Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 51.1922-1923

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IVAN MESTROVIC—AGRAM.

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DIE STADT ALS MÄZEN.

VON PROF. DR. E. W. BREDT.

Bis jetzt merkt man noch nicht, daß Städte
mäzenatische Pflichten früherer Fürsten
übernommen hätten. Woran liegt das ? Die Not
der Zeit ist nicht schuld daran. Initiative fehlt I
Es fehlt an Persönlichkeiten von freiem Umblick
und Urteil. Können wir nicht mehr großartige
Bauten mit den kostbarsten Bildwerken und
allem möglichen Schmuck herstellen, so muß erst
recht die wachsende Not gemahnen, neue Wege
zu erschließen zur Gewinnung von bleibenden
Kunstwerken. Die Staaten mit ihren Galerien
können nicht mehr allein den besten Künstlern
Erwerb von auszeichnender Bedeutung ver-
schaffen. Jede Stadt, jede Gemeinde muß ein-
greifen, dembesten was unsere Künstler schaffen,
ein Ehrenasyl zu geben. Ich will nur an einiges
erinnern, wie wenigstens mitkleineren Auf trägen
der Not der gerade aufkommenden besten
Künstler gesteuert werden könnte.

Beispiel: Es wird zu einer großen Wohltätig-
keitsaktion aufgefordert. Eine künstlerisch
orientierte Persönlichkeit des Stadtrates be-
auftragt sofort einen jüngeren Künstler eine
Medaille oder Plakette zu entwerfen. Dies Werk
wird den größten Stiftern zur Ehrung und An-
erkennung vom Stadtrat verliehen. Ein reicher
Stifter wird gern die Kosten übernehmen. Oder
die Medaille wird in anderem Material her-
gestellt, kann in billigerem Material an weitere
Stifter oder Käufer abgegeben werden. So ist
der Kunst gedient und der Eitelkeit und Wohl-

tätigkeit. Und für derartige Zwecke kommen
ja ebensogut auch Keramiker, andere Kunst-
gewerbler, Graphiker in Betracht. . . Ein ander
Beispiel: Irgend eine hervorragende Persönlich-
keit besucht die Stadt, fördert sie irgendwie.
Dann wäre es Sache eines künstlerischen Stadt-
beraters — (das Wort „Kunstwart" will ich
aber nicht dafür empfehlen) — einen der besten
Bildhauer oder Maler zu beauftragen, das Bild-
nis des Betreffenden zu schaffen, damit es
in einem Ehrensaal, später wohl in der Stadt-
galerie für immer aufgestellt werden kann.
Aber auch hier könnte nach dem Entwürfe eines
hervorragenden Künstlers an Nachbildungen in
anderem Material, anderer Technik gedacht
werden. Steht die Chronik der Städte in den
Tageszeitungen, so ist es die Pflicht auch der
ärmsten Zeiten, daß alle wichtigsten Ereignisse
und Persönlichkeiten des großen Gemeinwesens
in edelster künstlerischer Form zur Nachwelt
sprechen können. — Material und Größe solcher
Werke richten sich nach den vorhandenen
Mitteln — aber auch heute werden nie die Mittel
fehlen, wenn nur der richtige Weg gefunden
wird zur Eitelkeit jener, die die Mittel besitzen.
Voraussetzung ist nur, daß in jeder Stadt wenig-
stens eine Persönlichkeit von klarem künst-
lerischem Urteil — wenn's durchaus nicht anders
gehen sollte, eine Kommission — die nötige
Bewegungsfreiheit bekommt, ihre oft rasch zu
ergreifenden Initiativen durchzusetzen. —

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