Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 51.1922-1923

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PROFESSOR ERNST AUFSEESER.

»BEMALTES KAFFEE-SERVICE«

ARBEITEN VON PROFESSOR ERNST AUFSEESER.

Wenn man das Wirken Ernst Aufseesers
verfolgt, findet man überall in ihm jene
schlichte, sachlich-vornehme Art, die der Ver-
breitung moderner Formgedanken so schätz-
bare Dienste leistet. Auf den verschiedensten
Gebieten hat er sich betätigt, nicht als ein stür-
mischer Vorwärtsdränger, nicht als kühner
Wegebahner, aber als geschmackvoller An-
wender gesicherter Ergebnisse, als genauer Ken-
ner der Stoffe und Verfahren. Damit ist keines-
wegs gesagt, daß er in ausgefahrenen Geleisen
geht. Sein Ornament, seine Bearbeitungsweise
haben durchaus Originalität. Aber sie haben
die Originalität, die aufbaut auf der Arbeit der
Vorläufer und Mitstrebenden.

Man könnte sagen, daß seine Kunst einen im
guten Sinne „bürgerlichen" Charakter hat. Sie
ist schlicht und faßlich, sie hat Sinn für muntere,
kecke Wirkungen, sie ist b ei aller Vornehmheit nie
überspitzt oder grüblerisch oder überkultiviert.

Bei den Töpfereien, die wir hier abbilden,
ist ein modernes, geometrisch angehauchtes
Flachornament mit Glück auf die gebogene
Fläche übertragen. Es trägt dabei durchaus das
Gepräge gewisser deutscher Bauerntöpfereien,
es hat einen derben, trockenen Witz und ist im

besten Sinne volkstümlich, wozu vor allem die
lebhaften, kräftigen Farbtöne beitragen. Man
wird sehr scherzhaft an die netten, klaren Bilder
und Muster in Buntpapier erinnert. Der Tabak-
topf steht wieder mehr im Zusammenhang mit
der expressionistischen Formenwelt, oder viel-
mehr mit dem Ornament etwa des 18. Jahr-
hunderts, das aber durch moderne Auffassung
hindurchgegangen ist.

Liegt hier mehr eine derb-gemütliche Auf-
fassung vor, so treten die gediegenen Leder-
einbände in ausgesprochen vornehmer Weise
auf. Ein eingepreßtes Ornament in schmal hin-
geschriebener, schwungvoller Linie belebt die
Fläche und bringt das Leder erst zur vollen
Geltung. In dem Ringen unseres Buchgewerbes
um den Wiederaufstieg zu alter Buchschönheit
bedeuten diese Arbeiten eine wertvolle Einzel-
leistung ; wertvoll, weil sie allen Nachdruck auf
technische Tadellosigkeit, auf „Empfundenheit"
des Ornaments legen. Denn darauf muß es
unsrer Buchkunst zunächst wieder ankommen,
das Gefühl für das „Richtige" zu schärfen,
herauszutreten aus dem Stadium des Tastens
und Schwankens und vor allem den Grund zu
jener ruhigen, tüchtigen Zuverlässigkeit zulegen,

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