Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 51.1922-1923

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entw: w. v. wersin.

»kajutenraum«

STOFFE UND TAPETEN.

Die Tapete hat eine uogemein bestimmen-
de Wirkung im Raum. Zu ihrer ursprüng-
lichen Aufgabe, der Verkleidung der gemauer-
ten Wände, tritt sehr bald als die wesentlichere
die: wirkendes Mittel zu sein, durch Farbe,
Ornamentik und Charakter dem Raum einen
Grundton zu geben, auf dem dann die übrigen
Ausstattungsstücke alle in ihrer Besonderheit
harmonisierend zur Geltung kommen können.
Der erfahrene Innenraum-Gestalter wird hier
auf Grund seiner Beobachtung zur Formenlehre
der Möbel, zur Wirkung gewisser Farben bei
verschiedenem Licht, zur Belebung der Fläche
durch Ornamente, nicht zuletzt aber auch auf
Grund seiner Kenntnisse zur Seelenkunde
der Farbe, zum besonderen sinnlichen Reiz ein-
zelner Tönungen wählen. Grundforderung bleibt
immer, die Tapete zu treffen, die zu dem eigenen
Wohncharakter eines Zimmers paßt und gehört.

Die Tapete eines Schlafzimmers soll den fröh-
lich stimmen, der darin aufwacht; die Tapete
für einen Empfangsraum soll etwas würdigen
Ernst und eine angemessene Verbindlichkeit
haben, genau wie der Mann, der hier empfängt.
Auch für die Bürostube sollte man keine Aller-
welts-Tapete bestimmen, sondern auch hier eine
finden, die bei aller Sachlichkeit und Schlichtheit
doch irgendwie arbeitsfreudig stimmt. Und die
Kinderzimmer-Tapete? Hier ist Traumseliges,
Altkluges und phantastisch-Buntes, vor allem
aber viel Helle und Freundlichkeit angebracht.

Für Stoffe, insbesondere Draperie-, Möbel-
und Vorhangstoffe, gelten fast dieselben Be-
trachte, nur ist hierbei zu beobachten, was den
gewebten Stoff von der Tapete unterscheidet:
das ist jene verhüllende, verschweigende, kleid-
sam bedeckende, wärmende Eigenschaft, die
allem Web werk zu eigen ist. . Heinrich geron.
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