Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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^5@- PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <^v-
ist die Jury an dem ganzen puppigen „Humor" —
PERSONAL- UND zum Gotterbarmen —kaltlächelnd vorübergeschritten
und hat einige künstlerisch ernst zu nehmende Ar-
ATELIER - NACHRICHTEN beiten ausgezeichnet. Für die Ausführung in Frage
kommen aber wohl nur die mit den beiden ersten
D RESLAU. Das Preisausschreiben der Stadt Breslau Preisen bedachten Entwürfe von Christian Behrens
*^ um Entwürfe für einen Schmuckbrunnen auf dem und Hugo Lederer. Gegen Lederer, der einen
Platze vor der Universität hatte einen numerisch prächtigen nackten Jüngling mit dem Stossrappier
sehr starken, künstlerisch desto geringeren Erfolg. in der Hand — ein Wink an die Bierbankplastiker,
Unter den mehr als fünfzig Entwürfen befand sich wie weit man etwa in der Anlehnung an das Studen-
eine bedauerliche Ueberzahl solcher, die in geradezu tische gehen kann! — auf vortrefflich komponiertem
erschreckender Weise Mangel an Erfindungskraft Sockel mit zwei Brunnenbecken giebt, ist von mass-
und vor allem an monumentalem Empfinden bei gebender Seite bereits der Einwand erhoben worden,
ihren Urhebern verrieten. Ein recht unglücklicher dass er—horribile dictu — zu „unbekleidet" sei und
Passus in dem Ausschreiben, der unter Umständen bei der zarten Rücksichtnahme auf den „stiftungs-
auch eine humoristische Bezugnahme auf das Stu- gemässen" Charakter unserer ehemaligen Jesuiten-
dentenleben zuliess — als ob die Universität eine hochschule, an die wir hier gewöhnt sind, wird
Kneipe wäre und der studentische Comment über- dieses Bedenken im städtischen Parlament wohl
haupt im öffentlichen Leben einer Stadt wie Breslau durchschlagen. Um so weniger versteht man, wes-
irgend welche Rolle spielte — hat nämlich viele halb dem Entwurf von Behrens mit dem ersten
Künstler verführt, die ganze traditionelle Romantik Preise nicht auch ohne Weiteres die Ausführung
des Burschentums vom heldenhaft posierten Fuchs- zugesprochen worden ist. Es mag für den Laien
major bis zum Nachtwächter und zur Lindenwirtin allerdings schwer sein, aus seiner flüchtigen Skizze
aufzubieten; es konnte einem wirklich grauen, wenn die geistvoll originelle Idee und eminent dekorative
man sich diese Stammseidelplastik im Überlebens- Wirkung dieses Brunnendenkmals herauszulesen,
grossen Masstabe vor unserem altehrwürdigen Uni- das in phantastisch pyramidalem Aufbau die aus
versitätsgebäude aufgebaut dachte. Glücklicherweise einem grossartig gedachten Zeushaupt sich zum
Licht emporschwingende Pallas
Athene zeigt, umgeben von den
Gestalten der vier Fakultäten.
Behrens hat inzwischen eine
sehr glückliche Um-und Durch-
bildung seiner genialen Skizze
in grösserem Masstabe vorge-
nommen und wir wollen hoffen,
dass er damit vor unseren städ-
tischen Kunstkennern Gnade
finde. Andernfalls wäre, bei
den ohnehin geringen ver-
fügbaren Mitteln, die ganze
Preiskonkurrenz wieder einmal
hinausgeworfenes Geld! M. S.
CTUTTGART. Auf die ander
^ Akademie der bildenden
Künste erledigte Lehrstelle
wurde unter Verleihung des
Professortitels der Maler
Christian Speyer in Mün-
chen, ein geschätztes Mit-
glied der dortigen >Secession<
berufen.
DRAG. Eine an Monumenten
* arme, aber an Entwürfen
für solche reiche Stadt könnte
man Prag füglich wegen der
häufigen Konkurrenzen nennen,
von denen jetzt zwei wieder
rasch nach einander zur Ent-
scheidung kamen, eine für das
Huss-, die andere für das Pa-
lacky-Denkmal. Sollten beide
Denkmäler in einem Jahre zu
Stande kommen, so würde man
wohl über eine Million Kronen
für monumentale Plastik auf
einmal verausgaben und zwei
junge und gewiss hochtalen-
tierte Meister hätten das
grosse Los gewonnen. Sie
arnold böcklin lauten spielerin (lg7S) haben zwar vorderhand beide,
(Das Original im Schlesischen Museum :u Breslau) SäLOUN als Huss-Projektant


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