Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 51.1922-1923

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E. A. ENDERS—LEIPZIG. >MAROQUINBAND MIT GOLDc

SCHÖN UND HÄSSLICH.

(schluss von seite 204.) Diese Worte besagen,
daß der ästhetische Wert eingesenkt ist in
die produktive Tätigkeit als solche. Je weniger
allgemein gültige Werturteile wir voraussetzen,
je mehr wir überhaupt in unserer Lebensan-
schauung den Ton vom Sein auf das Werden
verlegen, je näher liegt es auch bei der Kunst
in der Art der Betätigung selbst die eigentliche
Aufgabe zu suchen. Jedenfalls ist damit die
Möglichkeit zur Verständigung von Fall zu Fall
gegeben. Denn Ziegler folgert ganz richtig:
„Ob eine Statue schön oder häßlich sei, mag
freilich ewig bestritten bleiben. Ob sie dagegen

eine den bildnerischen Mitteln gemäße klare,
sinnliche und überschaubare Vorstellung der
Form darbietet oder nicht, ob sie in dieser Hin-
sicht plastische Werte verwirklicht oder nicht,
das muß an ihr aufzeigbar sein".

Der dogmatische Piatonismus hat in der
Kunst keine Gültigkeit mehr. Schön und häß-
lich als Bezeichnungen von Normaltypen sind
seine letzten Überbleibsel. Werturteile von nur
gefühlsmäßiger Bedeutung werden uns ja kaum
irre fuhren, denn wie wir das Unaussprechliche,
dasUrphänomen Goethes sprachlich bezeichnen,
ist nicht entscheidend, entscheidend ist nur,
daß es sich uns als Erlebnis offenbart. . . k. h.
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