ein
sehr lobenswertes Beginnen! Nicht
alle Künstler, die sich mit Kostüm-
Verbesserung befassen, sind darin ihre
Gesinnungs - Genossen. Es gibt unter
ihnen nicht wenige, die geradezu etwas
darin suchen, den weiblichen Körper
durch steife, nüchterne, ungraziöse Ein-
hüllung vollständig reizlos zu machen.
Die »Reform« soll aber doch nicht
bloss eine hygienische sein, sondern
ebensowohl auch eine ästhetische ; und
sie wird sich niemals gegen den
Pariser oder Wiener Chic zu behaupten
wissen, wenn sie nicht auch eine höhere
Gefälligkeit der Kleidung erzielt! —

&

Emma von Sichart ist darin auf dem
rechten Wege; und wenn ihre Arbeiten
auch noch nicht durchweg von Eigenart
Zeugnis ablegen — bei einzelnen sind
ja die Vorbilder auf den ersten Blick
zu erkennen — so ist doch das Be-
streben und das Talent dazu vorhanden.
Deshalb werden auch ihre hübschen
Skizzen und Studien manche freudig
willkommen geheissene Anregung zum
»Eigenkleide« geben können. Was die
Einzelheiten der Ausführung betrifft,
so mögen bezgl. der Stoffe und Farben
hier noch einige Erläuterungen Raum
finden, welche die Künstlerin selbst
ihren Studien beifügte. Das Abend-
Kleid Nr. i ist aus hell-apfelgrünem
Tuch mit weissem Crepe - Chemisette
und rosa-crepe Unter-Ärmel gedacht,
die Ornamentik aus weissem Taffet-
Band mit eingedruckter Rosen-Guir-
lande. Soll es mehr als Strassen-Kleid
Verwendung finden, so empfiehlt es
sich, dunkelblaues Tuch zu verwenden
mit Battist-Ärmel und -Chemisette und
weissem Band mit blauen Tupfen. —
Der reizende Mantel Nr. 2 dürfte am
besten in hellgrauem Tuch auszuführen

ABEND-KLEID AUS TUCH,

sein, mit dunkelgrauer Seide aufgelegt und
schwarz gesteppt. Das Abend-Kleid Nr. 3
ist für dunkelblauen Voile mit roter Gloria
und dunkelbrauner Taffet-Stepperei gedacht.
— Der Rock von Nr. 4 ist grauer Voile
auf grünem Unter - Kleide ; das Jäckchen
grüner Taffet mit Applikationen. — Das
Ball-Kostüm Nr. 5 wirkt in rotem Künstler-
Crepe, plissiert, mit goldenem Netz und
Perlen an dessen Knotenpunkten geradezu
pomphaft. Von vornehmer Einfachheit ist
dagegen das Fraise-Lüsterkleid mit schwarzen
Taffet-Applikationen Nr. 6. — Abb. Nr. 7
gewährt uns Vorder- und Rück - Ansicht
eines weissen Crepe-Kleides mit Faltenrock;
das Über-Kleid ist aus weissem Taffet mit
weissen Applikationen oder aus weisser
Duchesse mit Gold - Stickerei zu wählen.
Bei Nr. 8 ist das Unterkleid - Futter in
creme Taffet gedacht, das Unterkleid selbst
plissierter grau-grüner Crepe de Chine mit
desgl. Ärmeln. Der Über-Mantel steht
hierzu am besten in carminroter Moiree
mit Gold-Stickerei. — Es ist unverkennbar,
dass in den Kostüm-Ideen unserer Künstler
und Künstlerinnen sich eine gewisse Rich-
tung kundgibt. Vielleicht ist die Zeit doch
nicht mehr gar so fern, wo auch Deutsch-
land in der Mode zu seinem Recht kommt.

ABEND-KLEID (DKLBR. VOILE). NR. 3.
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