Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 51.1922-1923

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Die >Deutschen Werkstätten« auf der Deutschen Gewerbeschau.

statten" in zwei sehr verschiedenen Typen: für
anspruchsvollere Bedürfnisse schufen sie einen
größeren Holzbau, der im Stil bester Schiffs-
einrichtungen jeden Winkel ausnützt und doch
klare, geschlossene Räumlichkeiten erreicht.
Die wohlüberlegte Anlage hat Prof. Niemeyer
in die letzte Fassung gebracht und ihr auch
die harmonische Einrichtung geschaffen. Das
Ferienhaus von Riemerschmid ist wesent-
lich einräumig, ein reines Holzhaus von höchster
Ökonomie in der Konstruktion und Zweck-
dienlichkeit. Es kann ohne jede Mithilfe frem-
der Werkleute vollständig bezugsreif von den
„Deutschen Werkstätten" an jedem beliebigen
Platz aufgestellt werden.

So stellt sich auch in den großen Gesamt-
leistungen die Arbeitsweise und das Arbeits-
ziel der Künstler der „Deutschen Werkstätten"
in den Dienst der Allgemeinheit: Die künstle-
rische Kultur des modernen Hauses, das prak-
tisch und geschmacklich ideale Möbel, das aus-
geglichene Ganze eines Zimmers, einer Wohnung,
eines Hauses von der einfachen bis verwöhnten
Lebenshaltung wird hier gepflegt und in uner-
müdlichem Vorwärtsstreben gefördert, jos. popp.

DER STIL DER ZUKUNFT.

Nicht die Kunst schafft den Stil, — das
Leben schafft ihn. Er wird nicht gemacht,
er wächst. . Daß überhaupt die Meinung herr-
schend werden konnte, es habe zwar in früheren
Zeiten jede Epoche ihren Stil ausgebildet, da-
gegen unsere Zeit habe diese Fähigkeit einge-
büßt, scheint mir zu beweisen, daß das Wesen
des Stils verkannt worden ist; deshalb mußten
wir auch die alten Stile gründlich mißverstehen
und zu der merkwürdigen Meinung gelangen,
ein Stil könne in allem Ernst nachgeahmt oder
zurückgeführt werden. Ebenso wie positive,
kann ein Stil auch negative Eigenschaften ha-
ben; in beiden Fällen bedeutet er die Art, wie
sich eine bestimmte Zeit und eine bestimmte
Volks-Gemeinschaft im Reich des Sichtbaren
ausdrückt, — es kann sein als groß und edel, es
kann aber auch sein als verlogen u. verkümmert.

Für unsere Zukunft, und damit auch für ihren
Stil, will's mir so scheinen, als wenn das Mann-
hafte das eigentliche Kennzeichen werden
müßte. . . Über das selige, gläubige, von Spiel
und Kunst und auch von schuldlos grausamem
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