Zeitung für Einsiedler — Heidelberg, 1808

Seite: 229
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Leichnam/ -ft wurden abwechsckn- von acht und Vierzig
Dienern getragen.
An dem Tag der Bestattung des herrlichen Grafen
Gaston de Foix, -es letzten dieses NahmenS / welche in
der Stadt Ortais in der Barfüßerkirche in dem Jahr
unftrS Herrn 4391 den i2ten Oetober an einem Montag
gehalten wurde/ »Var viel Volk aus dem Lande Bearn
und sonst woher/ Baronen / Ritter/ Prälaten und drey
Bischöffe in Ortais. Der Bischof de PalmeS las das
Todtenamt/ da brannten eine Menge Lichter Md alles
war sehr prächtig angeordnet/ und hielten während der
Messe vor dem Alter vier Ritter vier Fahnen/ mit den
Wappen von Foix und Bearn. Die erste hielt Messtre
Raymond du Chatelneuf. Die zweyte Messtre Espaing
du Lion. Die dritte Messtre Pierre Degmer. Die viert«
Messtre Menauld de NovalleS. Den Degen hielt Mes-
stre Roger d'ESpagne. Den Schild trug -er Vicomte
de Bruniqnel. Den Helm trug der Sire de Valentin/
daS Pferd führte der Sire de Coraffe. Die ganze Be-
stattung wurde prächtig nach Landesgebrauch vollzogen
und wurde nach der Messe der Leichnam aus dem Sarge
genommen / in gutes neues Wachstuch eingewickelt/ und
vor den großen Altar der Chores bey den Barfüßern be-
erdigt. Des Seinen ist nichts mehr/ Gott verzeihe ihm!

Von den Mahandel Bohm.
Lin Kindermährchcn in der Hamlmger Volkssprache, .nacherzähkt
ve» PH. D. Runge. *)

Dat iS nu all lang her/ woll twee Dufent Fohr, ds
was dar een rick mann, de hadde eene schoine frame
Fro»/ un fe hadden stk beede seer leef^ hadden averst
kene Kinner/ se wünschten stk averst seer welke/ un de
stou bedt so veel dorum Dag un Nacht/ man se kregen
kecn un kregen keen , — vor eerem huse was een hoff/
-arup stund een Machandclboom/ ünner den stün -e
Fron enns in'n Winter/ un schalt stk eenen appel —
«n aS se stk den appel so schalt, so snet se stk in'n fin-
ger/ un dat blot feel in den snee — ach ! se- -e ftou,
«n süft so recht hoch up, un fach dat bloot för stk an,
un was so recht wehmödig, had ih doch een Kind so roth
aS Bloot un so witt as Snee — un as se dat sed ft»

») Wir machen mit dieser Erzählung am liebsten den Stnläng
der aus verschiedenen Gegenden erhaltenen, theils ihrer ei-
genthümlichrn Wunderbarkeit und Häuslichkeit wegen, theils
auch um in Göthes neuem Faust (leyre Scene) einige in
Lliirchrn wiedererweckten alle Verse zu kommentieren.
E inst e-d k r rr

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Wnrh E st recht ftökich ts mode, eer waS recht as füll
dat was warden / Var ging fe to dm huse un ging een
Maand hm, -e Snee vor ging un twee Maand dar
was dat groin, un Dree Maand da keinen -e Bloimer
«t de Erde, nn Veer Maand -ar drungrn stk alle Boi-
rker in dat Holt un de groinen twige werren all in een
anrwr wuffen dar sungen -e VägelkenS dat -at ganz«
holt schallt, M de Blötm felen von de BoimeS -ar was
-e ftfte Maand weg / unse stand ienner dm Mahandel-
boom de rook so schoin do sprang eer dat hart vör freu-
den ünse seel up eere Knee un kande stk nich katm / un
as de feste Maand vorby was dar ward m de früchte
dik un stark -a ward se gans still, un de föben de
Maand da greep se nade Machandelbeeren «n att sc so
iridsch, da ward fe trurig un krank, -arging de Achte
maan Herr, «n se reep eeren Mann un weende un sed,
wen ik starve so begrave my ünner den Machandelboom,
da wurde se ganS getrost un freute stk bett de rrergte
maand vorby was dar kreeg se een Kind so witt as Snee
un so root as bloot un aS st dat sah so freute st stk so
dat se sturv.
Dar begrob eer Man st unner den Machandelboom,
un he fung an to weenen so seer, eene Tyd lang, da
ward dat wat sachter, un dor he noch wat wrend had,
-a heel he up, un noch eene Tyd, do nam he stk Wed-
der eene ftou.
Myt de tweete ftou kreeg he ene -ochter, dat Kind
Averst von de «erste ftou was een lüttje söhn un was so
root as Bloot rm so witt aS snee, wenn de ftou eere
dochter so an fach so had se se so leef, averst den fach ft
den lüttien jung an und dar ging eer so dorcht hart, un
eer dacht aS stund he eer allen wegen in'n weeg, im
dacht den man jämmer wo ft eer dochter all dat vor-
mögent towcnder woll, un de Böst gav err dat in
dar ft den lüttien jung gans gram wurd «n stöd em
herüm von een Ek in de anner, rm buft em hier «n
knufft «m -ar, fo dat dat arme Kind jümmer in Angst
war, wenn he den ut de schol kam so had he keene ru-
hide stede.
EenS war de fron up de kamer gan, Sa kam de
lüttje Dochter ok herup Md sed, Mutter giv my eenen
appel! ja myn Kind sed de ftou un gav err eenm schoi-
nen appel ut de kist, de kist averst had eenen groben
swaren Deckel mit een groot schaärp ysern slott, mut-
ter! seed de lüttje Dochter schall Broder nich ok eenen-
hebbcn, dat vördrot de ftou, doch ftd ft ja wen he uv
-e school kümmt, un aS se ut dat finster gewaar wurde
dat he kam so waS dat recht as wen de Böse aver e«^
kam, un se grapst to un nam eerer Dochter den appel
wevder weg M ftd du säst nich eer eenm hebbm a»
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