Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 51.1922-1923

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Ausgestaltung eines Bazargebäudes.

ARCHITEKT K. J. MOSSNER—MÜNCHEN.

BÜRO • GEMÄLDE VON FRITZ ERLER.

und geschmackvoll abgestimmte Farben der
Wände gewinnt. Die Führung des Bazars war
Herrn Richard L. F. Schulz, Berlin, übertragen.
Es handelte sich hier nicht um die offizielle
Verkaufsstelle der Ausstellung, auch nicht aus-
schließlich um den Verkauf von Gegenständen,
die sich in der Ausstellung vorfanden, dagegen
sollte durchwegs die Höhe einer gewissen Ge-
schmackskultur gehalten werden. Es war denn
auch auf die sogenannte billige Andenkenindu-
strie verzichtet, die Gegenstände, die als Er-
innerung an die Gewerbeschau dienen konnten,
zum Beispiel Briefbeschwerer aus Glas mit den
eingeschliffenen drei Köpfen des Plakats, kamen
bei der Gediegenheit der Ausführung und dem
Preis nicht als Bazarmassenartikel in Betracht.
Porzellane erster Manufakturen, gediegene Le-
derwaren, Bauerntöpfereien, bunte Handwebe-
reien aus Bayern und Schleswig, bedruckte
Stoffe, Wachsplastiken, Künstlerkleider, Pup-
pen, originelles Spielzeug, Zier- und Luxus-
gegenstände aller Art füllten die Räume, in
denen auch die Wiener Werkstätten eine Über-
sicht über ihr Schaffen geboten hatten.

H. R.

VOM UMGANG MIT KUNSTWERKEN.

Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, die Be-
ziehungen eines Menschen zu einem Kunst-
werk seien mit einer ersten Begegnung zwischen
beiden schon umfänglich angeklungen und voll-
kommen ins Erlebnis gebracht. Wenn ein
Mensch und ein Kunstwerk sich begegnen, so
stehen nicht zwei feste, statische Größen ein-
ander gegenüber, Charakter gegen Form, son-
dern zwei Größen, die gegen das Unendliche
hin offen sind und deren Beziehungen sich nur
als ein hingedehnter zeitlicher Ablauf mit
vielen Wendungen und Tempoveränderungen
allmählich klarstellen können. Ein Mensch
kann unmöglich bei der ersten Begegnung mit
einem Kunstwerk wissen, was es für ihn an
erfreulichen und abstoßenden Eindrücken ver-
borgen hält. Keine Schulung, kein Kunstver-
ständnis kann den Umgang mit dem Kunstwerk
ersetzen. Und man kann sagen, daß insofern
im ganzen Betrieb unsrer heutigen Kunstkritik
eine schwere Ungerechtigkeit liegt, weil sie den
Anspruch erhebt, mit einem flüchtigen Blick
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