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Jahrbücher für Kunstwissenschaft — 1.1868

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Conze, Alexander: Michel Angelos Composition des Bersaglio
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https://doi.org/10.11588/diglit.51373#0372

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Michel Ängelo’s Composition des Bersaglios.

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Michel Angelos Composition des Bersaglio. Unter den jetzt
in der Sammlung im Palazzo Borgliese zu Rom aufgestellten Wandgemälden
aus der Villa Raphaels befindet sich auch eine auf den ersten Blick nicht
allein, sondern auch wohl bei längerem Betrachten räthselhaft erscheinende
Composition, welche man als die Laster, die nach der Scheibe schiessen,
benannt hat. Die Composition wiederholt sich unter den Handzeichnungen
in der Brera zu Mailand in Tusche ausgeführt und mit der Unterschrift von
fremder Hand: „Michello angelo bonarota“ (vgl. Pass avant, Rafael von
Urbino II. S. 288). Passavant führt als Unterschrift eines danach lithographir-
tcn Blattes von Maurin an: „les vices assiegeant la vertu“.
Es scheint mir sehr wahrscheinlich, dass der Gegenstand der Composi-
tion aus Lucians Nigrinus c. 36 entnommen ist. Das ins Innerste treffende,
die Seele ergreifende Wort ist dort dem tief im Ziele haftenden Schüsse ver-
glichen und es wird dann dieses Bild weiter ausgeführt mit folgenden
Worten: üoxef ijoi av8^og evcpvovg Uiv/T] paXa axonoi tlvi artaXto nyocreoixevat.
To^otai 8s noM.oi f.isv ava tov ßlov v.al ^eoroi Tac (papsTfjag notxilav re xai navTo-
Sancov ov pijv nävTSC uvaio/a Totgevovorv, aZZ’ oi psv avrav wrpoJp« Tag
vevoag sniTEtvavTsg evtotcotsqov tov 8sovTog aspiaor y.ai amonat fisv y.ai ovtoi T>]g
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y.a'i nagoSsvcravTa y.e/rjvviav /rövov to> Toavp.aTL tijv ipv/rjv ansZetney. dlXoi 8s näfav
TovTOtg vnsvavTtag ' vno fdg mr&svsiac ts xai avoviag ov8s esprxveirai toc ßebj
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eg^a^eiai ov /«p an ia/vgag evtolrjg ansare/.XeTO. Weiter wird dann
der gute Schütz beschrieben, der sich erst genau das Ziel ansieht, ob es
etwa sehr weich, oder zu hart für sein Geschoss sei; denn es gebe,
heisst es, auch undurchdringliche Zielscheiben. Dann aber bestreiche er
seinen Pfeil mit einem kräftigen und doch süssen Mittel, schiesse ab und
treffe so richtig, dass nun der Zauber des Mittels sich verbreite und die Seele
ganz und gar mit süsser Lust erfülle. So, sagt Lucian, sei es ihm ergangen,
als er den Philosophen gehört habe.
Diese ganze Stelle kann sehr wohl den Keim zu jener eigenthümlichen
Composition geliefert haben, bei deren Ausführung dann ein Hauptgewicht
auf die künstlerische Gestaltung der schön bewegten nackten Körper der
Schützen fiel. Die kleine Figur am Fusse des Zieles wird freilich nicht direct
durch die Lucianische Stelle erklärt.
Wie sehr Lucian in Raphaels Zeit bekannt war, wie die Künstler damals
sich gern von seinen selbst schon künstlerisch gedachten Schilderungen zur
Darstellung anregen liessen, daran darf ich wohl nur mit Nennung Dürers
 
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